wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

10.08.2014

Wer sind eigentlich die Partnerstädte von Krems? Teil 2

VIRTUELLE BESUCHE

in andere Welten?

Im letzten Beitrag über Partnerstädte von Krems schrieb ich von Böblingen und Ribe, zwei Kleinstädte, die vermeintlich viel oder wenig mit unserer süßen Mittelalterstadt zu tun haben. In Beaune konnte ich vergleichsweise viele Anknüpfungspunkte finden und bin mir sicher, dass ich mich im französischen Burgund genauso wohlfühlen würde wie hier, vor Ort :) Mein nächstes Reiseziel steht auf jeden Fall fest...

Beaune (Frankreich)

seit 1976 Partnerstadt von Krems



Gleich am ersten Blick ist mir völlig klar, wieso Beaune und Krems Gemeinsamkeiten gefunden haben, sich zu verpartnern. Der Wein steht in beiden Städten im Mittelpunkt. Krems, die Stadt am Beginn der Wachauer Kultur- und Weinlandschaft, steht Beaune gegenüber, das in Rick Steve's Blog folgendermaßen genannt wird:

It is the epitome of what you would imagine the wine region of France to be. Cobblestone streets, antique buildings, exquisite shops, delectable food and wine, wine, wine! What more could we ask for?




Die Stadt liegt zwischen Dijon und Autun zentral in der Region Burgund. Ihr mittelalterliches Zentrum ist noch von einer intakten Stadtmauer eingeschlossen und fällt besonders durch ein restauriertes, gut erhaltenes Krankenhaus aus dem 15. Jahrhundert auf, das Hôtel-Dieu. Gesponsert vom ehemaligen Finanzminister Nicolas Rolin und seiner Frau, die Philipp dem Schönen dienten, verweist das Bauwerk auf längst vergangene (bessere?) Zeiten. Noch heute wird ein Großteil der Erlöse eines Weinfests im November an eine karitative Einrichtung gespendet, in Anlehnung an Rolins Interesse am Gemeinwohl durch das Krankenhaus.

Ein kunsthistorisches Plus erhält Beaune für die Notre-Dame-Kathedrale beziehungsweise die Tapisserien (Wandteppiche) aus der gotischen Zeit, die sie aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich macht.  Die fünf gewebten Wandbilder erzählen aus dem Leben der Jungfrau Maria und berichten von einzigartiger Handwerkskunst, die nur mehr ganz selten erhalten in dieser Größe erhalten ist.

Plus Nummer 2: Château d'Ancy-le-Franc, ein Schloss des Symmetrie-Meisters Sebastiano Serlio, das weder in Italien noch im übrigen Frankreich ein vergleichbares Pendant bekam.

© chateau-ancy.com 

Die nächsten Partnerstädte, die ich virtuell besuchen werde, sind Kremsier in Tschechien, Grapevine in Texas, USA und das deutsche Passau... sei gespannt!

08.08.2014

Pop-Up in Krems?


Grafenegg goes Krems

Geheim-Konzerte auf der Kunstmeile Krems


Heute durfte ich an einer ganz besonderen Aktion teilnehmen. Das European Union Youth Orchestra nahm das schöne Sommerwetter und sein Konzert am 9. August in Grafenegg zum Anlass Konzerte an unterschiedlichen Orte in Krems zu geben. Gratis. Öffentlich zugänglich und spontan.

Zuerst kam ein Bläserquintett in die Kunsthalle Krems, direkt in der Ausstellung von Martha Jungwirth spielten die jungen MusikerInnen Variationen aus dem 20. Jahrhundert. Die Zuhörer standen rund um die Orchestermitglieder.

© diekremserin


Draußen, am Vorplatz des Karikaturmuseum Krems, gesellten sich dann einige Radfahrer und Spaziergänger zu den Streichern dazu, die trotz der immer wieder vorbeifahrenden Autos, geduldig und ruhig blieben und ihr Programm professionell durchzogen.

Das dritte Konzert-Happening wurde am Minoritenplatz in Stein inszeniert. Der Platz mit den Häuserfronten ließ den melodischen Klang von Streich- und Blasinstrumenten fast wie in einem Konzertsaal erklingen. Auf dem Bänkchen vor der Minoritenkirche setzten sich zuhörende MusikerInnen hin, Radfahrer machten halt und blieben stehen, belagerten den wunderschönen Platz.

© diekremserin


Ich bin begeistert, wie flexibel und wunderbar einfach solche Aktionen sein können. Die EUYOs wirkten stressfrei und völlig relaxed. Hat Spaß gemacht! 


07.08.2014

Jetzt und Früher

Wolfgang Ernst in der Dominikanerkirche

Wenn Kunst bewegt

Eigentlich hatte ich vor endlich ins museumkrems zu gehen. Kremser Senf usw. Aber dann, als ich die schweren Glastore der Dominikanerkirche am Körnermarkt aufstieß, wollte ich nur mehr eins: hinein in den gotischen Bau, hinein in die luftige Ausstellung, hinein in Zeit:Kunst.

© diekremserin via instagram

Die Quellen der Inspiration liegen verstärkt in außerkünstlerischen, geistes- sowie naturwissenschaftlichen Standpunkten, die bis in vorchristliche Zeiten zurückreichen.

Die Ausstellung "Licht Blei & Schatten" des Künstlers Wolfgang Ernst kuratierte die Kunstkritikerin Margareta Sandhofer, die mit sehr viel Bedacht an die Arbeit ging. Kein white cube - also die handelsüblichen vier weißen Wände, mit der zeitgenössische Kunst sonst ausgestellt wird - umgibt die Kunst und die Betrachter. Alte Mauern, älter als wir uns erinnern können, alt genug, um Geschichten zu erzählen. Tatsächlich finde ich an vielen Stellen Malereien aus vergangenen Zeiten. Im Vordergrund stehen dennoch die einfühlsamen Werke von Wolfgang Ernst. 

Ins Auge gesprungen ist mir besonders diese gefiederte Skulptur, die wie eine Stele nach oben strebt. Wunderschön fasziniert und gleichzeitig verwundert wandte ich meinen Blick auf die Skulptur daneben. Die "erfolgstreppe" (1968) aus Stahl und Gras. Sehr subtil schmiert Wolfgang Ernst, der 1942 in Wien geboren heute in Niederösterreich lebt, den Betrachtern seinen Blick auf die Welt und ihr geistiges Eigentum, ihre kulturellen Errungenschaften und das stetige Wollen der Menschheit ums Maul. Aber eben subtil. 



