wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about
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21.03.2017

Lillevan: Zwischen Struktur und Chaos

Vor wenigen Wochen saß ich mit Sujin Lim, der südkoreanischen Künstlerin im Cafe Wellen.Spiel und diskutierte mit ihr über den sinnlichen Zugang zu Katastrophen. Nun, Ende März, ist der Gastgarten inoffiziell geöffnet, für jene die der frühlingshaften Kälte strotzen und die ersten, richtigen Sonnenstrahlen intensiv aufnehmen. Ich treffe Lillevan, Artist in Residence in Krems, visueller Animateur, Nachdenker und strukturierter Chaot.


Entschleunigte Zeit

Wir nehmen auf einer Rattancouch mit Blick auf die Donau Platz. Für Lillevan hat das fließende Gewässer, das Nord und Süd trennt, Mautern von Stein distanziert und dennoch mit Brücken verbunden ist, Bedeutung. Seine Umgebung, die er für ein Monat sein Zuhause nennt, nimmt er sehr genau wahr. Mich freut es, dass der ständig reisende Visual Animation Künstler "meine" Laufstrecke der Vergangenheit für sich entdeckt hat. "Ich laufe von der einen Brücke hier, durch das dörfliche Areal dahinter bis zur großen Brücke,..." und ergänzt, "und ich habe ein Radprojekt, so ein kleines Rad, mit dem ich fahre, das ich repariert habe. Allerdings überholen mich sogar die Spaziergänger..." Die Residency bringt Lillevan zurück zu sich selbst, er kennt hier niemanden, hat keine Termine, muss sich keine Gedanken machen zu seiner Meinung über unterschiedliche Situationen der Welt. Gleichzeitig beginnen wir darüber zu sinnieren, welchen globalen Problemen die Gesellschaft gegenüber steht und wie wir Verantwortung von uns schieben, dennoch mit der Aufforderung aller zu allem eine Meinung und einen Standpunkt zu haben.

Reisen bildet

Obwohl Lillevan nicht zum ersten Mal in Krems ist - für Kontraste, Imago Dei und das donaufestival engagierte ihn der langjährige Festivalleiter Jo Aichinger bereits mehrmals - nimmt er die Umgebung erstmals richtig wahr. "Ich habe mich noch nie beworben. Das ist meine erste Residency und ich genieße sehr, dass ich experimentieren und ausprobieren kann, was ich seit Jahren auf meine To-Do-Liste schreibe. Dabei denke ich mir, gut, dass ich das gemacht habe. Manches verwerfe ich, manches werde ich zukünftig weiterführen" Der Künstler ist Weltreisender seit er sich erinnern kann. Der Beruf seines Vaters ließ ihn den ersten acht Jahren seines Lebens auf Reisen sein. Deshalb scheint es ganz natürlich, dass der geborene Ire in Berlin lebend, nur ein Monat im Jahr tatsächlich an seinem Wohnsitz weilt. "Wohnen kann ich es gar nicht nennen,...", meint Lillevan grinsend. In den anderen elf Monaten lebt er an den Orten seiner Projekte: Zentralasien, London, Argentinien, New York, Australien,...

Der spannende Zusammenhang zwischen den Menschen, dem Thema und der Entwicklung eines Projekts lässt Lillevan immer wieder an Orten verweilen, die vorab nicht geplant waren. So zum Beispiel das Projekt in Zentralasien (Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan) zum Gletscherschmelzen, das ihn wiederum durch den Schwerpunkt des diesjährigen Imago Dei Festivals nach Krems brachte. Ein ewiger Kreislauf...



Experiment, Produkt, Performance

Auch in seinen Live-Performances, die ihn, wie er sagt am Leben halten und es lebenswert machen, steht der Kreislauf im Vordergrund. Lillevan nimmt in seinem Badezimmer, das gleichzeitig sein Labor ist (oder umgekehrt) mit seinen Instrumenten, der Kamera und dem Projektor, organische Prozesse auf: schmelzen, zerreissen, kochen, brechen. Zwischen Werden und Vergehen streckt oder verkürzt er die Zeit dieses jeweiligen Vorgangs. Das Fotomaterial speist seine Datenbank auf die er im Live-Prozess zugreift, um mit den Projektpartnern ins Gespräch zu kommen. Kommunikation auf anderen Ebenen, über Bild und Musik, Collage und Ton, Kontakt und Blick. Die visuelle Musik fußt auf viel Erfahrung und der Liebe zum Prozess. "Proben? Nein, keine dieser Aufführungen kann je wiederholt werden. Jedes der Konzerte ist einzigartig, wie ein Dialog, der nicht wiederholt werden kann.", meint er und bezieht sich auf seine eigene Projekte, die nicht mit einem spezifischen, sehr strukturierten Auftraggeber zusammenhängen, wie zum Beispiel einem Opernhaus. Für die Visuals von Opern muss natürlich punktgenau mit Sängern, Musikern und Dirigenten geprobt werden. Hierbei geht es um den sekundengenauen Einsatz.

Imago Dei 2017 in der Minoritenkirche, ein schöner Ort. Aber am wichtigsten ist das Team mit dem ich zusammenarbeite. Das muss stimmen. 

Lillevan spricht dem kompletten Team des Imago Dei Osterfestivals, an dem er für die Videoanimation des Naqsh Duos und Stefan Fraunberger am 31. März 2017 verantwortlich ist, seinen größten Respekt aus. Zukünftige Projekte mit Synthesizer-Erfinder Morton Subotnick und zum Lutherjahr behalte ich im Auge... There is always more to try! 


Ein Beitrag geteilt von David Tozzo (@eyesbomb) am

08.02.2017

ARTIST IN RESIDENCE: Besuch einer Weltenbummlerin

Während ich auf Sujin Lim im Wellen.Spiel an der Donau warte, mache ich mir rückblickend Gedanken zu den Arbeiten, die ich von ihr gesehen habe. Einerseits war die Niederösterreichische Kulturpreisträgerin mit ihrer filmischen, sensiblen Kritik an an globalen Systemen im NÖ dok in St. Pölten ausgestellt und andererseits durfte ich ihre Arbeiten schon im Rahmen der AIR-ARTIST IN RESIDENCE Meetings kennenlernen.


Bewohnerin der Erde

Sujin Lim eilt mit einem Lächeln herein - Am I late? - ich verneine. Die letzten Tage der Südkoreanischen Künstlerin, die sich selbst als Fremde in allen Teilen der Welt bezeichnet, ihrer Residency in Krems sind hereingebrochen. Nach dem Versuch eine Apfelschorle zu bestellen, konzentrieren wir uns darauf, mehr von einander zu erfahren: was macht die Arbeit von Sujin so besonders? Woher kommt ihre unbändig ruhige Faszination sich mit schwierigen, schweren Themen auseinanderzusetzen? Wozu hat sie Krems inspiriert? 

Das Fremd-Sein war in Krems ein Thema. "Ich wurde von Menschen angesprochen, als ich am Fluss war und dort Filmaufnahmen gemacht habe." Die asiatischen Attribute eröffnen Sujin in Krems offenbar Gesprächsmöglichkeiten. Die stets überlegt nachdenkliche Weltenbummlerin erzählt von einer Begegnung mit einer Frau, die ihr einen Sack mit getrocknetem Brot überreicht. Non-verbale Kommunikation zählt. Sujin übernimmt was die Frau offenbar aufgrund eines körperlichen Defizits nicht mehr machen kann: sie füttert die Vögel. Das erhellt das Gesicht der Frau und sie lächelt ebenso wie Sujin. Begegnungen wie diese berühren und Sujin erzählt diese Geschichte als wäre es eine Offenbarung. 

1 ARTIST-IN-RESIDENCE // Sujin Lim ist die erste Interviewpartnerin für #diekremserinotg2017 und wir haben uns gemütlich zum Plaudern im Kremser Wellen.Spiel getroffen. Die Reisende und sanfte Künstlerin der harten Realität erzählt von ihrem Projekt in Krems, von ihrer Faszination der Kernkraft und vom ständigen Hinterfragen und poetischen Neudenken dieser unnahbaren, schweren Realitäten. Sie versucht durch ihre Interventionen neue Perspektiven zu finden und jene den Menschen vor Ort als mögliche Lösung anzubieten. Geb 1979 in Südkorea. Heute, Weltenbummlerin. #exploreaustria #austriangirl #artistinresidence #air #portrait #artist #artlover #artblogger #interview #diekremserin #wellenspiel #kremstagram #persoenlichkeit #sospannend #wow #happyweekend #keintagohnekunst #sujinlim #southkorea #kunsthallekrems
Ein von diekremserin on the go (@lucietae) gepostetes Foto am


Sujin ist Geschichtenerzählerin. Sie deckt auf. Sie gibt Menschen eine neue Perspektive ihrer Umwelt. Sie sensibilisiert andere Perspektiven einzunehmen. "Es gibt immer einen Weg...", meint sie während des Gesprächs. Beeindruckt hat mich vor allem ihr poetisches Umgehen mit Verboten und Gesetzen in streng geordneten Autokratien, z.B. als sie im Iran war. Tanzen ist dort verboten. Sprich dem Bewegen zu Musik geht eine Strafe einher. In einem etwa elfminütigen Film umgeht Sujin dieses strikte und für mitteleuropäische Verhältnisse unverständliche Reglement. Sie bewegt sich auf Gehwegen mit Elementen des Tanzes fort. Zuerst stehen Hintergrundgeräusche der Straße und sprechende Passanten im Vordergrund, aber die Geräuschkulisse verändert sich. Es setzt klassische Musik ein, die sich Bewegende wird zur Tänzerin. Plötzlich hat sich die Perspektive für den Zuseher völlig verschoben. Sujin spielt mit diesen Perspektivenwechseln.

Atomkraft, ein schweres Thema


Warum sich Sujin mit Atomkraftwerken beschäftigt, ist mir nach wie vor rätselhaft. Aber es herrscht eine gewisse Faszination, ein unglaubliches Wissen und eine absolute Abgeneigtheit der umstrittenen Energiegewinnung. Nach Japan konnte ich nicht, meint sie. Dazu war ihr die gesundheitliche Gefahr zu brisant. Fukushima hätte sie gerne genauer untersucht. Eigentlich ist Sujin aber in Krems, um eben nicht mehr so viel am Thema Atomkraftwerk und der Gefährdung der Bevölkerung zu arbeiten. Aber da macht ihr die österreichische Geschichte einen Strich durch die Rechnung und sie sieht sich gemeinsam mit Kuratorin Verena Gamper das nie in betriebsgenommene AKW Zwentendorf an. Dort wo nun eine Solarplantage steht. Beklemmend, so beschreibt die südkoreanische Weltenbummlerin das Gefühl. Mit ihrer sensiblen Art auf schwierige Themen zu zu gehen, hat sie auch in während ihrer Residency in Taiwan das Verhältnis zwischen Natur und Industrie betrachtet. Missed Scenery and Missed Event macht auf eine Fehlstelle aufmerksam, die Sujin in Szene setzt. Das Atomkraftwerk im Hintergrund wird durch das gemalte Tafelbild am Strand ersetzt. Aus einer ganz bestimmten Perspektive betrachtet, ist es plötzlich nicht mehr real. Wie eine Staffage macht das Gemälde glaubhaft, dass keine Bedrohung herrscht.



The Missed Scenery and The Missed Event from Sujin Lim on Vimeo.

It was just too perfect.

Während ihrer Zeit in der Schweiz, war Sujin zuerst überfordert mit der Schönheit, Klarheit und Unberührtheit des Landes. FACTORyAl LANDSCAPE, eine Arbeit in der Sujin die globalisierte (Schein-)Welt subtil anprangert, war im NÖ Dok in St. Pölten ausgestellt:


FACTORyAL LANDSCAPE from Sujin Lim on Vimeo.


05.07.2015

Why Krems, dear students?

When the flowers have been bought, the families invited, the hotels and restaurants booked out and lots and lots of people are strolling around Campus Krems, it's graduation time! 


