wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

21.04.2014

Kaffeehaus-Gespräche II

Die Liebe zum Sport

im Gespräch mit Rainer Pariasek


Wenn am 2. April (leider hat sich das Wetter seitdem wieder etwas Richtung Winter gewandelt) schon die Sonne so scheint wie sonst Ende Mai, bin ich mehr als dankbar einen der begehrten Tische Wellen.Spiel an der Schiffsstation reserviert zu haben. Punkt 14 Uhr drehe ich mich hin und her – ich bin doch einigermaßen nervös – und entdecke meinen Interviewpartner des Nachmittags. Der Sportreporter und langjährige Sport-am-Sonntag-Moderator Rainer Pariasek sieht sich – chic in dunkelblauem Hemd und dunkler Sonnenbrille - suchend nach mir um.

© upc.at
„Ich erkenne Sie, aber Sie mich nicht.“ Er setzt sich lachend. So dürfte es ihm wohl öfter gehen. Das journalistische Portrait von Rainer Pariasek beginnt mit seinem Schritt in die Sportredaktion der APA (Austria Press Agency). „Ich bin da hineingeraten.“ – als Jus-Student brauchte er das nötige Kleingeld, sei darauf angewiesen und Sport sei für ihn ein spannendes Thema gewesen. Sein Traumberuf – von Wikipedia wurde ich falsch vor-informiert – war seit Kindestagen, der des Strafverteidigers. Dass er an Fragen gewöhnt ist, bemerke ich, als er sich die nächste selbst stellt und beantwortet: „Ich werde von Kollegen oft gefragt, ob ich es bereue diesen Weg nicht gegangen zu sein.“ (kurze Denkpause) „Nein, ich habe keinen Tag, den ich in der Sportredaktion verbracht habe, bereut.“
Dabei erging es ihm in den späten Achtziger Jahren - nach der APA folgten einige Jahre in der Presse ehe er 1996 zum ORF-Fernsehen wechselte – so wie vielen jungen Menschen. Man bleibt im Job 'picken' und ehe man sich versieht wird das Studium zur Nebensache. Der Wahl-Wachauer bestellt einen kleinen Braunen und wir beginnen uns über die Region, über die prominenten Experten bei Fußball und Schifahren und über schwierige Interviewkandidaten zu unterhalten:

Ihren privaten Lebensmittelpunkt haben Sie in die Wachau verlegt. Was schätzen Sie so an dieser Gegend, die Ihnen mehr als 1 Stunde Arbeitsanfahrt beschert?
Eine Stunde ist etwas übertrieben. Ich fahre ja zu Zeiten ins ORF-Zentrum, zu denen die Straßen leer sind. Außerdem verbringe ich mehr Zeit außerhalb des Studios - in Stadien zum Beispiel. Die Anfahrtszeit hat meine Entscheidung hier her zu ziehen nicht beeinflusst.

Nehmen Sie am kulturellen Leben – wenn Sie Zeit haben - in Krems & Umgebung Teil?
Ich bin ein Genussmensch. Gutes Essen und Trinken werden hier an jeder Ecke angeboten - vom Heurigen bis zum Haubenlokal findet man in der Wachau ausschließlich Top-Qualität.

Wie hat sich Krems im Laufe Ihrer Zeit, die Sie hier leben, verändert?
Ich weiß nicht, ob das nur ein Gefühl ist, aber die Zahl der Studenten hat sich in den letzten paar Jahren erhöht. Das bringt neues Leben in die Stadt, man sieht mehr junge Leute.

Was wünschen Sie sich für die Region & für Krems?
Dass die finanzielle Situation für Krems geregelt wird. Man hört ja immer nur, dass die Stadt auf immensen Schulden sitzt. Ich hoffe, dass diese Probleme gelöst werden können.
© orf.at

Wechseln wir zum Thema Sport: Für mich sind Sie DER Sportreporter meiner Generation. 1996 war ich 7 Jahre alt und durfte neben Schifahren, viel Fußball im Fernsehen anschauen. Ihr Gesicht hat mich Jahraus, Jahrein begleitet. Welche Events in Sommer und Winter können Sie nicht auslassen - Kranksein hin oder her?
Puh, abgesehen von olympische Spielen und Weltmeisterschaften, die Highlights sind, freue ich mich jedes Jahr auf das Wochenende in Kitzbühel - weniger auf den Narrenzirkus rundherum. Das ist einfach das beste Rennen. Gleich im Anschluss ist der Nachtslalom in Schladming ein absolutes Muss... Und natürlich sind die Länderspiele im Sommer etwas besonderes,...