© diekremserin


Der Rundgang durch die Ausstellung ergibt sich fast wie selbst, denn obwohl ich glaubte alles im Blick zu haben, rundet die ca. 2,30 m hohe, weiße Ausstellungsarchitektur den historischen Ausstellungsraum ab. Gleich zu Beginn konfrontiert Wolfgang Ernst uns mit Text-Bild-Nachdenk Arbeiten, die sich durch die gesamte Ausstellung ziehen. Text und die Veränderlichkeit dessen, was geschrieben steht und wie jeder Mensch dies anders versteht, steht eindeutig im Vordergrund. Dabei fallen mir besonders die "Hoehlen-Texte" auf. Mit Mortadella "geschriebene" Sätze sind bis zur Unkenntlichkeit verschimmelt, verrutscht und zerkleinert. Ganz unbewusst denke ich über Platons Höhlengleichnis nach und schüttle die Gedanken wieder ab, als ich in den großen Spiegel sehe. Die Tür nach draußen? Dorthin, wo sich die Menschen bewegen, deren Schatten ich sehen kann? Ich fühle mich wie Truman - beobachte mich selbst und werde beobachtet. Dann betritt man den Altarraum, den heiligsten Ort der ehemaligen Kirche, und sieht neben mittelalterlichen Wandmalereien großformatige, in Schwarz gehaltene Arbeiten...

Und dann ist da noch die Arbeit "Kassandra", die Schrift, Licht und Grafit vereint. In einem Kreis als vermeintliches Altarbild sticht der Schriftzug in Neonlicht hervor. "Kassandra" - wer ist diese Frau? Was tut sie? Welchen Hintergrund hat sie? Abermals komme ich ins Grübeln, bevor ich den Altarraum durch die Spiegeltür hinaus verlasse und mich noch einmal umdrehe.




© diekremserin

Der Zusammenhang und die Verbindung zwischen Kunst aus unterschiedlichen Materialien, dem historischen Gebäude und seiner Umwidmung vom geistlichen Raum hin zum Kunstraum, wird mit Wolfgang Ernsts Arbeiten optimal genutzt.

Bis 19. Oktober 2014 ist die Ausstellung in Zeit:Kunst Niederösterreich zu sehen.

© diekremserin



05.08.2014

Ein zweites Mal

Krems unter freiem Himmel II

ein Fest für die Sinne

Ja, tatsächlich, es wird wieder soweit sein. Der Stadtpark gehört wieder uns! 
Jetzt, wo der Pavillon in der Kremser Oase schön restauriert und wie ein Prunkstück glänzend in mitten der grünen Pracht steht, und endlich zugänglich ist, lade ich zum 2. Teil von Krems unter freiem Himmel.

© diekremserin

Das Motto gemeinsam mit MOYOme Doris und Linda sowie Felix (Kaffee) gewählt, lautet am 21. September: WELCOME HOME! Hol' dir deinen Sommer zurück


Warum Mitte September? Die neuen Studenten und Studentinnen sind am Campus Krems angekommen, haben ihre Wohnungen bezogen und die Altstadt(-lokale) teilweise erkundet. Zurück in Schule und Arbeit leben die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt wieder ihr gewohnt eifriges Leben. 

Aber wir alle denken gerne zurück an den Sommer, der schon wieder in weiter Ferne zu liegen scheint. Altweibersommer, sei Dank! 



Ich freu mich auf ein Fest mit euch! 




03.08.2014

Willst du meine Frau werden?

Dekadenz mit Maschin

Liebe für alle vom Salon Ditta




Gmünd ist im Waldviertel. An der tschechischen Grenze. Also so weit oben, dass Krems ziemlich weit weg erscheint.
(c) diekremserin, Gmünd I

Gmünd hat den Salon Ditta und das Palaverama Festival. Gemeinsam waren ich, der Kulturverein und das Festival auf einem Feld in Gmünd II. Gmünd I lautet die Adresse für jene, die am mittelalterlichen Stadtplatz wohnen. Gmünd II dürfte der etwas günstigere Bezirk sein. Vor dem Palaverama Festival war mir nicht klar, dass sich Gmünd in zwei Teile aufteilt - mit eigener Postleitzahl. Nach dem Palaverama Festival wusste ich, dass der Vorteil an Gmünd II ist, gleich neben dem Festival zu wohnen. Von der Wohnung meiner Cousine bis zum Festivalgelände - klein, aber umso feiner - waren wir gute 6 Minuten zu Fuß unterwegs und kamen auf der mit Paletten ausgelegten Wiese an. Schuppdiwupp, ein Presseausweis kam daher und ich schummelte mich mit meiner Freundin unter die Menge. Nach Sco und Gerard leisteten wir uns ein Rote-Linsen-Aufstrich-Brot und begannen mit den Mitgliedern vom Salon Ditta zu plaudern.

(c) diekremserin, Salon Ditta
Gmünd ist dort, wo die meisten von den Vereinsmitgliedern und Gönnern aufgewachsen sind. Jetzt leben sie gar nicht mehr da, oder nur vereinzelt. Dass aber so viel möglich ist, sehen sie alle. Florian erzählt, dass die engagierte Gruppe von jungen Waldviertlern im September 2013 das Format //besucht ins Leben gerufen haben, bei dem sie ca. alle 2 Monate junge, talentierte Singer/Songwriter und Poeten an einen Standort ins Waldviertel einladen. Am Pala bereiten sie den Besuchern und Besucherinnen eine gute Zeit, da sie die typische Waldviertler Kost Er'pfä zu Puffer reiben und in Fett zu Laibchen backen. Yummy. Mit Knofi-Sauce.

(c) diekremserin, Maurice & Michael von Bilderbuch




Da beginnen schon Bilderbuch auf der Bühne zu rocken. Das Publikum geht ab. Endlich! Ja, der wasserstoffblonde Maurice spielt mit seiner Stimme, bedient die Menge mit Posen, die Spaß machen und an DEN österreichischen Musiker des letzten Jahrhunderts erinnern: Falco. "Unsre Jugend wird dahin sein, wie der Rauch aus dem Schornstein." - Ganz ehrlich, wer bei den Texten von Bilderbuch genau hinhört, nimmt wahr, mit wieviel Witz und Ironie die Burschen an ihre Lyrics-Generierung herangehen. Musikalisch top, macht mir das Quartett Laune auf mehr. Deshalb bin ich gleich dabei, als sich Maurice und Michael von der Bühne ins Publikum mischen und erstmal ein paar Schlucke trinken. Bevor sich eine zu große (Mädchen)-Menschentraube bildet, nutzen Judith und ich die Gelegenheit für ein Foto und ein kurzes Gespräch. Woher das Palaverama seinen Namen hat, wissen die beiden nicht... wir sind auf der richtigen Spur.

Thees Uhlmann & Band lassen die Gitarren klingen und die Bilderbuch-Jungs verziehen sich in den wohlverdienten Feierabend. Thees ist freundlich, fühlt sich wunderbar wohl in der kleineren Festivalrunde (letztes Jahr am Frequency waren dann doch ein paar mehr Menschen unterwegs) und schmiert uns Ösis Honig ums Maul. Aber sympatisch! Musikalisch machen er und Band das, was wir von ihm erwarten. Und das ist gut so. Nachdem der Tourbus in der gleichen Nacht noch weiter nach Hamburg fährt, zischen Thees und Band nach dem Konzert schon wieder ab. Ein Kurzbesuch in Gmünd, der sich bestimmt ausgezahlt hat. Für mich, meine Freundin und Salon Ditta in jedem Fall.