Last week I was thankfully invited to IMC Fachhochschule Krems' graduation of the study program Tourism and Leisure Management. Thinking of my own graduation, I did not expect anything special: some speeches, some sparking wine, some happy faces.

But:

I was truly moved! 


Although I did not know anyone who graduated I was close to tears when at the end of the ceremony the Bachelors of Arts in Business got invited to drop some words. These students showed how brilliant their time at IMC Fachhochschule Krems has been and how they loved the international spirit to study and learn.

Thank you for your true passion to live to the fullest, to start off happily and explore the world. Patrick Simon, BA was one of the speakers on stage who inspired me:


I was able to talk to him briefly before he started off to his new freedom to explore, dream and discover. When I asked him about his current mood, his emotional state after this big day, he simply answered: relief and happiness! 
His life as a student in Krems will be remembered in positive ways because of his colleagues and his time studying stressfully but as well the leisure times. Patrick Simon enjoyed international aspect in Krems, and that the various programs are very forward-looking. 

To freshmans: Connect with higher semester students to exchange experiences and integration, they will offer a pool of information about university and aside :) 
  
Congrats, Patrick Simon! © diekremserin
Congrats, Patrick Simon! © diekremserin

Congrats to Elisabeth Garschall, BA one inhabitant of Krems who came back to study in her home town. I love where I live and came back from several international stopovers. I feel comfortable and safe here! At the moment she feels free and very proud of herself. Because of her time management and strong bounds to family and friends it was possible for her to study extra-occupational - at weekends and long nights. Fortunately, my boyfriend is a musician which made it a little easier to enjoy some time with each other. 


Elisabeth's secret places to be: You should have lunch or dinner at Restaurant Blauenstein in Stein and enjoy working out at the danube (or relaxing there). And you should not miss Krems from above. The view is extremely impressive! 



Congrats Elisabeth! © diekremserin
Congrats Elisabeth! © diekremserin

13.06.2015

Yoga lieben und herzen

Ausgeglichen und angenehm


Stefan und Denise © loveyoga.at
Stefan und Denise © loveyoga.at

Mit den Worten "Wie geht's euch heute?" starten Denise und Stefan ihre Yogaeinheit im Park. Unweit des Pavillons, der mir ja persönlich sehr am Herzen liegt und der momentan mit einigen Fitness-, Sport- und Bewegungsgruppen bespielt wird, rollen wir unsere Matten auf der saftigen Wiese auf. Die Frage rattert in meinem Kopf: Wie geht es mir heute denn tatsächlich? Eine Einschränkung geben die beiden vor: "Das Wort 'Gut' ist verboten! Denn zu oft geben wir als Antwort auf diese Frage 'gut', 'sehr gut', ohne genau in uns hinein zu hören und unser Gefühl zu beschreiben." So lerne ich zwischen den Zeilen zu lesen und antworte mit "Ausgeglichen. Weder allzu fröhlich, noch allzu traurig."

Denise mit Hundefreunden © loveyoga.at
Denise mit Hundefreunden © loveyoga.at

Denise Rosenberger und Stefan Winkler nennen sich loveyoga und bieten Yoga im Freien von Mai bis Juni bei Schönwetter in Krems an. 

1 1/2 Stunden lasse ich mich in einer kleinen, aber feinen Gruppe ein, meine Gedanken loszuwerden und mich total auf meinen Körper und seinen heutigen Zustand ein. "Geht soweit in die Position wie es für euch heute angenehm ist.", sagt Denise während des Kurses immer wieder mit einem herzlichen Lächeln.


Zusammen ist man weniger allein - Yoga zu Zweit macht Spaß und bringt neue Herausforderungen © loveyoga.at
Zusammen ist man weniger allein - Yoga zu Zweit macht Spaß und bringt neue Herausforderungen © loveyoga.at

Sehr positiv an ihrem Kurs sehe ich, dass sie als Yogis zu zweit für die TeilnehmerInnen da sind. Gibt es Unklarheiten beschäftigt sich Stefan gerne auch länger mit einer Person, während Denise in die nächste Übung geht. "Die Autos, die Vorbeigehenden, die Stadt - alles hat man ziemlich schnell ausgeblendet und man fühlt sich wie auf einer Wiese am Land.", kommentiert Stefan die Platzwahl. Gleich neben dem Stadtpark liegt das Atmos Zentrum, in dem die Räumlichkeiten vermietet werden und unter anderem auch Indoor Kurse von Stefan und Denise stattfinden. Die zwei pendeln zwischen Klosterneuburg und Krems hin und her, wo sie ihren yogaliebenden Kunden nicht nur Kurse sondern auch ganze Urlaube anbieten. Yoga in der freien Natur - stop, drop and make yoga - steht bei loveyoga großgeschrieben. Dieses Jahr verschlägt es das junge Pärchen zum Beispiel mit einer Gruppe nach Susak in Kroatien, wo Partneryoga gelehrt und vor allem gelebt wird.

Wenn ihr vorab testen, schnuppern und Lust bekommen habt bei Yoga im Freien dabei zu sein: jede Montag, um 18.30 Uhr habt ihr die Möglichkeit euch einzulassen auf euch selbst. Mitzubringen sind Yogamatte, angenehme Kleidung, eine Decke oder ein großes Handtuch und Wasser. 


Zum Abschluss der Yogaeinheit stellte Stefan abermals die Frage, wie es uns heute geht, jetzt nach der intensiven Bewegung unseres Körpers, nach der Meditation, nach den Atemübungen: von ausgeglichen bewegte sich meine Antwort auf "Angenehm. Energiegeladen. Belebt." 

Danke!

Hello, goodbye, Stefan und Denise, ich komme wieder © loveyoga.at
Hello, goodbye, Stefan und Denise, ich komme wieder © loveyoga.at

15.04.2015

Am Podium: Social Media als Tool für Tourismus

Grandios! Ich sitze auf einem Podium. Als Expertin zum Thema Social Media und Blogs im Hinblick auf Krems und ganz explizit zur Frage:


"Was Social Media für eine Stadtmarke tun kann?" 


Ich lade euch alle dazu ein, mich im Haus der Regionen am 24. April ab 14.30 Uhr zu besuchen und Agenden rund um Tourismus und Social Media mit meiner Blogger-Kollegin Pamela Schmatz von Lust auf Krems, Pressesprecherin der Stadt Krems Doris Denk, Christian Maurer, Dozent an der IMC Fachhochschule Krems für Tourism & Leisure Management und Klaus Greech vom Hotel unter Linden und natürlich mir zu diskutieren.


Um 17.00 Uhr lädt  Krems Tourismus rund um Gabriele Hüther zur Genussstadtführung durch Stein ein - ich bin gespannt, welche Schmankerl ich dabei entdecken werde... Darüber schreibe ich in einem späteren Blogpost ganz bestimmt!


Ich freue mich auf eine abwechslungsreiche Veranstaltung mit neuen Inputs und Ideen, die das Stadtgefüge von Krems ein bisschen internationaler werden lassen. Als Vorgeschmack packe ich für kommendes Wochenende meine Koffer und düse nach Wien auf eine Bloggerreise, die von meiner lieben Freundin Elena Paschinger organisiert wird. :)


27.02.2015

Hau di üba de Heisa oder als ich 5/8erl in Ehr'n traf

Live by the sun, love by the moon

© diekremserin


Kurz vor ihrem Auftritt treffe ich 5/8erl in Ehr'n um mit der für den schon fertig gevoteten Amadeus Award 2015 (Blues/World/Jazz) und den noch offenen FM4 Award nominierten Band im Kino im Kesselhaus. Ganz relaxed und mit viel Schmäh warten die Fünf auf ihren Auftritt. Da wird noch brav Lemon-Minz Soda bestellt und Burger - Veggie, Cheese und Chili aber bitte nicht scharf - sind auch noch dran. Der kleine 90 Minuten Auftritt regt nicht besonders auf. Tuchfühlung zu gehen. Ich teile mir mit Max Gaier, Bobby Slivovsky, Miki Liebermann, Clemens Wenger und Hanibal Scheutz in der filmbar den Tisch und frage ganz ehrlich, wie sie in solchen Interviewsituationen vorgehen. Mit 5 Personen gleichzeitig kann ich nicht sinnvoll sprechen. Zwei werden auserkoren. Der Kremser Clemens, der als Star des Abends gehandelt wird, da Heimspiel und der bärtige Kontrabassist Hanibal. Miki, die Mutter der Zigarette, wie Max sie während des Konzerts betitelt, lässt es sich aber nicht nehmen ihre Meinung kund zu tun. Auch die beiden Sänger Max und Slivo bringen sich immer wieder ein.

Auf die Frage wie sich die Band in der Formation zusammengefunden hätte, antwortet mir das jüngste Mitglied Clemens: "Ich bin 2009 als letztes dazu gestoßen, das hat sich so ergeben. Die anderen kennen sich über Schule und Studium." Seit 2006 sind 5/8erl in Ehr'n als Band aktiv und feiern seitdem große Erfolge, wie den größten österreichischen Musikpreis, den Amadeus, im Jahr 2012.

Das Wienerische und der Dialekt spielen eine große Rolle in den Texten. Auch das Wienerlied dürfte Vorbild sein. Slivo antwortet ganz pragmatisch: "Mit dem Wienerischen tun wir uns leicht. Das fügt sich dann mit den Texten. Max und ich schreiben hauptsächlich die Texte." Und das Genre? "Eingeordnet werden wir durch die Medien: Wienerlied allerdings würde ich nicht sagen, wir kommen alle nicht aus der Heurigenkultur aus der sich das Wienerlied entwickelt hat. Wiener Soul, so könnte man die Musikrichtung nennen..." Nachdem ich die Frage nach Idolen gestellt habe, fühle ich allgemeines, inneres Augenrollen. "Nicht Idole oder Vorbilder, sondern inspirierende Menschen! Aber sollen wir jetzt Bandnamen aufsagen? Da gibt's doch so viele.", meint Miki. Und sie hat recht. "Wenn die Menschen unsere Musik hören, wissen sie woher wir kommen und welche Musik uns inspiriert." Und sie soll recht behalten.



Erfolg auf der Bühne

Ein erfolgreiches Konzert ist dann gespielt, wenn das Ambiente passt. Wenn alles zusammenspielt. Blöde Frage: verkaufte Tickets? "Schön ist schon, wenn wir wissen, dass das Konzert ausverkauft ist. Aber uns ist egal, ob wir im kleinsten Rahmen oder vor 800 Leuten spielen. Heute ist es ja auch sehr intim und persönlich im Kino..." Erfolg am Ton und am funktionierenden Zusammenspiel zu messen, finde ich sehr sympathisch. Auch, dass alle Bandmitglieder unterschiedliche Gewohnheiten pflegen nach einem Konzert. Keine Rituale. Sondern der Tagesverfassung angepasst: "Manchmal gehen wir gemeinsam noch ein Bier oder ein Achterl trinken. Oder wir sind müde und gehen schlafen." Max: "Oft verbringen wir den Abend mit Nachhause Fahren." 

Das neue Album YES WE DOES beinhaltet viele Themen, die uns alle beschäftigen und vor allem eines: die Liebe. "Das ist unser Thema seit jeher!", kündigen Max und Slivo später im Kinosaal einen Song an. Mit "Alaba, how do you do" wurden die Medien auf die Achterl aufmerksam. "Die Presse braucht ja immer einen Aufhänger...", stellt Clemens richtig, als ich den einen Song hervorhebe. Aber ihr seid doch eine kritische Band? "Kritisch sollte jeder denkende Mensch sein und alles was wir tun und wo wir uns äußern ist politisch...", so Max. Das konkrete Lied erhielt durch den Sager von Günter Platter gegenüber des am meisten geliebten Fußballers David Alaba seinen Text und wird aber weitergesponnen und mit medienkritischem Inhalt versehen. Wer will schon von allen geliebt werden?