Wir gehen schlafen. Ha-ha-halt mich fest, la-la-lass mich nicht los...

(c) diekremserin, Lucia & Judith
(c) diekremserin, Lucia & Judith




02.08.2014

Kaffeehaus-Gespräche IV

Mit einem Camper durch Amerika

Irmie Vesselsky träumt


Wie stellt man sich jemanden vor, der in die Sparte Singer/Songwriter fällt? Ich habe gegoogelt. Das heißt, ich wusste vorher ungefähr wie Irmie Vesselsky aussieht. Sympathisch, dachte ich mir. Glücklicherweise wurde ich in meiner Annahme bestätigt, als sie auf die Terrasse des Stadtcafé Ulrich kam und mir dankenswerterweise meine Fragen beantwortete, die von Touren in den USA, CD-Verkäufen und dem klappbaren Klavier handelten...

diekremserin: Ich dachte, ich beginne heute mit einer etwas unkonventionelleren Frage: welches Lied hast du zuletzt gehört? Was hast du für eine Melodie im Ohr?

Irmie: (lacht) Was ich bewusst wieder einmal aufgelegt habe, war der Soundtrack von "Das Piano", das hat so zu dem Regenwetter gepasst. Aber das war natürlich nicht der letzte Song, den ich gehörte habe... Gerade jetzt im Radio, wo meiner Meinung nach sehr viel Blödsinn gespielt wird, muss es wohl "Jessie" gewesen sein... Vielleicht bleiben wir doch bei "Das Piano"?!

Verbindest du etwas mit dem Film oder mit der Filmmusik?

Beides. Ich hab den Film das erste Mal sehr, sehr jung gesehen und vielleicht gar nicht so gut verstanden, aber er hat meine Liebe zum Klavier gefestigt. Der Film und die Musik sowieso haben mich sehr inspiriert. "Das Piano" habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gehört. In meiner Jugendzeit passte es zur Melancholie, dann ist das Album jahrelang in meinem alten Zimmer in meiner CD-Sammlung gewesen. Gestern hat's einfach gepasst und ich bemerkte wie schön diese Musik ist...

Wie bist du ganz banal zum Klavierunterricht gekommen? Oder ist der Wunsch Musikerin und Sängerin zu werden immer schon in dir geschlummert? 

Ich hätte mir nie zugetraut wirklich beruflich Sängerin zu werden. Aber schon als Kind lernte ich Blockflöte, danach war klar, dass ich Klavier lernen wollte. Meine Eltern haben das nicht wirklich ernst genommen - aufgrund der teuren Anschaffung bekam ich ein Keyboard. Auf dem habe ich dann sehr viel geklimpert und experimentiert, sodass ich ab ca. 13 Jahren tatsächlich Unterricht bekommen habe. Zum Glück stand meine Klavierlehrerin hinter mir und hat mehr oder weniger verkündet, dass ich ein g'scheites Klavier brauche. Sie gab den Ausschlag dazu, dass ich den Weg einschlug - bei meinen Eltern hat dieses Anerkennen, dass ich Musikerin bin, noch etwas länger gedauert...
Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter öfter ins Klavierzimmer gekommen ist, wo ich geübt und getüftelt habe, und gemeint hat: Geh doch raus, spiel mit Freunden,... So wie Kinder heutzutage vor dem Computer sitzen, saß ich stundenlang vorm Klavier. Viele dieser Erinnerungen sind mir gar nicht mehr so bewusst, aber erst am Wochenende, als meine Schwester zu Besuch war, meinte sie, dass das ganze Haus gebebt hat, als ich Klavier gespielt habe.
Frag mich nicht wie ich auf das Klavier gekommen bin,... es war einfach da!

Die Liebe zur klassischen Klaviermusik kam erst als ich aufhörte Klavierunterricht zu nehmen. 


Du hast also Klavierunterricht genommen - wie kam es dazu, dass du 2008 ein Album aufgenommen hast? 

© Irmie Vesselsky
2008 war eine wirkliche Entscheidung. Ich habe begonnen mit 15, 16 Jahren Songs zu schreiben und sehr wohl vor einem imaginären Publikum gespielt. Der Gedanke war schon da. Unglaublich, wo wir überall waren, mein Klavier und ich. wir haben die Bühnen der Welt bespielt. Aber es durfte nie jemand zu hören. Wenn ich gestört worden bin - ich habe mit meiner dauernden Spielerei genervt - dauerte es 3-4 Tage bis ich wieder hinein gegangen bin, ins Klavierzimmer. Ich fühlte mich ertappt beim Klavierspielen...obwohl mich während ich spielte ja auch das ganze Haus hörte. Vorspielen habe ich gehasst bei Konzerten in der Schule, auch beim Klavierunterricht; ein komisch-gespaltenes Verhältnis zum Performer. Aber nach und nach kam der Drang gehört zu werden. Mit 18 wurde ich dann ganz unverfänglich von einem Kremser Lokalbesitzer angesprochen, ob ich nicht in seiner Bar singen würde. Als Folge bin ich sehr lange nicht mehr in diese Bar gegangen, da ich nicht wollte, dass er mich darauf anspricht. Und 2002, beim Hochwasser, veranstaltete er ein Benefiz-Star-Night-Club und er meinte ich soll dort singen mit einer anderen, die schon Bühnenerfahrung hatte. Wir wurden also gegründet... Erst war ich Pianistin und zweite Stimme, aber dann kamen immer mehr Leute, wie Wolfgang Kühn auf mich zu, dass ich doch meine eigenen Songs spielen sollte und so erklärt sich der Schritt zum eigenen Album 2008, obwohl ich als Sozialpädagogin tätig war. Ich fühlte, dass Zeit war etwas anderes zu machen und auf mich zu schauen. Ins Studio habe ich mich mit letzter Kraft hingeschleppt, aber dort mobilisierte ich Kräfte, die ich von mir nicht kannte: zwischen Genie und Wahnsinn. Von 16 Songs schafften es dann 12 aufs Album.

Aus letzter Kraft...?

Ja ich habe das erste Mal auf mich selbst gehört und mich selbst gefunden. Ich hab auf mich selbst vertraut. Woher dieser Mut kam, weiß ich nicht, aber es blieb mir nichts anderes übrig.

Dir scheint es gut damit zu gehen. 

Ja, es ist aber harte Arbeit. Manchmal wünsche ich mir schon so einen normalen Lebensverlauf herbei: in der Früh ins Büro und abends nicht mehr daran denken. Nicht ständig sich selbst vermarkten, aber es ist schon ok so.

Du schreibst ja die Melodien als auch die Texte selbst - wie startest du? 