"Hau di üba de Heisa" wählten die 5/8erl nach einigem Nachdenken zur Wienerischsten Phrase.


Wolltet ihr immer schon berühmt werden? Oder was waren eure Kindheitstraumberufe? Die Fragen sind kaum gestellt, kommen aus zwei Ecken "Feuerwehrmann" geschossen. "Ich glaube ich wollte immer berühmt werden.", meint Clemens und wird von seiner Mutter unterbrochen, die sich zu uns an den Tisch setzt. Heimspiel heißt auch die Familie wiedersehen. "Feuerwehrmann wolltest du schon auch werden. Aber danach Basketballspieler. Oder Bill Gates." Schmunzeln und Schweigen folgt. "Na da bin ich ja nah dran."

3 Dinge auf eine Insel. Mal 5. 

Die klassische Frage nach den drei Dingen, die auf eine einsame Insel mitgenommen werden dürfen, artet in einer intensiven Besprechung aus. Wir einigen uns, dass 5 (Bandmitglieder) x 3 (Dinge) = 15 (Dinge) auf die Insel mitgenommen werden dürfen. Und Miki, Max, Slivo, Hanibal und Clemens sind auf derselben Insel gestrandet. 
Fazit: Miki macht den Anfang und nimmt eine Kiste warmes Bier, eine Gitarre und nach längerer Nachdenkpause statt einer Nackenrolle ein Boot mit. Clemens geht seiner Basketballleidenschaft nach und nimmt Basketball inklusive Korb mit, aber auch Noten für ein Beethoven Streichquartett (zum Lesen). Hanibals 3 Dinge stehen von Beginn an fest: ein grünes, ein schwarzes und ein gelbes Kapperl. Pragmatisch denkt Max und packt Huhn und Hahn sowie eine Stange Tschik in die Inseltasche. Bleibt noch Slivo, der sich - nachdem er zwei Geschäfte großer Handelsketten selbst ausschließt - auf Hängematte, Ohropax und eine Angel konzentriert. 

Das Konzert im Kinosaal war ein voller Erfolg. Den 5 humorvollen Achterln wünsche ich Toi Toi Toi für den Amadeus! 

© diekremserin
© diekremserin

Und Abstimmen für den FM4 Music Award gilt noch bis Montag hier





05.02.2015

Zauber aus Krems: Wie Thommy Ten die Welt erobert

Krems – Australien. Zeitverschiebung ca. 12 Stunden. Thommy Ten beantwortet die Fragen von diekremserin. Per Mail.

© Thommy Ten
Thommy Ten und Amelie © Chris Laistler


Kennengelernt habe ich Thommy Ten als Thomas Höschele in der Schule. In der Parallelklasse war der blonde, junge Mann immer schon als "der Zauberer" bekannt. Eigentlich in ganz Krems beneidet ihn der eine oder die andere um die besonderen Fähigkeiten und vor allem um das Durchhaltevermögen und den Ehrgeiz mit der Magie erfolgreich zu sein. Zu den Besten der Welt zu gehören. Momentan hält Thommy Ten sich mit den Illusionists 1903 in Australien auf, am 7. März ist er für zwei Shows  im Kino im Kesselhaus zu Gast - nicht verpassen, sondern verzaubern lassen!


Welche Eindrücke hast du aus deinem Aufenthalt in den USA mitnehmen können?

Über die letzten Jahre war ich immer wieder in Amerika, vor allem in der Gegend um Hollywood und durfte tatsächlich viele tolle Momente erleben.
Mein Amerikahighlight: Mitten in Hollywood steht das Mekka der Zauberkunst, das Magic Castle. Ein privates Zauberschloss wo man nur mit Einladung empfangen wird. Es freut mich sehr die Besitzer zu meinen Freunden in Amerika zählen zu dürfen, welche ich mindestens einmal im Jahr besuche. Neil Patrick Harris, bekannt aus "How I met your mother" ist selbst Zauberkünstler und ehemaliger Präsident des Magic Castle und immer wieder dort anzutreffen. Wenn man die Räumlichkeiten betritt, befindet man sich in einer anderen Welt voller Wunder und Staunen, täglich werden hier mehrere Zaubershows von Top Magiern gespielt.

Letztes Jahr habe ich zusammen mit meiner Partnerin Amélie sieben Monate in Amerika arbeiten dürfen, wo wir über 300 Shows gespielt haben. Diesmal ging es für uns ins "Illlusionarium", ein fantastisches Zaubertheater, das extra für unsere Show gebaut worden ist. Hier ist alles Zauberei, die Tische bewegen sich, Geister fliegen durch die Luft und mitten drin unsere Show umringt vom Publikum. Es ist einfach fantastisch an solch tollen Orten arbeiten zu können, neue Freundschaften zu schließen und täglich mit viel Freude vor Leuten auf der Bühne zu stehen und diese in eine zauberhafte Welt zu entführen.

© Thommy Ten


Wer sind „The Illusionists 1903“ und wie bist du auf sie gestoßen?

"The Illusionists" ist die erfolgreichste Zauberproduktion aller Zeiten. Nach zwei Welttourneen und ihrem Debüt am Broadway in New York, feierte dieses Jahr ihre neue Show "The Illusionists 1903" Weltpremiere in Australien. Dieses Mal geht es um das goldene Zeitalter der Zauberkunst vor rund 100 Jahren und wir sind mit dabei! Zur Zeit spielen wir die Show täglich vor rund 4000 Zusehern in Australien.
Unsere Kostüme, das Bühnenbild (ein riesiger Rahmen umrahmt die gesamte Bühne), die filmreife Musik und die 8 besten Zauberkünstler der Welt machen diese Show zu einem einmaligen Erlebnis.
Ich durfte die erste Show der Produzenten vor knapp zwei Jahren in Deutschland sehen, wo wir sie zwei Tage in München besuchen konnten. Die konkrete Anfrage, kam während unserem Amerikaengagement im Illusionarium im letzten Jahr, wo sie unsere Show sahen und uns schließlich gebucht haben. Nun sind wir hier in Australien, sind sehr dankbar und freuen uns auf viele weitere Orte und Länder mit "The Illusionists 1903".

Wann hast du entschieden dein Leben der Zauberei zu widmen?

Im Alter von zehn Jahren habe ich mein erstes Zauberbuch und meinen ersten Zauberkasten geschenkt bekommen. Seither hat mich die Zauberkunst gefesselt. Ich habe viel trainiert, wurde Mitglied im Kremser Zauberklub "Die magische Zehn" und durfte selbst bei Veranstaltungen und Festen auf der Bühne stehen. Nach meiner Ausbildung zum Kommunikationsprofi in Wien, war ich in Amerika. Erst in Las Vegas wo ich David Copperfield treffen durfte und in Los Angeles wo man mich ins Magic Castle eingeladen hat. Nach diesen tollen Begegnungen war mir klar:

Das möchte ich machen, die Leute verzaubern!


Was fasziniert dich an Magie/Zauberei?

In der heutigen Welt lässt sich alles erklären und googeln, jedoch wenn man seine Zuseher nur für einen Moment in eine andere Welt begleitet, wo scheinbar die Realität doch anders scheint und man wieder zum Kind wird, dann erlebt man Magie. Dies fasziniert und fesselt und ich freue mich dieses Gefühl weiter geben zu dürfen.

Mit welchem Trick hast du begonnen zu zaubern?

Nach verschiedensten Tricks aus Zauberkästen und Büchern, habe ich mir bald meine erste eigene Zaubershow zusammen gestellt, mit eigenen Routinen und Kunststücken. Hier waren verschiedene Tricks, mit Gummiringen, Münzen und Karten dabei. Einer meiner Lieblingstricks war ein gemaltes X welches von einem Stück Würfelzucker auf die Handinnenfläche eines Zusehers wandert.

Wer sind deine großen Vorbilder?

Ich habe nie versucht jemandem nachzueifern. Mir war es von Anfang an wichtig meinen eigenen Weg zu finden. Somit ist es auch schwer zu sagen, wer meine Vorbilder sind. In der heutigen Zeit gibt es viele tolle Künstler aus der ganzen Welt die ihren ganz persönlichen Stil gefunden haben und welche ich sehr schätze.

Gibt es Tricks von KollegInnen, die du dir selbst nicht erklären kannst? Überrascht Zauberei auch dich noch?

Das schönste für einen Magier ist es, wenn man selbst überrascht und verzaubert wird. Dieses Gefühl, das wir tagtäglich unseren Zusehern schenken, selbst zu erleben, ist einfach toll. Diese Momente gibt es auch für mich, doch bei mir steht weniger die "Technik" im Vordergrund, sondern die Präsentation, das Gesamtpaket muss stimmen und wenn ich dann auch nicht weiß wie es funktioniert, ist es perfekt!

Wie viel Arbeit steckt hinter einer neuen Idee, die du in dein Programm miteinfädelst? Probst du stundenlang pro Tag?

Für ein neues Programm, kann es schon mal 2-3 Jahre dauern, bis aus einer Idee wirklich ein Act wird. Jedoch kann ich nie sagen, dass eine Routine fertig ist, denn auch nach Jahren und mehreren hunderten Auftritten kommt man auf neue Ideen und lässt sich inspirieren.
Kurz vor Premieren, wie zum Beispiel gerade in Australien, hatten wir eine ganze Woche mit Proben von 10 bis 22 Uhr jeden Tag, nun wo die Show läuft ist es etwas entspannter und man kann sich rein auf den Auftritt konzentrieren.

© Thommy Ten
Hier zu kaufen, das Buch von Thommy Ten...
Was würdest du jungen Menschen empfehlen, die den gleichen Wunsch hegen wie du, ins Magiegeschäft einzusteigen?

Um den ersten Einstieg zu bekommen sind Bücher, Zauberkästen und auch das Internet eine gute Quelle. Mittlerweile habe ich sogar ein eigenes Zauberbuch "Zauberkunst lernen mit Thommy Ten" geschrieben, wo ich genau meine vorher erwähnte erste Show von mir an Zauberinteressierte weitergebe, verpackt mit Geschichten von meinen Anfängen als Thommy Ten. In dem Buch lernt man sozusagen meine ersten Top Ten an Zaubertricks!
Und dann ist natürlich das allerwichtigste: Auftreten, auftreten, auftreten! Nur so lernt man eine gute Präsentation und wie man sein Publikum begeistert.

Was glaubst du macht dich so erfolgreich?

Ich bin sehr dankbar für alles was ich erleben darf. Ich lebe für und auch von der Zauberkunst, meine Ziele sind mir sehr wichtig. Am Wichtigsten ist, dass man nicht aufgibt oder sich entmutigen lässt. Wer sich selbst und seinem Weg treu ist, wird automatisch für sich selbst erfolgreich sein.


Welchen Trick machst du besonders gern?

Besonders gerne habe ich den Mix. In unserem abendfüllenden Programm "einfach zauberhaft" präsentieren wir klassische Zauberkunst, wo Tische schweben oder Bowlingkugeln erscheinen, ebenso Illusionen, dies sind größere Requisiten, und die Mentalmagie. Bei der Mentalmagie geht es nicht um Requisiten sondern ausschließlich um Gedanken, meistens die von Zusehern, die präsentiere ich zur Zeit am liebsten, weil jede Show anders ist, immer andere Gäste mit anderen Gedanken.

Wenn du an Krems denkst, was assoziierst du mit der Stadt?
Zurückkehren, Freunde und Familie treffen und das alles in einer wunderschönen Umgebung.

25.11.2014

Mit Vertrauen zum Erfolg: SONNENTOR mit Leidenschaft

Nachdem das Transkribieren des Interviews eine Weile dauerte, freue ich mich nun Teil II des spannenden sowie informativen und lustigen Interviews mit Johannes Gutmann zu posten, den ich mit meinen Freundinnen im Sommer besuchte. Teil I kannst du hier nachlesen. Die Produktpalette von SONNENTOR - gerade in der Vorweihnachtszeit - macht Lust auf mehr. Der Gewürzadventkalender steht schon in meiner Küche und ich warte gebannt auf den 1. Dezember um endlich das erste Fenster zu öffnen :)

was du nicht willst was man dir tut, das füg auch keinem andern zu...


Judith: Kann man die Firma in Tschechien auch besichtigen?
Ist genauso offen wie hier. Wir haben die Firma genauso aufgebaut wie hier, ein bisschen kleiner, aber wir sind überglücklich mit diesem Standort. Auch dort ein Dorf, wo ich eine alte, zusammengefallene Mühle gekauft habe, dann einen abgebrannten Kuhstall – auch in Tschechien sind wir auf Ruinen gebaut. In anderen Ländern sind wir etwas vorsichtiger. In Rumänien haben wir vor 7 Jahren eine Firma gegründet und in Albanien vor 5 Jahren. Aber auch immer mit Partnern, wie in Tschechien. Rumänien ist momentan zu unsicher, ich liebe Rumänien, aber dort zu investieren bedarf einer ganz anderen Rechtssicherheit, trotz EU-Beitritt. Es dauert einfach 2-3 Generationen.

Wie sieht's mit Albanien aus? 
Albanien ist auf einem anderen Blatt Papier, das ist wie (überlegt). Albanien macht auch super Fortschritte, ich besuche Albanien seit 7 Jahren regelmäßig einmal pro Jahr. Kosovo, Albanien - für mich eine riesengroße Zukunftschance. Dort sind die Menschen durchschnittlich 20 Jahre alt, bei uns ist das - ich glaube ich bin gerade Durchschnitt. Also, knappe 50 Jahre. Ich freue mich wenn die Jugend Interesse hat.

Sonnentor-Geschäft in Sprögnitz © diekremserin


Carina: Wie kommst du auf Albanien? 
Die sind zu mir gekommen. Ich bin den ganzen Ländern eigentlich nicht nachgefahren. Klar, Tschechien, dort bin ich auch einer Einladung gefolgt, ich habe mich nicht selbst eingeladen... Rumänien ist zu uns gekommen, Albanien ist zu uns gekommen. Wir sind komplett offen gegenüber Auslandskontakten. Nur, ich fahre nicht hin und sag: "Jetzt bin i da, wer will mit mir a Firma gründen?" Aber so machen es sehr viele. Wieso? In erster Linie gehen Unternehmensbosse ins Ausland, weil sie wirtschaftliche Vorteile haben und höhere Gewinne erzielen wollen. Dabei helfen günstigere Arbeitnehmer, Betriebsmittel, die nix kosten, Steuervorteile - was mach ich eigentlich noch hier?
Für uns war dies NIE ein Thema. Denn was in den Auslandstöchtern verdient wird, bleibt auch dort und wird vor Ort investiert. Deswegen geht es uns in Tschechien genauso gut wie hier. Wir transferieren keine Gewinne. Sie haben dafür gesorgt diese Gewinne zu erzielen, wir haben ihnen dabei anfänglich geholfen.

Spannend. 
Damit entstehen neue Strukturen und somit entstehen Arbeitsplätze. Die jungen Menschen dort erfahren nur Scheiße, vorwiegend geht's um Statussymbole, die sie besitzen sollen. Nur Klumpat! Wahnsinn! "Du musst ein schnelles, großes Auto haben um nach außen hin zu blenden!", wird ihnen eingetrichtert. Ob du innen ganz anders bist, interessiert niemanden. Ich will dies nicht über alle stülpen! Aber Statussymbole sind einfach noch sehr wichtig - auch hier.

Aber solche Zusammenarbeiten verbinden europäische Länder miteinander.
Genau, ich sehe mich als Europäer! Als praktizierender Europäer. Ein Traum, was in unserer Zeit passiert ist: der EU-Beitritt, der Zusammenschluss der Länder... Aber die Grundausrichtung ist ein Traum. Deshalb ist SONNENTOR auch etwas weltumspannendes. Es gibt nur eine Sonne, es gibt eine Freude und sie lachen überall auf der ganzen Welt. Meine weiteste Reise ging nach Japan und dort lachen sie genauso wie überall wo ich war. Außerdem ist Japan das Land der aufgehenden Sonne.

Gestartet bist du mit Kräutern und Tees. Hast du von den anfänglichen Produkten noch ein Lieblingsprodukt? 
Ich bin selbst überrascht. Alle Produkte aus 25 Jahren sind noch im Sortiment. Blödsinn, den Willkommen-Tee gibt es nicht mehr. Aber sonst ist das ganze Sortiment... Ah, na der Freizeit-Tee wurde zum Schönen-Feierabend-Tee umbenannt. Auch bei unsren Produkten gibt es Lebenszyklen. (lacht) Ich konnte die Kräuter aber nicht anders erfinden. Denn die wachsen seit ca. 1000 Jahren: ich hab sie nur anders eingepackt und ihnen eine neue Geschichte gegeben.

Hast du ein Lieblingskraut?
Mein Lieblingskraut ist das Johanniskraut. Ist eh klar. Es heißt so wie ich und blüht zu der Zeit in der ich geboren bin. Ich freue mich darüber und über das sonnige Gemüt. Die positive Lebenseinstellung kann mir niemand nehmen.

Bist du bei den Namensgebungen der Produkte Impulsgeber oder Miterfinder? 
Am Anfang war ich natürlich alles, weil niemand anderer hier war. Mittlerweile bin ich sehr froh, dass wir vier tüchtiger MitarbeiterInnen und MitunternehmerInnen, die sehr viel Hirnschmalz einfließen lassen. Ich mache sehr gerne mit, wenn ich gefragt werde, aber ich freue mich über das was entsteht. Manches kaufen wir auch zu. Wir können nicht alles wissen. Seit 22 Jahren arbeiten wir mit einer Werbeagentur zusammen, einem Berater, der uns hilft die Marke als Marke auszubilden. Er hat mich ganz klar gefragt, 1995/96 was ich denn als Unternehmer will. Ich hab geantwortet, dass ich davon leben will. Ich möchte diese Vision in die Welt bringen und weiß, dass es funktionieren wird. Aber er hat mich weiter gefragt, ob ich eine Marke aufbauen will oder ein No-Name-Produzent werden will. Wenn dann will ich eine Marke daraus machen, entschied ich mich schon vor 22 Jahren. Das Glück liegt in meiner Hand, ich kann gestalten und die Zukunft so mitbestimmen, wie ich sie mir vorstelle! Und unsere Vision hier ist Arbeitsplätze zu schaffen. Die Entscheidung eine Marke aufzubauen, war eine meiner wichtigsten Unternehmensentscheidungen: Marke aufbauen, Vertrauen aufbauen, geerdet bleiben,...

Lagerhalle in Sprögnitz mit einer Vertragsbäuerin im Fenster © diekremserin
Lagerhalle in Sprögnitz mit einer Vertragsbäuerin im Fenster © diekremserin


Wenn du Nachhaltigkeit mit einem Satz beschreiben würdest, was sagt dieses Wort für dich aus? 
Nachhaltigkeit ist der Umgang mit Mensch und Umwelt. Mensch und Umwelt hat mit Wirtschaft viel zu tun. Von der Bäuerlichkeit her: "Was du nicht willst was man dir tut, das füg auch keinem andern zu." Willst du, dass irgendjemand grauslich ist zu dir, nein, wieso willst du dann Pestizide mitessen. Und was wir alles essen ist ein Wahnsinn.

Judith: Deine Lieblingsspeise? 
Ich sag's ganz ehrlich: gebackene Steinpilze. Wenn man im Waldviertel Schwammerl suchen geht, findet man die schönsten.

Judith: Und du trinkst Tee dazu?
Nein, eigentlich nur Wasser. Denn Tee trinke ich nur dann, wenn ich bereit bin für ein Geschmackserlebnis.

Wann trinkst du Tee? 
Ich trinke den ganzen Tag über Tee, verteilt. Das heißt bis zum Abend durchgehend. Ich trinke auch sehr gerne Kaffee. Auch von Sonnentor. Die meisten Kaffees sind sehr sauer geröstet, und ich hab früher von dem Zeug im Sodbrennen bekommen. Deshalb muss ich bei Kräutern und vor allem bei Kaffee sehr aufpassen.

Judith: Woher kommt der Sonnentor Kaffee eigentlich?
Ich hab seit einigen Jahren mein eigenes Kaffeeanbaugebiet in Nicaragua. Wir haben dort noch keine Firma gegründet, aber auch die haben uns gefunden und nicht umgekehrt. Das ist ein Österreicher der ein Dreiviertel Jahr in Nicaragua lebt und sich zum Ziel gesetzt hat die nicaraguanische Kaffeekultur zu verändern. Ich war vor 2 Jahren in Nicaragua, als beschlossen wurde, dass wir eine Partnerschaft machen - wir wollen natürlich sehen wie dort gearbeitet wird. Ein toller Einblick, aber ich hab noch keinen grauslicheren Kaffee getrunken wie am Stadtplatz von Granada. Ich hab eine Woche lang Sodbrennen gehabt. Die saufen das letzte Klumpert. Der Grund ist, dass die Bohnen auf großen Betonplätzen für den Export nach Europa getrocknet werden, die dann zusammengekehrt und abtransportiert werden. Und das, was nach dem Kehren übrig bleibt, trinken sie selbst... Ich glaube 180 Tonnen Kaffee haben wir letztes Jahr verkauft, 120 davon kamen aus Nicaragua, 60 Tonnen haben wir aus den Provinzen gekauft wo es Fairtrade gibt.

Judith: Genau das war meine nächste Frage: wie ist das mit Fairtrade und Sonnentor? 

Was wir nicht selbst in der Hand haben, kaufen wir über Fairtrade, aber was wir selbst in der Hand haben, wissen wir das wirklich fair ist. 


Carina, diekremserin Lucia, SONNENTOR-Gründer Hannes, Judith von der Morgensonne
Carina, diekremserin Lucia, SONNENTOR-Gründer Hannes, Judith von der Morgensonne


Das heißt ihr braucht keine Zertifikate oder andere Maßnahmen?
Nein, wenn man weiß wie und was man tut, braucht man nicht irgendjemanden, der sagt, "He, das ist gut!" Ich brauch hier auch niemanden, der mir das sagt. Ich spüre das ja! Wir haben ein gutes Selbstempfinden. UND: was du nicht willst was man dir tut, das füg auch keinem andern zu... In Nicaragua funktioniert das genauso wie in Albanien, Rumänien und Tschechien und überall auf der Welt. Nur ich brauch kein extra Pickerl, wo draufsteht, dass wir gut sind. Wir haben mit uns mit unseren Vertragsbauern nicht den Weltmarktpreis als Ziel gesetzt. Denn wer mit dem Weltmarktpreis arbeitet, arbeitet mit den Spekulationen, die nicht fair sind.

Meine abschließende Frage an dich, der in und um Sonnentor lebt: wo tankst du auf? 
Wo tanke ich auf? Eigentlich in dem was ich tue. Das hier ist für mich keine Arbeit. Alles was ich machen wollte ist hier, obwohl mir so viele Menschen gesagt haben: "des is a Schas wos du da tust. Das braucht niemand. Na du wirst bald Konkurs machen." Dies ist die schönste Genugtuung zu wissen, dass das was ich mache gebraucht wird und gesehen wird. Immer mehr Menschen bewerten Sonnentor gut. Nicht weil ich täglich Beweihräucherungen oder Huldigung brauche, sondern ich weiß für mich, dass der Weg den wir mit Sonnentor eingeschlagen haben, der richtige Weg ist. Das ist meine Tankstelle. Das ist optimal...

Herzlichen Dank für die Zeit und für die großartigen Einblicke in dein Unternehmen! 