Das ist ganz unterschiedlich bei mir. Beim ersten Song hatte ich als erstes den Text und dann die Musik. Beim zweiten hatte ich die Musik und der Text kam auf der Bühne. Während eines Konzerts als das Publikum nach dem 1. eigens geschriebenen Song "Unheard" einen zweiten wollten. Ich wollte nicht zugeben, dass ich den zweite noch gar nicht fertig hatte... die Musik war ja da, also das Intro von "Breathing", und ich wusste was passiert in dem Song, aber der Text fehlte. Ich begann einfach zu spielen und zu singen. Vielleicht ist das Lied deshalb etwas holprig oder das Strophe-Refrain-Schema fehlt, aber darauf pfeif ich eh meistens. Der Text ist passiert und hat sich seitdem nicht mehr verändert.
Allgemein glaube ich, dass es mir leichter fällt wenn der Text da ist. Beim ersten Album habe ich viel mit Wolfgang Kühn, Unabhängiges Literaturhaus NÖ, zusammengearbeitet, der mir immer noch Texte und Gedichte von seinen Reisen schreibt. Da lese ich was und -zack- das geht sehr schnell, das die richtige Melodie kommt.

Du bist mit deinem Klavier also schon sehr viel vor imaginäres Publikum gereist - wohin würdest du reisen, mit einem Ticket das du überall hin einlösen könntest? 

Nachdem ich den Film von Sweet Sweet Moon gesehen habe, würde ich fast sagen "Fuck the Atlantic Ocean" - also Argentinien zum Beispiel wäre schön. Ich würde es wahnsinnig gerne ausprobieren in Amerika. Mich interessiert was sie über meine Sprache denken dort. Aber ich habe mich noch nicht darüber getraut mit Klavier. Erstens ist's nicht besonders günstig, und zweitens leide ich unter Flugangst. Amerika ist ein Ziel von mir. Da stehe ich mir leider selbst im Weg. Vor ein paar Jahren lernte ich amerikanische Musiker am donaufestival kennen, die mich seitdem jedes Jahr fragen, wann ich denn endlich nach Amerika komme und spiele.

Das heißt du würdest wenn dann mit deinem Flügel auf Reisen gehen? 

(lacht) Wenn ein Bösendorfer vor Ort ist, dann nehme ich meinen nicht mit. Nein, ernsthaft, es kommt darauf an, aber wäre von Vorteil, wenn mir ein Klavier garantiert wäre. Cool, wäre ein Tourbus. Warum tun wir das nicht? Zum Beispiel im Winter nach Kalifornien.

© Irmie Vesselsky

Wie sieht's mit der Konkurrenz in der Musikbranche aus? Es wird ja doch immer wieder vom Kampf untereinander gesprochen... 

Großes Gift sind Neid und Missgunst. Da scheitern bestimmt auch viele Projekte daran, da man sich nicht mit anderen freuen kann. Man findet sofort etwas was nicht passt, und bewertet sehr, sehr kritisch. Allein schon das Wort Kampf ist ja schon aussagekräftig. Bei uns geht's ganz stark ums Werten und Bewerten. Diese Kraft, die wir gegeneinander anwenden, sollten wir doch eher ins Positive wenden. In erster Linie mache ich Musik für mich, aber manchmal tut's natürlich weh, nicht gespielt zu werden.

Was wünscht du dir für diese Gegend hier, in Krems und rundherum? 

Ich wünsch mir, dass die Leute weniger missmutig sind - also das wünsche ich den Leuten generell, nicht mir. Sie sollen offener gegenüber Veränderungen werden und Mut kriegen, rauszugehen und Dinge zu tun, die Spaß machen und anders sind.

Die letzte Frage ist wieder eine Gedankenspiel-Frage: Hättest du nur einen kleinen Koffer, in dem du deine wichtigsten Dinge einpacken könntest, welche wären es?

Geht ein Klavier rein? Zumindest ein iPad mit 5 Tasten hätte Platz... Stift, Papier und meine Katze... ja, ich bleib bei diesen Dingen.










28.07.2014

Glatt&Verkehrt 2014: mein Rückblick

Das Poesiealbum Musik

Von Verspannungen bis zur emotionalen Berührung


© Sascha Osaka
Ich war Newbie bei Glatt&Verkehrt. Dabei hat das Festival, im romantischen Hof der Winzer Krems platziert, schon fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Immer fand ich eine gute Ausrede, hatte dann kein Ticket für einen ausverkauften Festivaltag oder urlaubte am Strand. Aber dieses Jahr suchte ich mir gleich zwei Tage aus, an denen ich zwischen Weinbergen und Stadt, zwischen Himmel und Erde, Musik lauschen konnte, die ich so noch nie gehört hatte.

Bei Glatt&Verkehrt werden die Strickliesln und -hänse von euch denken: da geht's eindeutig um die schönste Winter-Sache der Welt, das Stricken! Keineswegs, obwohl das Festival mit seinem witzigen sowie einprägsamen Namen auf die Tätigkeit anspielt, die wir den Omas dieser Welt zuschreiben. Wir hören Glattes und wir hören Verkehrtes. Wir hören Eckiges und Kantiges, aber auch Weiches und Flauschiges. Das Festival lädt Künstlerinnen und Künstler ein, die mit ihrer Musik querdenken und aufreiben, die Ungehörtes hörbar machen und an die Grenzen des Publikums gehen.

Für mich persönlich stellte sich der Einstieg in die Materie Musik als Poesie als ein schwieriger und langatmiger heraus. Fasziniert vom Können des Autodidakten Shazad Ismaily und dem fast menschengroßen Basssaxophon von Colin Stetson, brauchte ich fast eine dreißigminütige Eingewöhnungsphase, um fassen zu können was vor sich ging. Töne, Geräusche, Klang und vermeintlich unzusammenhängende Melodien verdichteten die beiden Musiker aus den USA zu einer Musikskulptur. Während dieser Minuten, in denen ich versuchte zu verstehen, was die beiden hörbar machten, verspannte sich mein Körper. Die restliche Zeit des Konzerts erlebte ich dann das Gegenteil: hatte ich die Aussage dieser kräftigen Improvisation nun verstanden? Konnte ich nun die Augen geschlossen halten, um die Sprache von Stetson und Ismaily zu inhalieren?

© Sascha Osaka
Ganz anders erging mir das Zuhören bei Dora Juárez Kiczkovsky und ihrer Band, die sie nicht nur um einen Bass kurzfristig erweitert hatte, sondern auch um ihre Soulsister Sandra Cuevas. Nach dem instrumentenlastigen Teil 1 des Festivaltages stellten Dora und ihre Musiker Texte und vor allem die Stimme als a capella Instrument in den Vordergrund. Helle, aber dennoch feste und oft sehr emotionale Balladen zwischen Orient und Mittelamerika verzauberten mich als Besucherin. Für die sephardische Jüdin stellt sich immer wieder die Frage nach diasporá (griech.: Zerstreuung): woher kommen wir und wohin gehen wir? In Dora Juárez Kiczkovskys Worten sind wir Menschen auf einer Pilgerreise des Lebens, das uns an verschiedene Punkte führt, in denen wir mit anderen in Verbindung treten. Sandra Cuevas löste ihre mexikanische Kollegin nach vier emotionalen Liedern ab, da diese, wie sie uns Zuhörern erklärte, ihre Seelenschwester sei, der sie vertraute und mit der sie seit mehr als 10 Jahren zusammenarbeitete. Dora Juárez Kiczkovsky verwies in ihrer sehr gefühlsbetonten und so ehrlichen, kurzen Rede auf den Pilger, die Pilgerin in ihrem Bauch, der nun viel Ruhe brauchte. Sandra Cuevas ersetzte ihre Partnerin nicht, sie bereicherte die Bühne durch ihre Präsenz, ihren fabelhaften Gesang und ihre Natur Dinge geschehen zu lassen. Aus dem Träumen wollte ich gar nicht heraus kommen.