07.11.2014

Im Gespräch mit Alireza Mollahosseini: Inspiration durch Kunst

Nach dem Interview mit Jo Aichinger, der mir den iranischen Musiker und Philosophen Alireza Mollahosseini als weiteren Gesprächspartner nahe gelegt habe, nahm ich durch das AIR - Artist in Residence Programm in Krems tatsächlich Kontakt auf und wir fanden einen geeigneten Zeitpunkt, um uns gemütlich zu einem Gespräch zu treffen. Die Kommunikation mit dem Iraner lief über seine Frau, die für den einmonatigen Aufenthalt ihrem Ehemann als Dolmetscherin zur Seite stand. Eine durchaus schwierige Aufgabe, die sie mit Bravour meisterte. Das junge Paar, das teils in Teheran, teils in Alirezas Heimatort im südlichen Iran leben, inspirierten mich und weckten meine Geister, das mir unbekannte Land näher kennen zu lernen.

© Alireza Mollahosseini  

Zuvor hatte ich das Glück neben der iranischen Künstlerin Shirin Neshat auch Alireza Mollahosseini schon am Vorabend unseres vereinbarten Gesprächstermins ein passendes Gesicht zum Namen zu erhalten, bei der Eröffnung von "Passage". Leider hatte ich es zu seinem Auftritt bei Glatt & Verkehrt HerbstZeitlos nicht geschafft.

Das folgende Gespräch fand mit Alireza und seiner Frau Nasim statt, die als Sprachvermittlerin half. Aufgrund der Sprachbarriere möchte ich das Interview auf Englisch posten:

Thank you for meeting me here, Alireza and Nasim, I am really happy to meet such a talented musician from Iran in Krems. You are currently AIR - Artist in Residence in Krems, Austria. How do you feel about the town? What is your opinion about Krems? 

I appreciate the town of Krems and its people who warmly welcomed me in their home. Though it is not my first time in Austria. Krems seems very cultural to me and has a nice atmosphere. I really enjoyed it to meet the artist Shirin Neshat. I am very pleased to be here.

Tell me about your experience of being part of the festival "HerbstZeitlos" (Glatt & Verkehrt) in Krems. Was the audience different to what you are used to? 

The performance itself was great. Although I was not able to listen to other artists' performances this time since I played at another festival the next day and needed to travel. Concerning the music, I think especially Iranian music is connected with its instruments which are common in Iran but not here. I am connecting Iranian traditional music from the regional Southern parts of the country with contemporary music from Iran. Iranian music is deeply rooted in musical therapy as well. I also want to introduce my style to the audience because most of Austrians have never heard such music. During a workshop I experienced a very moving situation, I would like to explain: when I entered the room the students were distant, due to my foreign appearance, but when they closed their eyes and listened to my compositions for percussion, they came closer and forgot the distance. Music broke the ice! I would really like to thank Jo Aichinger for his invitation to Glatt & Verkehrt because it was the chance to introduce my music to Austrian people.

Iran is where you come from and where your education of music is deeply rooted. How would you describe your development as a musician? Which artists have influenced you. 

Firstly, I would like to say that art is not theoretical, it is knowledge of a life and therefor I have been in touch with music very early on a professional level. I am born into a family with passion for music and I gained the interest from my father and my brother but the person who supported me the most is my mother. In my opinion you can study a long time and you can be best at the technique but there is always a philosophical reason behind that - you need to be inspirited of your own music. I lived in Teheran and had to go back to my home, to my roots to find a deeper meaning of what I am doing. The most relevant step to achieve that was to be close to the Persian Golf by myself, where I was isolated with my instruments. I could feel a different meaning of life there as well. Music is for me the answer. I gained knowledge which is the source of inspiration for me and I was able to communicate with the universe. My teachers and musicians I have benefited from are for example Master Parviz Meshkatian who is an Iranian musician and composer who passed away some years ago, or Master Mohammadreza Lofti. Master Kayhan Kalhor is in my opinion one of the best livelong Iranian musicians who plays Kamancheh. We had several concerts together and he is not only my master in music but like a mentor from whom I have learned a lot. Another musician and composer I have worked with is Master Hossein Alizadeh.

"Art is an interpretation of the universe" 


Austrian and Iranian music do not seem to be connected due to their different styles, in their heritage and their way to make music. Are there any parallels? Do you think your music can be understood here, in Austria? 

Both of the countries have a long tradition and deeply rooted connection to music but in a different way. Art is a translation and an interpretation of the universe and so is music. The source is always the same but people look at it in different shades of colors. I do not look at the similarities in music, I want to come closer to see how art/music communicates and offers comprehension. I see myself as an interpreter of music and if I interpret for example Mozart, it may sound nothing like Mozart for the audience but it is MY inner, very intense interpretation of it. Music is a place to meet when different 'cultures' play together. We need to meet with respect. If there is distance between us, we need to leave culture behind: we are all human beings with the very same roots and speak a shared language: music! But I understand that each person has a certain point of view but in the end comprehension should clearly be focused. 
I would also like to point out the current political situation of Iran and its big selfishness. People are the instruments of super powers and they fight for... what are they fighting for but the super powers? If you look at one particular branch of Islam, Sufis, they follow older laws, a different spirit and music is an essential part of their belief. Sufis are usually scientific people but due to religion they are left aside and badly treated nowadays, due to their belief. I wished we had more respect of each other to prevent wars and misunderstandings. 


"We speak a shared language: music"


What do you want to achieve during your residency in Austria? 

I would like to be isolated with my instrument to focus on music. The town Krems influences me and my musical inspiration with its landscape, with River Danube, the colored hills in the back. The residency gives me the opportunity to meet with professionals in Austria and exchange knowledge. 


What do you wish for, when you have 3 wishes to the universe? 

Firstly, I would like to know why I am on earth. I think there is a reason and a task for me to do. Secondly, I want to live with people I love: my wife, my family and to make them laugh. Thirdly, I would like to make a special salon in my hometown and die there while I am playing. 

Thank you very much for you time and your inspirational points of view! 

Thank you for having me here. I would also like to thank my wife - this trip to Austria was an opportunity to come closer and Jo Aichinger who showed me Krems and its people and accepting me as an artist in residence. I would really appreciate to have more concerts here in Krems in future.

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20.10.2014

Mit Vertrauen zum Erfolg: Johannes Gutmann und Sonnentor

Bei Johannes Gutmann war ich mit zwei Freundinnen - Judith und Carina - auf Besuch und wir drei durften fragen, fragen, fragen und erhielten Antworten, die für mehrere Seiten Interview reichen. Dass es bei SONNENTOR in Sprögnitz doch auch ums Auto geht, hat mich verwundert und erstaunt, liegt aber auf der Hand. Und wie Johannes Gutmann den Mut aufgebracht hat, ein Unternehmen zu gründen, das aus Kräutern besteht, inspiriert und zeigt, dass es geht, wenn man es nur will. Immer wieder wurde das Interview durch freundliche Mitarbeiter, die Johannes Gutmann begrüßte unterbrochen, durch kurze Gespräche, die den weiteren Verlauf des Tages angerissen haben und durch unseren Kaffee und Tee, den wir serviert bekamen. Viel Spaß mit Teil 1 des Interviews !

Wie früh beginnt dein Tag?
Meine Tochter ist 4, somit darf sie den Tag bestimmen – es geht los um 7, halb 8.

Johannes Gutmann als Skulptur, mit roten Schuhen und roter Brille.
Johannes Gutmann als Skulptur, mit roten Schuhen und roter Brille. 


Du wohnst in Sprögnitz?
Ja genau, das ist sehr praktisch. Wenn ich schnell in der Firma sein will starte ich mit einem morgendlichen Sprint oder noch schneller, mit dem Elektroauto.

Das haben wir schon entdeckt! Seit wann sind die Elektrotankstellen installiert?
Vor zwei Jahren, mit der Möglichkeit, dass es überhaupt funktionelle Elektroautos am Markt gibt. Vorher war das „Ich will und ich kann nicht“ und jetzt haben die Autos eine mittlere Reichweite. Wir haben derzeit zwei Autos und wollten eindeutig bei den ersten dabei sein und das haben wir auch mühelos geschafft. (lacht) Wir haben glaube ich die erste Bestellung überhaupt für so einen Renault Tweezy abgegeben. Es passen zwei Leute rein, man darf auch auf der Autobahn damit fahren. Das hat uns zwar niemand geglaubt und ich würde es auch nie tun, weil die maximale Geschwindigkeit ist 85 km/h. Also, die würden mich alle niederfahren. Du fällst mit so einem Auto in die Sparte kurz vorm Traktor.

Judith: Aber das Auto ist doch offen oder?
Es gibt mittlerweile Fenster, die kann man sich dazu kaufen. Kostenfaktor 500 Euro. Diese Fenster haben wir natürlich, denn ich fahre auch im Winter. Sonst zieht’s etwas durch! Alle haben mir gesagt, dass ich damit nicht im Winter fahren kann. Wieso nicht? Im Prinzip geht man ja nicht halbnackt aus dem Haus wie im Sommer sondern du bist ja ziemlich gut angezogen (= waldviertlerisch: oboijasert). Es gibt im Auto keine Heizung und damit fehlt auch jeglicher zusätzlicher Komfort: aber wenn du gut aufgelegt bist, kannst singen oder pfeifen und wenn du nicht gut aufgelegt bist, dann kannst sinnieren. Eigentlich solltest du dich aber beim Autofahren auf den Verkehr konzentrieren und nichts anderes tun. Der größere Wagen ist ein Fahrzeug, das eine Reichweite von ca. 140 km hat – also ich schaffe so viel, andere schaffen es nicht über 90 km. Auch bei Elektrofahrzeugen ist es so, wiest aufs Gas steigst so bist du mit dem Tank wirtschaftlich. Wenn du natürlich voll durchtrittst immer und glaubst du versäumst etwas und musst schneller sein, dann ist 50% weniger im Tank. Ich komm nach St. Pölten und retour, wenn ich langsam fahre. Super. Ich fahre zur Bahn. Ich würde es nicht mehr zurück geben und gebe dem Elektroauto auch eine große Zukunftschance, nur die Leute in neue Richtungen zu bewegen: das dauert! Drei Generationen fahren jetzt mit den Dieselbrennern und Erdölvernichter und somit kann das nicht innerhalb von ein paar Jahren verändern, aber es beginnt!

Ist diese Entwicklung nicht auch beim Betrieb selbst zu sehen? Bei SONNENTOR... 1988 war der Start und seitdem habt ihr 150 Vertragsbauern und 150 Mitarbeiter (Bericht aus 2011), das wird sich bestimmt seit 2011 schon wieder verändert haben...
Wir haben schon 220 Mitarbeiter. Bei den Vertragsbauern sind wir relativ gleich geblieben, aber die bestehenden haben ausgebaut, denen das Konzept getaugt hat. Sie haben begonnen und geschaut ob auch wirtschaftlich ein Erfolg da war, dann haben sie mehr gemacht. So ist es auch passiert. Die bestehenden Bauern haben in der Fläche erweitert. Das freut uns am meisten, weil die Menschen, die sich auf neue Wege begeben – und Kräuteranbau ist etwas völlig neues – wenn in ihnen die Liebe wächst, ist das sehr schön anzuschauen. Jeder darf wachsen, wenn er will. Mein Standpunkt ist: du musst nicht, du darfst.

Woher kam die Liebe zu den Kräutern?
Die kam einerseits von der Familie her, das heißt ich bin auf einem kleinen Bauernhof aufgewachsen und habe dort in meiner Kindheit alles was wir selbst gebraucht haben gepflückt, Lindenblüten oder Holunderblüten zum Beispiel. Ich habe zusätzlich ein paar Eigenversuche gemacht, denn ich hab mir gedacht die Monate Mai und Juni können nicht alles sein. Es wächst schließlich immer etwas: wenn der Schnee weggeht wachsen die ersten Kräuter bis der Frost wiederkommt. Da wachsen immer Kräuter. Ich machte mich also zusätzlich auf die Suche, was wächst wann, was schmeckt wie: alles Selbstversuche. Ein bisschen habe ich in Büchern nachgelesen, weil ich Interesse daran hatte. Als ich gesehen habe was es alles gibt, habe ich staunend erfahren, dass so vieles nicht verwendet wird, sondern als Unkraut, als Klumpert, als unnütz und nicht wertvoll empfunden.

diekremserin und Mr. Sonnentor
diekremserin und Mr. Sonnentor

Momentan denken auch Spitzengastronomen um.
Wildsalate, Wiesenkräuter, Erlebnis in der Natur. Das ist was immer mehr kommt: Selbstversuche. Ich kann mich noch sehr gut erinnern als ich mich selbst auf die Suche machte. Das wird jetzt immer mehr nachempfunden und ich freue mich, dass ich da einen Trend mit bewirken durfte. Oder auch Blüten, das ganze Bunte mithinein, da war ich vor 26 Jahren gewerblich einer der ersten der gesagt hat: Kräutertee braucht nicht nur braun, grün und fad sein, sondern da können auch Rosenblüten, Kornblumen, Sonnenblumen drinnen sein. Sieht ja viel lebendiger und netter aus. Wie ein Blumenstrauss. Und in getrockneter Form ist es sogar ein Blumenstrauss im Winter. Schaut super aus.

Du warst bei der Gründung des Betriebs 23 Jahre. Wie geht’s dir da?
Mir ist es eigentlich immer sehr gut gegangen, sonst hätte ich es nicht gemacht. Wir müssen nicht, wir dürfen – das habe ich vorhin schon gesagt. Das einzige was ich muss ist aufs Häusl und ich muss sterben. Wenn man das einmal weiß, dass es um so einfache Dinge im Leben geht, dann hat man den ganzen Schmonzes, der einem scheinbar täglich aufgedrückt und aufgebürdet wird, schon einmal hinter sich gelassen. Oder das Handy, es hilft dir, aber wenn dich das Handy scheinbar übermannt und du hängst nur noch daran, dann bist selbst Schuld. Du darfst, du musst nicht. Deshalb habe ich mich selbstständig gemacht weil ich musste, ich bin davor von ein paar Betrieben raus geschmissen worden, wo ich keinen Spaß hatte und wusste, dass mir das keine Freude bereiten wird auf Dauer.
Der Spaß- und Freudefaktor ist von Anfang an dabei. Wenn ich etwas machen muss, dann mache ich es einmal, aber dann nicht mehr, weil ich genau weiß, dass mir das nicht taugt.

Judith: Was hast du vorher gemacht?
Pfah. Ich hab 1984 maturiert in der Handelsakademie Zwettl. Ich war einmal Buchhalter, ich war in der Fremdenverkehrsbranche, ich war Bierverkäufer, ich war...

Judith: Zwettler?
Judith, what else? Als Waldviertler. Is eh klor!
Auf jeden Fall habe ich verschiedenes probiert und gesehen, dass ist alles ein Schmarrn. Da wird Druck ausgeübt oder sonst irgendetwas, ich wollte das nicht. Ich bin immer von dem ausgegangen, wenn etwas gut gepflegt wird und Freude macht, dann wächst es und dann habe ich langfristig Freude daran. Das heißt es ERFOLGt etwas daraus und somit hat man Erfolg damit. Aber du musst zuerst eine Freude daran haben. Erfolg ist nichts anderes als die Summe der erfolgenden Reaktionen. Als erstes muss eine Aktion folgen: deshalb habe ich mich selbstständig gemacht, denn ich wollte von hier nicht weg. Ich will die Region nicht verlassen. Doch, eigentlich habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich wegfahren muss um zuhause bleiben zu können. Du musst unbedingt über den Tellerrand schauen und schauen, was ist hinter dem nächsten Hügel, was ist hinter der nächsten Straße. Aber ziemlich schnell ist zu erkennen, dass es hier am schönsten ist im Waldviertel mit all unseren Möglichkeiten. Lebensqualität, Preis – Leistungs – Verhältnis. Wenn man im Waldviertel ein Haus kauft z.B. ein altes, wie dieses hier mit 8000m2 Grund und vier Jahre leerstehend – ich konnte nichts gutes erwarten – aber vor den Ruinen fürchten sich die meisten. Ich habe in meinem Leben schon 7 oder 8 Ruinen gekauft und sie immer wieder umgebaut und ausgebaut. Die sind immer gleich passiert. Ruinen werden nie von jemandem als wertig empfunden. Aber der Grund und Boden bleibt ja da. Es ist ja nur das alte Haus und das Klumpert das drauf liegt. Aber das kann ich ja wegräumen. Aber nein, die Leute geben viel lieber für etwas was wirklich Klumpert ist, Geld aus als für das was wirklich Wert hat. Das ist eine Weltanschauung. Für mich hat dieses Haus 35.000 Euro gekostet mit Grund und Boden. Die gleiche Fläche hätte in Zwettl 500.000 Euro gekostet, schon vor 22 Jahren. Das war mein eigentliches Gründungskapital.
Ich hab mit bei der Gründung gefragt: was ist der Unterschied zwischen der Wiese die da ist und der Wiese, die 15 km weiter weg ist und die gleiche Größe haben? Somit habe ich gewusst, wo ich mein Unternehmen hinsetze.

Die Strecke nach Krems ist ja von hier sogar besser zu erreichen.
Ja, es ist sogar näher von hier nach Krems. Es ist ganz egal. Heute sage ich: der Weg nach Prag ist mir genauso lieb wie der Weg nach Wien. Das ist ein riesengroßer Vorteil, v.a. durch die EU-Öffnung. Ich habe genau gewusst, dass Tschechien irgendwann einmal zur EU kommen wird. 1989 ist das plötzlich mit dem Wegfall der Grenzen offen geworden. Nur die Menschen haben noch immer die Grenze im Hirn... dafür kann ich nichts, das ist nicht mein Problem. Ich habe die Möglichkeiten gesehen. Deswegen bin ich auch 1992 nach Tschechien gegangen mit einer ersten Betriebsgründung, wo jeder zu mir gesagt hat, dass ich deppert bin. Es steht und fällt immer mit den Menschen, die du kennenlernst. Da habe ich auch einen arbeitslosen Studenten kennengelernt, der gefunden hat, dass das was ich mache gut ist und wollte sich – ohne Geld – beteiligen. Ich hab ihm geglaubt, dass er begeistert ist. Er studierte Pflanzenbau und somit habe ich mit ihm in Tschechien meine erste Auslandstochter gegründet, 1992.

Judith:Arg, das habe ich nicht gewusst, dass das schon so früh war.
Lucia: Na ich hab’s mir mit 1990 notiert gehabt,....
Ja, 1990 war der erste Besuch in Tschechien. Da hab ich nicht den Markt sondiert, sondern wurde zu einem Vortrag eingeladen. 1989 ist das ganze kommunistische System zusammengebrochen, im November. Und 1 Jahr später wurde ich nach Ohlmütz eingeladen zu einer Agrarenquete. Die gesamten ex-kommunistischen Kolchosen Verwalter und Landwirtschafter hatten keine Idee wie es weitergeht. Es war alles weg für die. Planwirtschaft, weg. Eigenständigkeit – die hatten alle Maschinen, aber wie geht’s weiter? Visionslosigkeit, Ideenlosigkeit und damit veranstalteten sie diese Enquete und ich wurde dazu eingeladen, wahrscheinlich weil ich der nächste oder einzige Biospinner in der Nähe der tschechischen Grenze war. Aber wurscht, ich bin hin und dachte ‚das schau ich mir an!’ und hab nichts anderes gemacht, als den nächsten Feldrain überschritten. Die Leut’ sagen halt Grenze dazu aber eine Grenze ist ja nicht da, dass man sie nicht überwindet, sondern dass man einfach drüber schaut. Also, ich bin immer offen und neugierig. 1990 habe ich den Schwager kennengelernt, 1991 meinen Partner, im Sommer und dann haben wir am 2. April 1992 – wir wollten keinen Aprilscherz machen, deshalb der 2. – in Brünn unsere Firma gegründet. Nix hat uns das gekostet, umgerechnet 2.200 Euro für Gründung, Vertragserrichtung, Eintrag ins Handelsregister und Grundkapitaleinlage – an Schas! Und trotzdem sind in Tschechien 85 Arbeitsplätze entstanden und wenn wir das nicht hätten – die ganze Firmengründung in Tschechien – würde hier sicher 30%-40% Personen nicht sein, wie wir sie jetzt beschäftigen. Kooperationen im internationalen Bereich sind immer ein Segen und fällt auf die „Mutter“ zurück. Wie eine Familie. Wenn die Familie funktioniert und die Mutter schaut auf ihre Familie, dann wir die Familie immer funktionieren. Wenn sich die Eltern nicht um die Familie kümmern, werden’s wild und deppert. Und aus wilde und depperte Hund ist noch nix g’scheites geworden, die muss man einfach erziehen und die muss man an der Hand nehmen.

Judith: Und was passiert in Tschechien eigentlich, Produktion?
Ja wir haben in Tschechien unseren Zweitstandort für Produktion, das heißt in Tschechien haben wir uns 1997 die Teebeutel abzufüllen, weil wir in Österreich weder eine Firma noch sonst etwas gehabt haben, die eine Teebeutelmaschine hätte machen können. Wir hätten eine italienische Maschine kaufen können, die war dreimal so teuer wie eine tschechische. Und wir haben in Tschechien einen Maschinenhersteller gefunden, der die Beutelmaschine für uns baut: he, super, dann machen wir die Teebeutelproduktion in Tschechien. Also wir bringen die Waren aus Österreich nach Tschechien, verpacken sie dort und nehmen sie wieder zurück. Gleichzeitig ist Tschechien unser Brückenkopf für Polen, baltischen Staaten, Ungarn, für die ganzen osteuropäischen Staaten. Deshalb ist Tschechien... ich kann’s gar nicht beschreiben... wird uns noch ganz lange Jahre Wachstum bescheren.

Und mit Tschechischen Bauern wird auch kooperiert?
Wie bei uns.

Vertieft im Interview mit Mr. Sonnentor © Judith Mehofer


Die Grenze ist nicht gesehen worden.
Die Grenze ist nur ein Strich im Hirn. Nicht mehr! Also mit der EU zusätzlich – ein Segen. Wenn man sich auch vergegenwärtigt wie sich das Land, die Städte, die Menschen entwickelt haben: toll, ich bin begeistert. Der EU-Beitritt von Tschechien ist eine riesengroße Möglichkeit für Österreich, für österreichische Unternehmen. Nur, wie viele von uns sprechen Tschechisch?

(Schulter zucken)

Ich nicht.
I a ned. Ihr werdet staunen, ich hab es nicht geschafft in diesen 22 Jahren tschechisch zu lernen. Okay, ich verhungere nicht. Ich kann eine Suppe und ein Bier bestellen, und ich kann zahlen schreien. Alles was man so braucht. Ich kann natürlich auch auf Tschechisch fluchen, wie immer das erste was man lernt. Aber sonst, kann ich nichts. Ich habe tolle Mitarbeiter, das Unternehmen basiert auf der gleichen Vertrauenssituation wie bei uns im Waldviertel und damit weiß ich, was die dort drüben machen ist hervorragend. Ich bin vielleicht jedes Monat oder jedes 2. Monat in Tschechien, um Hallo zu sagen, um zu motivieren und um den Erfolg gemeinsam zu feiern. Super!

Judith: Kann man die Firma in Tschechien auch besichtigen?
Ist genauso offen wie hier. Wir haben die Firma genauso aufgebaut wie hier, ein bisschen kleiner, aber wir sind überglücklich mit diesem Standort. Auch dort ein Dorf, wo ich eine alte, zusammengefallene Mühle gekauft habe, dann einen abgebrannten Kuhstall – auch in Tschechien sind wir auf Ruinen gebaut. In anderen Ländern sind wir etwas vorsichtiger. In Rumänien haben wir vor 7 Jahren eine Firma gegründet und in Albanien vor 5 Jahren. Aber auch immer mit Partnern, wie in Tschechien. Rumänien ist momentan zu unsicher, ich liebe Rumänien, aber dort zu investieren bedarf einer ganz anderen Rechtssicherheit, trotz EU-Beitritt.