© Sascha Osaka

Nach einem stärkenden Salat im lauschigen Bier- und Weingarten des Festivals, nahm ich abermals Platz inmitten von musikbegeisterten Zuhörer und Zuhörerinnen. Die Strottern, ein herzerfrischendes Duo das Texte des Poetikers Peter Ahorner vertont, befugten zum Lachen. Die Uraufführung des Konzerts in Kooperation mit der Wiener Jazzwerkstatt und Lyriker Peter Ahorner selbst traf voll ins Schwarze. Humoristische Einlagen, Wiener Schmäh und der fabelhafte Umgang mit jazzigen Elementen dürften nicht nur mir Freude begleitet haben. Beschwingt, fast beschwipst von Musik und ihren unterschiedlichen Zugangsweisen verließ ich die Sandgrube 13 bergabwärts in die Nacht.

25.07.2014

Zwei Tage nur Musik & Plansch(en)

Sommerfrische im Waldviertel

Palaverama Festival in Gmünd




Zuletzt fand das Festival PALAVERAMA in Gmünd 2010 statt. Vier Jahre später präsentieren die Veranstalter das Groß an österreichischen Musikern und Bands. Persönlich fasziniert mich das Setting nahe an der Grenze in Gmünd, wo ich von Krems das pittoresk-bewaldete Viertel durchquere, vorbei an Gföhl, am Ottensteiner Stausee, durch die Stadt Zwettl und tangiere letztendlich Naturpark Blockheide. Eingebettet in die Landschaft, dort wo Österreich an die tschechische Republik grenzt, wo nichts mehr ist. So wird mir das im südlichen Waldviertel vermittelt. Während in Krems das donaufestival im April und Mai dominiert, fährt Gmünd, am anderen Ende des Waldviertels mit alternativer, österreichischer Musik auf.

Am 1. und 2. August 2014 gibt's also DIE tanzbare Musik aus Österreich:




> HVOB (Visuals by Lichterloh) > Bilderbuch > Ja, Panik > Gerard > Sex Jams > Farewell dear Ghost > Mr. Dero & Klumzy Tung > Etepetete > DAWA > Sco (Puls4 Rock the Island Winner) > Amalea



Besonders freue ich mich auf die Shows von Bilderbuch und Gerard. Nach ihrem intensiven Festivalsommer, in dem Bilderbuch zwischen Deutschland und Österreich hin und her pendeln, bereiten sich die Männer auf eine Wintertour als Beatsteaks-Support vor. Alex Augustin, FM4, ließ zwei Generationen der österreichischen Popstars aufeinandertreffen: Ronnie Rocket & Maurice Ernst, der Sänger von Bilderbuch im (Zwie-)Gespräch.

Und Gerard? Gerald Hoffmann, der sich hinter dem Rapper Gerard versteckt, brachte 2013 sein 4. Album heraus: Blausicht. Erfolg? Ja, bitte. Die Zusammenarbeit des gebürtigen Welsers mit OK Kid verlieh seiner Karriere einen zusätzlichen Sprung - Atme die Stadt und Wenn der Tag abreißt. Sorgen um eine gesunde Zukunft sind Teil seiner sehr intensiven Texte: ich will Fuß fassen, nicht nur Schritt halten. 
Aber natürlich bin ich gespannt auf den Freitags-Headliner Thees Uhlmann & Band. Der haut mich nach wie vor mit seinem Rückwärtsvideo von "Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf" um. Letztes Jahr konnte ich sein Konzert im St. Pöltner Frequency Areal verfolgen, heuer im Sommerfrische-Rahmen in Gmünd.

Last, but not least, Shantel & Bukowina Club Orkestar spielen am Samstag um 22.00 Uhr auf - Diskopartizani!


VORVERKAUFSSTELLEN
Tickets bei allen Raiffeisenbanken, Ermäßigung für Raiffeisenclub Mitglieder
print@home Tickets bei ntry.at/palaverama14
Tickets bei diversen Vorverkäufern, nähere Infos auf www.palaverama.at 

TICKETPREISE
eVVK: €37,00 (für Raiffeisenclub Mitglieder) 
VVK: €39,00 
AK: lt. Aushang 

EINLASS & BEGINNZEITEN: 
Freitag 1. August 2014 
Einlass Campingplatz, 12:00 Uhr 
Einlass Kerngelände, 18:00 Uhr 
Beginn Programm, 19:00 Uhr 

Samstag 2. August 2014 
Einlass Kerngelände, 9:00 Uhr 
Beginn Palaverama Streetjam (Streetball-Event), 9:30 Uhr 
Beginn Programm, 15:30 Uhr 

WEBLINKS: 
www.palaverama.at 
www.facebook.at/palaverama 
https://www.facebook.com/events/1403436499894550/


24.07.2014

Ein Frühstücks-Projekt

Sonntags scheint die Morgensonne

Wagramer Luft schnuppern & genießen


© diekremserin
Wie ich in meine Funktion geraten bin, sonntags in mein früheres Zuhause auf den Wagram zu fahren und dort Frühstück zu machen, weiß ich genau: inspiriert und motiviert durch den Idealismus einer meiner besten Freundinnen, sagte ich zu. 

Frühstück, jeden Sonntagmorgen von 8.00 Uhr bis 11.30 Uhr.

Großriedenthal, ein kleiner Raum - eine ehemalige Fleischbank - steht uns zur Verfügung. 
10 bis 15 Personen bewirten wir mit regionalen Spezialitäten vom Joghurt mit frischen Früchten, über frisch gebackenen Kuchen, Käse vom Bauern ums Eck, Gemüse aus dem eigenen Garten, Säften, die wie frisch gepresst schmecken und Köstlichkeiten, die von Woche zu Woche variieren. 

Das Konzept Morgensonne im Lösshof hat Judith Mehofer für das Gasthaus LÖSSHOF entworfen und umgesetzt. Wir sitzen auf alten Kinosesseln oder auf einem ehemaligen Beichtstuhl und schauen beim Anrichten der vier unterschiedlichen Frühstücksangebote zu. Aufstehen, Genießen, Schlemmen,  Fit. Meist steht nur eine von uns hinterm Tresen, kocht Eier, bedient die Espresso-Maschine und schneidet Obst und Gemüse. Bezahlt wird nach Geschmack: pay as you wish. Aber keine Sorge, Preisvorstellungen stehen am Menü bereit. Jeden Samstag holt Judith frisches Gemüse vom Markt, lässt sich mit Joghurts beliefern und kauft Fairgehandeltes im Ort, denn Kaffee, Tee und Kakao sind nunmal nicht regional, aber aus keinem Frühstück wegzudenken. 