Weiter geht's in Kürze...

24.09.2014

Kaffeehausgespräche VI

Jo Aichinger 

im ständigen Austausch

Da überraschte ich den künstlerischen Leiter von IMAGO DEI, von Glatt&Verkehrt und dessen Erweiterung HerbstZeitlos: schon 10 Minuten vor der vereinbarten Zeit hatte ich meinen Espresso Macchiato geleert und saß gemütlich in der Sonne. Der Herbst in Krems lässt sich nun nicht mehr verleugnen. "Du bist ja schon da! Ich dachte ich hätte noch ein paar Minuten." - Jo Aichinger bestellt Apfelsaft gespritzt und gesellt sich zu mir. "Ich bin immer zu früh.", ich erinnere mich, dass ich entschuldigend gegrinst habe. Als Ausrede schiebe ich mein Halbmarathon-Projekt vor, das ich am Tag zuvor geschafft hatte. Die Radfahrerei zum Campus war eine erste sportliche Herausforderung. Jo Aichinger nimmt das Thema auf: "Laufen gehe ich nicht gerne. Aber ich setze mich aufs Mountainbike und fahre einfach drauflos." Er deutet Richtung Egelseer Straße hin zur Donauwarte und überall dorthin, wo auf abenteuerlustige Radfahrer die nächste Herausforderung wartet.

Die nächste große Herausforderung hat sich Jo Aichinger mit dem HerbstZeitlos-Festival selbst geschaffen. Glatt & Verkehrt etablierte sich in den letzten 2 Jahrzehnten zu einem der wichtigsten Musikfestivals in Niederösterreich. Weltmusik - Musik aus aller Welt - zeitgenössisch wie traditionell werden im Rahmen des Festivals präsentiert. Unterschiedliche Musikanten treffen auf einander, machen miteinander Musik und treten zu bestimmten Themenschwerpunkten auf. Besonders stolz ist Jo Aichinger auf den iranischen Künstler Alireza Mollahosseini, der als Artist in Residence Krems auch auf eine andere Art erlebt hat, wie jene Künstler und Künstlerinnen, die nur für einen Auftritt hierher kommen.



Bei dem AIR - Artist in Residence - Programm geht es Jo Aichinger vorwiegend um den Austausch zwischen internationalen und niederösterreichischen Musikerinnen und Musiker. "Exchange! Das ist das wichtige Wort im Bezug auf Artist in Residence. Dabei ist das Musik-Atelier sehr schwer zu besetzen, denn Musiker selbst sind dauernd auf Tournee und unterwegs. Sie leben vom Reisen. Aber Komponisten und Klangkünstler begeistern wir für das Format." Auch für Imago Dei verbringen Musiker und Musikerinnen aus aller Welt einige Wochen im Musikatelier, wo an neuen Kompositionen gebastelt oder an einer neuen Technik gefeilt wird. Auf die Frage, woher Jo Aichinger die musikbegabten Menschen nimmt, meint er - etwas überrascht: "25 Jahre sind's schon! Lucia, die Szene ist klein, jeder kennt jeden. Ich höre mich um, hole mir Empfehlungen ein und freue mich auf jene, die ich noch nicht kenne." Vom Schweizer Klangkünstler Zimoun schwärmt er mir vor. Besonders spannend findet er in diesem Fall die Schnittstelle, die die Musik einnimmt: "Der Klang ist Skulptur. Das geht in Richtung Bildende Kunst." Zimouns Klangkunst verwirrt unser Gehör. Kartons, die von der Decke hängend aneinander reiben oder Papierkügelchen, die wie brausende Wogen an den Fenstern entlang geblasen werden. Gleichzeitig stellt er Raum, Ästhetik der Skulptur und den Klang in eine Linie.

© Alireza Mollahosseini


Raum spielt bei HerbstZeitlos eine große Rolle. In der säkularisierten Minoritenkirche treten Musiker und Musikerinnen aus aller Welt zusammen. Pathetisch, ein ganz besonderer Raum, den es sonst nirgendwo gibt. Dabei hat die Minoritenkirche einen unglaublichen, architektonischen Vorteil für Musik aller Art: es wird kein Flatterecho produziert. Die Kirche animiert die Menschen zuzuhören und Konzepte zu vermitteln. "Worum es mir geht? Die Menschen sollen sich von der Musik nicht nur unterhalten lassen. Bewusst zuhören, nicht kritiklos hinnehmen." Jo Aichinger erzählt von den Verbindungen zwischen den ethnischen Kreisen rund um den Globus. Wir sollten uns alle fragen: "Warum ist das so? Woher kommen diese Ähnlichkeiten?" Besonders der Orient und die (Musik-)Kultur im Nahen sowie Fernen Osten und der Islam stehen im Fokus von Jo Aichinger: "Ich will anregen Bewusstsein zu schaffen, dass wir uns alle Gedanken machen sollen über die Religion, zum Beispiel. Außerdem sehe ich es als Bereicherung was es im orientalischen Raum zu entdecken gibt." Der große Unterschied liegt im Zugang zur Musik: hier in Mitteleuropa zahlen wir viel Geld für Musikschulen, den direkten Zugang zum Musikalischen und zu Rhythmen scheinen wir erst durch das verschulte System zu erlernen. Jo Aichinger empfiehlt nach Italien zu schauen, wo in Apulien einmal jährlich "La Notte della Taranta" statt. Kinder identifizieren sich mit der Musik, 140.000 Menschen pilgern dorthin und machen das Festival zum Inbegriff, was Musik sozial und gesellschaftspolitisch bedeutet.

Mit Alireza Mollahosseini holt Jo Aichinger eine Percussion-Größe aus der persischen Tradition auf die Bühne in Krems. Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Philosoph und Autor. Mit ihm gelingt es HerbstZeitlos sich zu positionieren und wie Jo Aichinger das möchte: "ständig zu verändern und ständig zu experimentieren. Ich versuche neue Kulturen, die noch nichts voneinander gehört haben zusammen zu bringen." 

HerbstZeitlos zeigt am Donnerstag 25. September, ab 20:00 Uhr | Wirtshaus Salzstadl | Krems-Stein: Alireza Mollahosseini Solo: The Voice of the Earth (Iran) und Druk Revival (Bhutan)



31.08.2014

Erklären Sie mir die Wirtschaftskrise, Herr Maurer!

Gescheit gemütlich 

Thomas Maurer gibt Antworten


© Ingo Pertramer
Ich lese von ihm, wenn er mit zwei anderen zeltet, um sein Essen selbst zu jagen und letztendlich doch im Wirtshaus landet. Ich sehe ihn, wenn er sich über die aktuellen Krisenherde der österreichischen Innenpolitik lustig macht. Am 13. September 2014 stellt er sich im Kino im Kesselhaus auf die Bühne und erklärt seinem Publikum worum's eigentlich geht in der Weltwirtschaft, inkl. Krisengespräch. Die Rede ist von Thomas Maurer, dem Kabarettisten und Reporter sowie Kolumnisten (gemeinsam mit Florian Scheuba) des Magazins Á la Carte. Mit seinem neuen Programm „Neues Programm“ – Kritik an der voreiligen Titelsuche, um möglichst früh Marketing betreiben zu können? – gastiert der Wiener also endlich in Krems. Am Kutschkermarkt im 18. Wiener Gemeindebezirk lassen wir uns bei Pöhl's Käsestand auf Mohnweckerl mit Liptauer nieder. Wohl bekomm's!


Sie kommen immer wieder an die Tore der Wachau zurück, diesmal nicht (nur) des Weines wegen, sondern durch Ihr neues Programm "Neues Programm", wie schätzen Sie Ihr Publikum hier am Land ein? Immerhin sind Sie ja das Städtische gewohnt...

Ich bin Wein-Freund und seit 30 Jahren relativ regelmäßig in der Wachau. In letzter Zeit etwas weniger. Nach meiner Erfahrung unterscheiden sich Vorstellungen untereinander mehr als dass man ein Stadt-Land-Gefälle hat nicht. Also, ich mache das seit 25 Jahren und ich könnte nicht sagen, dass gewisse Dinge am Land verlässlich besser aufgehen. Es gab Programme, wo ich mich im Vorfeld ein bisschen gefürchtet habe - Menschenfreund war eines davon - weil ich dachte, dass ich eine sehr städtische Type auf die Bühne stelle. Da ging's um das ganze verbürgerlichte, versulzte ehemalige Alternativlager, dann hat sich herausgestellt, dass zumindest in Auszügen auch in den kleinsten Ortschaften irgendwo in einem Tiroler Tal, da hat diesen Lebensstil der Lehrer - man kennt sie auf jeden Fall. Auch weil wir medial zusammen gewachsen sind. Die Riesenunterschiede, dass man am Land nur Witze über willige Mädchen machen darf und in der Stadt über Gugelhupf und Konditorei, das gibt's nicht mehr.

Keine Zwischenrufe...?

Kaum. Es gibt schon regionale Spezifika, wie zum Beispiel in Kärnten habe ich eine Zeit lang schon bemerkt, 1. in welchen Gemeinden ich überhaupt noch spielen kann und das waren dann ganz wenig. Und 2. welche Leute dort hin gehen. Das hat dann bestimmt einen gewissen Deklarationsdruck erzeugt. Das ist natürlich etwas anderes. Da funktionieren gewissen Dinge, wenn du dich mit der gesamten BZÖ-Geschichte befasst hast, und bemerkst, dass das ein ganz anderes Unterfutter hat, als wenn du das in Wien spielst.

Kulturpolitik in Niederösterreich ist sehr stark mit dem Landeshauptmann (ÖVP) verbunden. Wie ist Ihre Einschätzung diesbezüglich? 

Sehr ambivalent. Es ist natürlich sehr viel geschaffen worden, aber auf der anderen Seite ist es natürlich schon so, dass etwas sanft Totalitäres zu spüren ist. (lacht)

Ich selbst kenne zum Beispiel nur Erwin Pröll als Landeshauptmann von Niederösterreich. Für mich gibt es kein anderes Bild. 

Das wird sich schon noch ändern... Es hat so seine dialektischen Komponenten. Nur ein autoritärer Landeshauptmann mit so unbeschränkter autokratischer Machtfülle kann Dinge durchziehen, wie das Deix-Museum oder das Nitsch-Museum oder das Rainer-Museum. Diese Museen hätte jemand, der auf die Stimmung schaut, ob das auch wirklich beliebte Künstler sind, nicht getraut. Der aufgeklärte Absolutismus hat schon was. (lacht)

Man hört natürlich auch von jüngeren, bildenden KünstlerInnen, dass in Niederösterreich sehr schnell und sehr viel gemacht wird in der Kunstszene, wie anderswo. 

Das wird wohl so sein. Das ist nicht meine Kernkompetenz.

Haben Sie von der Wachauer Nase von gelitin gehört, die an der Fährenanlegestelle in St. Lorenz ihren Platz gefunden hat? 

Ja genau. Wenn man gelitin etwas kennt, sollte man denen sagen, die sich aufregen, dass sie froh sein sollen, dass sie nicht das Wachauer Zumpferl kriegt haben. Wobei ich diese Nase persönlich sehr lustig finde. Ich erinnere mich noch an den Empörungsaufschrei Niederösterreichweit als der Dürnsteiner Kirchturm nach Originalvorlagen wieder Blau war, statt dem üblichen Schönbrunner-Gelb. Da hat man eben festgestellt, dass der im Barock eigentlich Blau war - das macht ja einen fantastischen Effekt - aber die Aufregung war groß, die Kronenzeitung-Leserbriefe unzählbar, vom Untergang des Abendlandes war die Rede.