In Großriedenthal lässt sich's zusätzlich gut wandern und Rad fahren. Neben Weinbergen und Lössböden überblickt man das Tullnerfeld, schaut bis zum Stift Göttweig oder auf die niederösterreichischen Voralpen. 
© Judith Mehofer

Da die Plätze in der Morgensonne begrenzt sind, bittet Judith um Reservierung. 

jeden Sonntag 8.00 - 11.30 Uhr
Großriedenthal, Hauptstraße 18
Reservierung unter info@loesshof.at oder  0664 8619119 (Eva Mehofer)


11.07.2014

Eine, die immer das Neue sucht

Experiment und Zufall

Martha Jungwirth in der Kunsthalle Krems


Martha Jungwirth
O.T., aus der Serie "Spittelauer Lände", 1993
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Schachinger

Martha Jungwirth, Jennersdorf, 2011
© Elfie Semotan 

Hans-Peter Wipplinger, Direktor der Kunsthalle Krems und Kurator der Retrospektive Martha Jungwirths, beschreibt die österreichische Künstlerin so: "(Sie ist) eine, die immer das Neue und immer das Experiment sucht, aber trotzdem Kontinuität zeigt." 

Martha Jungwirth
Portrait A.S., 1988/89
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Helmreich
Die neue Ausstellung "Martha Jungwirth. Retrospektive" umfasst ihr Wirken in der österreichischen Kunstszene seit den 1960er Jahren, als sie ganz jung, mit Preisen ausgestattet, den künstlerischen Weg einschlug. Martha Jungwirth, 1940 geboren, wirkt nach wie vor kritisch, frisch und ehrlich. Wenn sie vor einem steht, weiß man, in dieser Frau sprudelt es. Genau wie ihre Bilder, die sich chronologisch von ihren sehr frühen, bewegten Stillleben und Stadtszenerien, sprüht sie vor fast kindlicher Dynamik.

Neben der Bewegtheit der Sujets - neben Portraits von ihrem Mann und Freunden auch Eindrücke von Reisen - spielen Farben eine Hauptrolle. Das variable Material allgemein, hat mich besonders in seinen Bann gezogen. Aquarell- und Ölfarbe, Tusche, Mischtechniken. Pastos und stark gewässert. Feingliedrig und großspurig. Martha Jungwirth lässt in ihren Zyklen nichts aus. Dennoch bricht sie nicht völlig, sondern entwickelt andauernd weiter. Zufälliges spielt mit. Sie erzählt, dass sie nichts schönen möchte, die Farbe soll fließen - horizontal, vertikal, ganz egal.




Martha Jungwirth
O.T., aus der Serie "Bali", 1995
Privatsammlung, Wien
© Bildrecht, Wien, 2014
Foto: Franz Schachinger

beim malen nicht denken. Martha Jungwirth


Martha Jungwirth. Retrospektive wird morgen, 12. Juli um 18.00 Uhr in der Kunsthalle Krems eröffnet. Anschließend lädt das Ausstellungshaus zum sommerlichen Ausklang ein. 
Ein spannendes Interview mit der Künstlerin hat der Kerber Verlag online publiziert. 

10.07.2014

Nasen-Diskussion

Über diese Wachauer Nase, die am 12. Juli von 15.00 - 17.00 Uhr an der Fährenanlegestelle in St. Lorenz eröffnet wird, diskutiert man im politischen Kreisen. In meiner Ankündigung lobte ich den Mut und die Neugierde der Wachauer eine zeitgenössische, nicht ganz unkritische Künstlergruppe ins Kulturerbe eine riesengroße Nase zu setzen. Dass die Skulptur bei den BewohnerInnen selbst auf Unverständnis trifft, darf angenommen werden. Immerhin schreiben gelitin in ihrer Einladung zur Eröffnung folgende Worte, um positiv, verwunderte und negativ, erboste Wachauer auf die neue Skulptur vorzubereiten:

© gelitin
"Die Wachauer Nase ist eine schöne Nase. Sie passt zu den Menschen, die hier leben, und wird sie älter, passt sie sich den Lebensumständen an. Die Nase ist ganz schön groß, stolz und atmet Schlamm. Sie ruht flach und atmet flach am Uferrand, denn die Person darunter ist bis auf die Nase eingegraben. Manchmal, bei Hochwasser, steht ihr das Wasser bis zur Nase, und manchmal füllen sich die Nasenhöhlen sogar. ... Im Sommer, wenn es heiß ist und sie noch nicht ganz ausgetrocknet, riecht ihr Atem nach Sumpfwasser. Kleine Fliegen surren durch die Nasenlöcher hinein und hinaus. Wenn die Nase die reifenden Weintrauben an den umliegenden Hängen riecht, würde sie sich am liebsten über das Tal beugen, um den feinen Geruch völlig auszuschöpfen. ... Wenn man schwindelfrei ist, kann man den First hinaufklettern und wie ein großer Käfer auf ihrer Spitze sitzen und den Blick über die Donau gleiten lassen". (gelitin)

Nun, wenn ich der zeitgenössischen Kunst mit etwas Humor und einem Augenzwinkern entgegen schaue, entlocke ich mit dieser Beschreibung und dem Einladungscover (siehe oben) der eingefleischtesten Gegnerin ein wissendes Lächeln. Kunst im öffentlichen Raum soll anregen nachzudenken, soll aufregen, soll aber auch klären und vor allem Spaß machen. In der niederösterreichischen FPÖ regt sich leiser Widerstand, der medial immer lauter wird. Michael Matzenberger berichtet im Standard vom gefürchteten "Werteverfall" des freiheitlichen Kultursprechers Udo Landbauer. Er stellte sogar einen Antrag an den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), um Aufklärung, ob finanzielle Mittel des Landes in dieses Künstlerprojekt ausgegeben wurden. Die Künstlergruppe gelitin ging aus dem Wettbewerb 2012 - einer Kooperation von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich und der regionalen Initiative Wachau 2010plus - als eindeutiger Sieger hervor. Somit erklärt sich auch die Antwort auf Landbauers Frage, die auf Landesebene schon beantwortet wurde: das Geld kommt aus "unterschiedlichen Töpfen". (siehe auch hier)
© diekremserin

Eine dauerhafte Installation von gelitin in der Wachau zu verankern sehe ich als positives Beispiel für die niederösterreichische Offenheit. Erst vor wenigen Jahren widmete die Kunsthalle Krems der Künstlergruppe eine große Ausstellung, im 21er Haus des Wiener Belvederes waren gelitin letztes Jahr aktiv. Dass zeitgenössische Skulpturen auf Widerstand stoßen, zeigt die 2004 entstandene und 2012 installierte Skulptur "Hain" von Franz West (1947 - 2012) auf erhebliches Unverständnis. Als "scheußlich" bezeichnet, fühlen sich Touristen sowie BewohnerInnen angegriffen. Mittlerweile, nach nur zwei Jahren, merke ich wenig von diesem Widerstand gegen das rosa Zick-Zack am Kreisverkehr, denn die KremserInnen leben und lachen mit der Skulptur. Die Kunsthalle Krems äußerte sich 2012 folgendermaßen: „Franz West hat ein beispielloses Werk voller Humor, Innovationsgeist und philosophischer Referenzen geschaffen, das den Betrachter (...) zum Reflektieren anregt“. (tips.at)

Ich freue mich schon darauf, die Wachauer Nase zu erklimmen, nach Weissenkirchen zu schauen, selbst den Duft der Marillen einzuatmen, die Donauluft zu spüren und die fragenden Menschen für die Nase zu begeistern: was regt uns mehr an, als das was uns aufregt?

07.07.2014

9 Fotografinnen auf der Spur von Inge Morath

Faszination Fotografie

Wo die Donau Rätsel aufgibt


© Inge Morath Foundation
Road-Trips verbinde ich mit einem ganz besonderen Lebensgefühl: mit Freiheit, zum Beispiel. Diese Freiheit, die Grenzen niederreißt, die Menschen verbindet und die Gemeinsamkeiten findet ohne zu bewerten. Neun Frauen unterschiedlicher Herkünfte machten sich vor wenigen Tagen auf ihre gemeinsame Geschichte über einen Roadtrip entlang der Donau zu schreiben. Die Fotografinnen aus Großbritannien, Spanien, Mexiko, Australien und den USA leben im Sommer 2014 im "Inge Morath Truck". Alle sind Preisträgerinnen des renommierten Inge Morath Fotografie Preises, der jährlich durch die Mitglieder der Magnum Photo Agentur verliehen wird.

Inge Morath (1923 - 2002), eine Grazer Fotografin, wird zu den Pionierinnen in der Fotografie gezählt. Als Assistentin von Henri-Cartier Bresson oder an der Seite von Robert Capa sowie völlig auf sich allein gestellt, reiste die österreichische Fotografin mit ihrer Kamera durch die Weltgeschichte und knipste spannende Reportagen der Realität des 20. Jahrhunderts.

"Danube revisited" 

Olivia Arthur, Emily Schiffer, Lurdes Basolí, Claire Martin, Claudia Guadarrama, Ami Vitale, Jessica Dimmock, Kathryn Cook und Mimi Chakarova touren mit dem Truck von der Quelle der Donau im Schwarzwald über ihre kurvigen Umwege durch Deutschland, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien bis Rumänien, wo die Donau ins Schwarze Meer mündet. Ihre Fotografien beobachten, stellen fest, nehmen auf und berichten von der spannenden Reise, die den Fotografinnen unterschiedliche Länder und ihre Einwohner näher bringt.

© Danube Revisited

Der Truck dient nicht nur als Hotel, als Schlaf-, Ess-, Wohn- und Plauderstelle, sondern regt zum Diskurs über moderne Fotografie an. Das mobile Zimmer steht den Menschen zur Verfügung, die sich der Reisetätigkeit der 9 Frauen widmen möchten und die nachvollziehen wollen, was sie erleben und auf welche Menschen sie treffen. Eine Inge-Morath-Wanderausstellung mit Fotografien der Donau von Furtwangen bis Sulina verbirgt sich ebenso hinter den Türen des Trucks, wie die Möglichkeit mit den Fotografinnen in Kontakt zu kommen.

Krems liegt an der Donau und nimmt den Inge-Morath-Truck für eine kurze Zeit auf. Am 15. und 16. Juli machen die 9 Fotografinnen an der Schiffstation in Krems Halt.

© Inge Morath Foundation 




Kaffeehaus-Gespräche III

Die Geschichte der mutigen Linzerin

Italienisches Feeling in Krems


Elegant gepunktetes Etuikleid. Sonnenbrille. Veggie-Pita. Waka-Waka.
Monika Seyrl, Inhaberin von Kre:Art stellte sich im September 2013 auf ihre eigenen Füße. Die Selbstständigkeit hat sie seitdem fest im Griff. Getroffen habe ich die quirlige Kreative zu einem rührenden Gespräch über ihre Arbeit, ihren Werdegang und ihren Zugang zum Leben und Arbeiten mit Kindern.

© Kre:ART 2014


Nachdem die gebürtige Linzerin und langjährige Kindergartenpädagogin in Wien Fuß gefasst hatte und den dortigen WU-Kindergarten leitete, wurde sie mit der Aufgabe betreut den neuen Kindergarten am WU Campus aufzubauen. Mittlerweile in Krems wohnend, beschloss Monika Seyrl dieser Entscheidung Zeit zu geben. In ihrem Leben gewann neben der Leitungsstelle im Kindergarten die Reggio-Pädagogik aus Reggio Emila in Italien an Bedeutung und sie beschäftigte sich intensiv mit der italienischen Lehre. Erst sah die Pädagogin diese Beschäftigung als zweites Standbein, als Ausgleich an, aber im September 2013 fällte sie dann die endgültige Entscheidung: "Ich wollte jahrelang nicht auf diese Sicherheiten verzichten, wie monatliches Gehalt, geregelte Sozialversicherung, aber ich entschied mich dennoch für die Selbstständigkeit als Reggio-Pädagogin. Und kurz nach der Entscheidung traf mich so etwas wie ein Pensionsschock..." Monika Seyrl erklärt sich dieses Gefühl der Lücke die entstand, nachdem sie aufhörte ständig (für andere) zu arbeiten.

© Kre:ART 2014
Die Inhaberin von Kre:Art, wo sie kreative Workshops für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene anbietet, stellt einen Raum für Kreativität zur Verfügung und bietet gleichzeitig den einzigen Shop für Upcycling-Produkte aus unterschiedlichen Werkstätten an. In Krems erreicht sie damit ein ganz besonderes Publikum: neben den großen Museen, der Kunsthalle Krems und dem Karikaturmuseum Krems, findet sie die Architektur als beachtenswert. In einem Projekt mit 260 Schülerinnen und Schülern, das noch bis Ende August in ihrem Ausstellungsraum zu sehen sein wird, werfen die Kids mit der Linse der Kamera Blicke auf Fenster und Türen in Krems, besprechen ihre Bilder und bearbeiten das Thema "Fenster und Türen" über unterschiedlichste Fragestellungen. "Ich möchte allen von uns klar machen, dass Schule draußen stattfinden kann. Die Stadt ist immerhin das zuhause der Kinder, die durch die Stadtspaziergänge mit der Kamera einen neuen Blick darauf werfen konnten. Die Bürgerinnen und Bürger der Gegenwart bereichern aber auch unser Erwachsenen-Leben. Es liegt an uns Gespräche mit Kindern zu führen, zuzuhören und mit den Kindern zu schauen und zu beobachten.", beschreibt Monika Seyrl ihren Zugang zum prozessualen Lernen. Im Nebensatz erwähnt die begeisterte Pädagogin, dass sogar im Pasticcio von Ö1 von der "Stadt der Kinder" gesprochen wurde, als das Projekt vorgestellt wurde.