Wie immer, bei uns. Welchen Bezug haben Sie zur zeitgenössischen Kunst?

Ich bin ein doch intensiver Kulturkonsument, wobei ich leider am Abend sehr wenig ins Theater oder Konzert komme, weil ich da selbst viel spiele. Das überlegt man sich vorher zu wenig, dass ein Bühnenberuf extrem kulturfeindlich ist. Sonst bin ich von teilweise Klassik -   erst langsam erarbeitet, denn damit bin ich nicht aufgewachsen - über Jazz und zeitgenössische, intelligentere Popmusik über Film offen... ich lese auch sehr viel. Das läuft ständig durch, ist ein bisschen so wie Essen und Trinken für mich.

Ich hab Ihr Programm schon im Stadtsaal gesehen. 

Ahja,...in Krems müssen wir ohne Bühnenrauch auskommen - sonst kommt am ganzen Uni-Campus die Feuerwehr.

Das wär doch auch einmal lustig... Im Programm geht's um Politisches, aber auch vorwiegend um die Wirtschaftskrise: Woher kommt der Anspruch politisches Kabarett zu machen, und jetzt mehr und mehr in die Wirtschaft einzugehen?

Naja, weil das mehr oder weniger das gleiche ist. Wir haben in den letzten 30 Jahren einen Siegeszug einer Ideologie gesehen, die alles getan hat um die Kompetenzen aus der politischen in die wirtschaftliche Sphäre zu verlagern und dann braucht man sich nicht wundern, dass plötzlich nicht-gewählte Institutionen auch nominell in Demokratien politische Entscheidungen treffen. Dass da jetzt allgemeines Erstaunen darüber herrscht, ist - lieb - war aber eigentlich absehbar und insofern sind das natürlich die großen Weichen. Ich glaube, dass ein sperriges Thema wie das Handelsabkommen mit Kanada und im Weiteren mit den USA, wird für die nächsten Generationen weitaus mehr politische Folgen haben, als ob jetzt der Strache sich irgendwann in einer Regierung blamieren darf oder nicht.

Ist das reines, persönliches Interesse von Ihnen oder hat sich das so ergeben? 

Es ist an und für sich für Satiriker nicht so falsch, wenn sie sich für die Welt in der sie leben interessieren. Und wenn man das tut, dann kommt man auf gewissen Fragestellungen. Abgesehen davon, dass ich Bühnenvermischungen von amerikanischen Stand-Up und anderen Formen verwende, was zu unerwarteten Wendungen führt, ist ein Teil des Programms auf die Wirtschaftskrise angelegt, die ja über uns gegangen ist wie ein Atlantiktief. Das Thema wird ja zunehmend naturwissenschaftlich erklärt. Ich denke, dass das beste Kennzeichen einer totalitären Ideologie ist, wenn sozusagen quasi-naturwissenschaftlich argumentiert wird. Rassismus war auch einmal eine Naturwissenschaft. Der wissenschaftliche Marxismus an den kann ich mich noch erinnern. Und die Marktgesetze, die so dargestellt werden, als wären sie Naturkonstanten wie Lichtgeschwindigkeit. Das ist einfach idiotisch. Jedem, der das sagt, dem müsste vor Scham die Zunge herausfallen. Die meisten merken das aber gar nicht. Und deshalb finde ich es ganz reizvoll mich damit zu befassen. Es ist das Privileg, dass ich mich beruflich mit solchen Dingen beschäftigen kann, zu denen man privat gar nicht kommt. Auch wenn die Berichterstattung mit überdurchschnittlicher Aufmerksamkeit verfolgt habe, musste ich mich dennoch danach noch einige Wochen auf meinen Hintern setzen und Bücher lesen und noch mehr Fakten recherchieren um zu erkennen, was da wirklich los war. Da hab ich ein grobes Bild gehabt, was überhaupt passiert ist. Diese Erkenntnis wollte ich auf eine kurzweilige Weise teilen.

Das ist eindeutig gelungen. Können Sie von sich behaupten, dass Sie die Wirtschaftskrise verstanden haben? 

Der Vernetzungsgrad ist enorm hoch und es ist nach wie vor sehr vieles nicht bekannt. Ich glaube auch fest an diese Geschichte aus den Zeitungen, dass ab 2008 die goldenen Zeiten des globalen, organisierten Verbrechen angebrochen sind. In der gesamten Kredit-Klemme, als sich alle verzweifelt nach Liquidität gesehnt haben, konnten sämtliche, kriminellen Organisationen der Welt Geld waschen so viel sie wollten. Alle haben gesagt "Danke" und alle Staaten haben weggeschaut, damit nichts Schlimmeres passiert. Ich denke, dass es da keine qualifizierten Schätzungen gibt wie viel Prozent der offiziellen Wirtschaft ursprünglich gar keine offizielle Wirtschaft war. Da verschränken sich die Sphären der Modalitäten. Im 19. Jahrhundert sind die Engländer noch in China einmarschiert, weil die Chinesen nicht wollten, dass die Engländer dort Opium verkaufen. Würde man so heute nicht mehr machen bzw. dem müsste man einen ganz anderen Spinn geben für die Nachrichten.

In eine gute Nachricht verwandeln - positives Marketing. 

Ja, genau.

Ich versuche auch persönliche up-to-date zu bleiben, was in der Wirtschaftswelt passiert. Aber das Privileg sich wirklich hinzusetzen und sich stunden- oder wochenlang damit zu befassen, das ist wie ein eigenes Studium. 

Die Ressourcen in den Redaktionen bröckeln weg. Zeitungen sind ein matter Abklatsch von dessen was sie einmal waren, ein noch matterer dessen, was sie eigentlich sein sollten.

Von der Kultur müssen wir da gar nicht anfangen...

Der Klassik geht's immer noch gut. (lacht)

Neben Ihrer hauptberuflichen Tätigkeit als Kabarettist, schreiben Sie mehr oder weniger genüssliche Reportagen und Kolumnen für das Lifestyle-Magazin À la Carte. Die Reportage „Überleben“...

Das war sehr lustig...

Das kann ich mir vorstellen. Dabei gingen Sie auch auf vergebliche Nahrungssuche, das ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Da geht's sehr stark um Nachhaltigkeit und woher Nahrung kommt - beim Fleischhauer zum Beispiel... 

Ja, Schweindl abstechen.

Wie ist da Ihr Zugang dazu, Sie sind ja aus Wien - aufgewachsen in der Stadt... 

Ich hab aber Verwandte, die auf dem Land leben. Ganz fremd ist mir das nicht. Also mein Vater und meine Mutter sind jeweils erste Generation in Wien. Mein Vater ist mit seinen Eltern nach Wien gezogen, aber die Großeltern waren Bauern - auf beiden Seiten. Das Ambiente ist mir nicht fremd, obwohl ich selbst nie Bauer war. Das Interesse und woher unsere Nahrung kommt, sollte meines Erachtens jeder haben, der überhaupt Fleisch isst. Nach wie vor herrscht der bizarre Zustand, dass eh jeder weiß, dass es so nicht geht, aber dies völlig konsequenzenlos bleibt. Wenn wir da jetzt 20 Leute fragen würden, ob die Fleischhaltung im Westen in Ordnung ist, sagt jeder "Nein". Da gibt's das Buch von Jonathan Safran Foer, wo er ja auch am Anfang schreibt, wie er Freunden und Bekannten erzählte, dass er über Fleischproduktion schreiben würde. Alle sind davon ausgegangen, dass es sich um ein Vegetarier-Buch handeln MUSS. Das ist schon ganz interessant. (lacht)

Beim "Zelten in der Natur" für die Reportage Überleben hat mich angesprochen, dass es eine Geschichte des Scheiterns ist. Letztendlich ist es nicht dazugekommen, so wie Sie sich vorgenommen haben, dass alles aus der Natur genommen wird und vorm Zelt verspeist wird...

Der Wille war willig...

Bei uns, in unserer Kultur das Scheitern, genauso wie das Fehler Machen ein Tabu geworden ist. Man darf in der Schule keine Frage stellen, weil dann hat der, der gefragt hat zugibt, dass er etwas nicht weiß und somit gescheitert ist. 

Auch darauf kann man Karrieren aufbauen und plötzlich ist man Vize-Kanzler und Finanzminister (Anmerkung d. Red.: zu diesem Zeitpunkt noch Michael Spindelegger) und weiß nicht warum.

Wie stehen Sie zum Scheitern im Leben?

Ich finde, man muss sich nicht extra darum bemühen, es kommt eh...

Das ist die beste Antwort, die man geben kann. Wie ist es zum Kolumnen- und Reportagen schreiben gekommen. Die Beschäftigung mit dem Essen, mit der Nachhaltigkeit im Essen... 

Das hat sich über die Jahren hinweg entwickelt. Ich habe 15 Jahre lang im Kurier eine Kolumne geschrieben. Und diese Kolumne hat begonnen im Falstaff, vor etwa 15 Jahren, weil mein Interesse für Wein und weil ich mit Weinbauern bekannt und richtig befreundet bin und kenne seit Jahren den Peter Moser, der für Falstaff den Wein-Guide schreibt. Vor einigen Jahren kam die Idee, dass eine satirische letzte Seite ganz gut wäre, und die haben Florian Scheuba und ich gemeinsam geschrieben. Nach dem Falstaff-Relauch von Herausgeber Rosam hat uns das Magazin nicht mehr so gefallen und Á la Carte fanden wir das deutlich attraktivere Heftl und sind mit der Kolumne übersiedelt. Bei dieser Gelegenheit fragte ich den Chefredakteur, ob ihn eine Reportage interessieren würde. Mit Ingo Pertramer (Anm. d. Red.: Fotograf) wollte ich schon länger zusammen arbeiten und dann sind wir mit der Schweindl-Geschichte eingestiegen.

Was ist Ihr Lieblingsessen? 

Das kann ich so nicht sagen. Ein sehr breites Spektrum.

Was macht gutes Essen aus?

Gute Zutaten, sachkundige Zubereitung und so viel Zeit wie das Essen eben braucht. Das kann sehr wenig oder sehr viel sein.



© Christian Prenner Photography
Noch einmal zum Programm zurück, da arbeiten Sie mit viel technischen Raffinessen, mit Blitz und Musik, Rauch und dann nur mit Ihnen auf der Bühne, schwarz, Mikro und sonst nichts. Da prallen zwei Welten aufeinander.

Mir war es wichtig zu überraschen. Wenn man auf die dramaturgisch raffinierten Seiten meiner Arbeit steht, ist man in der Pause von meinem Programm etwas enttäuscht und am Ende der zweiten Hälfte sehr begeistert. Es gibt immer unterschiedliche Meinungen. Ich fand aber, dass das doch logisch zusammen gehört. Ich habe die Form des Stand-Up zu spielen begonnen und es eher zitiert. Ich bin kein großer Fan vom meisten was man im deutschen Privatsender von Comedy sehen kann, aber ich bin gerade am Überlegen ob ich nicht ganz bewusst meine Liebe zur verzwickten Dramaturgie beiseite lasse und so einen reinen Stand-up Abend mache. Das wären ganz andere Herausforderungen, weil die dramaturgischen Klammern sind natürlich nicht einfach zu bauen, aber sie halten den Abend zusammen. Wenn's gelingt. Wenn du allerdings wirklich nur auf der Bühne stehst, ist das eine andere Form, wie auch die Amerikaner, die guten Comedians, stehen ja maximal 50 Minuten oben. Bei uns hat man sich an die zwei Hälften gewöhnt, da muss man sich eigentlich in der 2. Hälfte etwas einfallen lassen, weil mir wär das persönlich etwas zu wenig. Aber wir werden sehen. Nächstes Jahr gibt's ja ein neues Programm...

Das freut mich. Wenn Sie das „neue Programm“ mit einem Satz beschreiben, sagen Sie:

Das ist in einem Satz ganz einfach nicht möglich.

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und viel Spaß in Krems! 

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