Neben den Kreativworkshops und dem Shop legt Monika Seyrl Wert darauf Künstlerinnen und Künstlern Projektions- und Ausstellungsfläche zu geben. Auch dabei spezialisiert sie sich auf Upcycling-Kunst, die mit Materialien kreiert wurde, die von anderen weggeworfen wurden. Nachhaltigkeit sieht die Wahl-Kremserin als großen und sehr wichtigen Themenblock in ihrem Schaffen: "Gemeinsam mit anderen Geschäften und Lokalen in Krems, habe ich den Verein Fair mit Flair gegründet. Dabei wollen wir klar machen, dass wir alle Teil von einem Prozess sind und gemeinsam handeln. Wir plädieren für ein Bewusstsein zum nachhaltigen Leben und möchten Krems mit neuen Blickpunkten bereichern. Immerhin befindet sich an der Uni in Krems ein Lehrgang zum Nachhaltigkeits- und Innovationsmanagement..."

Der Pensionsschock von Monika Seyrl ist eindeutig vorüber. Sie steckt in unterschiedlichen Projekten, bearbeitet nach und lehnt sich dann doch ab und zu zurück, um ihre Zeit zu genießen. Immerhin gehört auch Ruhe zur Nachhaltigkeit des Lebens.



02.07.2014

Der Halb-Marathon

Freund und Feind

Deadline: 14. September 2014




Die Entscheidung ist gefällt. Das Formular ausgefüllt und abgeschickt. Der Beitrag bezahlt. Das Team diekremserin startet am 14. September beim Halbmarathon der Wachau. Einundzwanzig-Komma-Eins Kilometer. Seit meiner Anmeldung frage ich mich, ob ich das auch wirklich schaffe. In Spitz startet mein Lauf Donau abwärts (psychologisch sehr positiv) Richtung Weissenkirchen, dann durch Dürnstein und Loiben bis nach Krems. Wahrscheinlich werde ich dann schwer angeschlagen im Kremser Stadtpark umfallen und liegenbleiben (ich bitte meine Notrufnummer 1 mich dort aufzuklauben und nachhause zu bringen).


Das Spektakel gehört in der Sportwelt sowie in der Wachau längst zum jährlichen Fixpunkt. Straßen werden gesperrt für Abertausende Menschen, die sich die Laufschuhe anziehen und schwitzend die schönste Kulturlandschaft in Österreich laufend genießen.

© diekremserin
Leider hat nicht jeder so ein Glück wie die Front Runner der Erste Bank Sparkasse, die mit einem Lauf-Coach unterstützt wichtige Messungen an ihrem Körper vornehmen und richtig geschult werden. Wo gibt es Defizite am Rennkörper? Was können Bernadette und Wolfgang beheben und langfristig verbessern? In ihrem Blog Ich will laufen stellen die Front Runner sowie der Coach Michael Buchleitner ihre Vorbereitung auf das Rennen gegen sich selbst uns allen zur Verfügung. Da geht's um Laktat-Messungen, um die richtige Laufgeschwindigkeit und um alle möglichen Goodies auf die ich Halbmarathon-Anfängerin nur so lechze.

Meinen ersten großen Erfolg feierte ich bei den ersten 10 Kilometern, die ich hinter mich brachte. Keine Sorge, es ging mir gut. Und es geht mir auch nach den zweiten 10 Kilometern mehr als gut. Ich freue mich sogar auf die nächste Donaubrückenrunde. Der Blick auf Stein und Krems spornt mich ordentlich an...

Am besten ziehe ich mir die Laufschuhe gleich wieder an und lege los. Ich weiß aber, dass die Ruhepausen essentiell sind... Doch lieber eine Ruhepause?

01.07.2014

Auf der Suche nach der Wachauer Nase

Wonach riecht die Wachau?

Gelitin und Nasenlöcher

Begonnen hat die Suche der Künstlergruppe "gelitin" im Schloss Rossatz im Oktober 2012. Im Hof wurden Nasen aller Art vermessen, eingegipst und fotografiert, begutachtet. Ab Samstag, 12. Juli 2014 weist eine riesige Nase nun ganz offiziell in die Wachau, in die Donau, nach Weissenkirchen. Sie ist begehbar, kletterbar, schön anzuschauen und birgt dennoch genug Fläche zur Aufregung. 

© Gelitin

"Was soll dieses Ungetüm an der Anlegestelle?" "Können die nicht was besseres dorthin stellen?" "Ich verstehe nicht, was diese Nase bedeuten soll." 

Eine Nase trifft auf Unverständnis? Nicht ganz. Denn die wunderbare Einladung, die heute in der Post auftauchte, beschreibt wunderschön, was diese Nase für eine Bedeutung für die Region hat. Kunst im öffentlichen Raum darf und muss aufregen. An jedem von uns sitzt die Nase mitten im Gesicht. Sie gibt Ausschlag darüber wie wir Geruch wahrnehmen. Sie lässt uns niesen, die Sonne kitzelt und bei Verkühlungen ist sie unangenehm verstopft. Wir unterscheiden zwischen Riechen und Stinken, wir nehmen Duft, Aroma und Geruch wahr. Rümpfen wir die Nase, bemängeln wir etwas. Lassen wir sie wackeln, spielen wir die Serie "Die wunderbare Jeanny" nach. Nasen haben Höcker, Hacken, große oder kleine Nasenflügel. Das Sinnesorgan ist essentiell für den Fluss des Atems, der uns Menschen am Leben hält.

© gelitin


Die sogenannte Wachauer Nase sei so groß, dass man aufrecht durch die Nasenlöcher schreiten könne. Sie befindet sich im Hochwassergebiet und sei entsprechend im Boden verankert worden. Nasenhaare werde das Kunstwerk nach einigen Jahren in Form von kleinen Gräsern und Büschen, bedingt durch Wetter- und Umwelteinflüsse, bekommen. (diepresse.com)

Welche Gerüche birgt die Wachau?:  Marillen? Wein? Donauluft?

Samstag, 12. Juli 2014 

15.00 - 17.00 Uhr
Un 18.00 Uhr werden die Ausstellungen Martha Jungwirth/Gregor Schmoll/Der andalusische Hund in der Kunsthalle eröffnet.

Ein Shuttle-Bus fährt zwischen Wien und St. Lorenz.
Abfahrt Wien, Universität, Grillparzerstr. / Ecke Rathauspark: 13.15 Uhr
Rückfahrt St. Lorenz über Krems: 17.30 Uhr
Kosten: 5,-
Bis 10. Juli anmelden: +43 (0)2742 9005 16273

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