Apropos, Nationalmannschaft: wie prognostizieren Sie die nächsten Spiele für die Euro 2016?
Unter Marcel Koller hat es auf jeden Fall eine positive Veränderung gegeben. Ob das reicht ist fraglich. Die anfängliche Euphorie ist abgeklungen, denn für viele war die Veränderung der Euro von 16 auf Mannschaften der Gruppen ein sicheres Ticket in die Meisterschaft. Mit der Auslosung kam die Ernüchterung. Für die Euro ist eine Prognose dennoch schwierig. Ich bin nach wie vor etwas skeptisch.


Sie Sind ja hauptsächlich für die Interviews bei Sportevents zuständig - sind Sie vor dem Interview nervös, vor allem wenn sich das Gegenüber problematisch verhalten könnte?
Nervös nicht, aber es hat natürlich schon einige Situationen gegeben, in denen ich gut auf die möglichen 'depperten' Antworten meiner Interviewpartner vorbereitet sein musste. Da denke ich vor allem an zwei Herren, die nicht mit kritischen Fragen umgehen konnten. Diese Fragen habe ich dann natürlich trotz allem gestellt - und habe mir zuvor schon die Antworten, sowie meine Reaktion überlegt. Das ist extrem hilfreich. Aber nervös bin ich nicht. Das macht auch die langjährige Erfahrung.

Vom schwierigen Interview-Partner zum Promi-Experten: Roman Mählich, Herbert Prohaska, Helge Payer beim Fußball, Armin Assinger, Thomas Sykora, Alexandra Meissnitzer beim Schifahren  - welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem Konzept Prominente an Ihre Seite zu stellen? 
Die ehemaligen Profis haben eine unglaubliche Anziehungskraft für die Zuseher. Natürlich, der eine mag den Assinger, der andere nicht - aber im Großen und Ganzen nehmen die Promi-Experten eine Fangemeinde mit, die dann mit ihren Lieblingen Rennen und Matchs ansieht. Lustig ist, dass zum Beispiel der Prohaska als Teamchef nicht wirklich gerne Interviews gegeben hat, auf die eine oder andere Frage patzig geantwortet hat und seit seinem Positionswechsel nun versteht, wieso wir welche Fragen so stellen und stellen müssen.

Vielen Dank für Ihren spannenden Einblick in die Sportwelt und Ihre langjährige Arbeit als Moderator beim ORF. 


18.04.2014

Buntes Spanien

Wenn im El Gozo die Kunst regiert

AnBruFo und Paella


Gerade vom spanischen Grenzland heimgekehrt, ereilt mich die frohe Botschaft (nicht wegen Ostern), dass ich die Ehre habe, eine Ausstellung zu eröffnen. 

Worum geht's mir in der Kunst? Wie viele KunsthistorikerInnen beginne ich sofort zu interpretieren. Was kann ich sehen und was ist damit gemeint? Wohin möchte mich die Künstlerin führen? Dabei finde ich den meist etwas kindlicheren Zugang zum Sehen, Schauen und Erleben sehr hilfreich. Ich versuche mein Wissen, meine Erfahrungen - kurz gesagt mein Hirn - abzuschalten und die Bilder allein auf mich wirken zu lassen.  

Am 24. April eröffnet im spanischen Tapas-Lokal in der Landstraße eine witzig-nachdenkliche Ausstellung der Langenloiserin Andrea Brunner-Fohrafellner, die mit ihren spielerischen Arbeiten ins Konzept des El Gozo passt. 

Um 19.00 Uhr werde ich die Künstlerin, die nicht nur als Malerin tätig ist, sondern auch künstlerische Vermittlugsarbeit leistet und diverse Workshops anbietet, und ihre aktuellen Arbeiten vorstellen. Dass ich um Interpretationsmöglichkeiten nicht herum komme, ist leider verständlich, denn Schauen und Erleben können wir alle am besten in Ruhe ...
Was ich mir allerdings vornehme ist, nicht viel zu sagen und erzählerische Stränge anzubieten, die möglich sind. Vielleicht gebe ich einen Impuls durch eine Geschichte, die zum Nachdenken und vor allem zum Gespräch anregt. Denn besonders bei Vernissagen ist die Basis zum Austausch gegeben.

Ich freue mich auf viele bekannte Gesichter, gute Unterhaltung und die herrliche spanische Küche! 

15.04.2014

Schokolade, Schokolade, Schokolade

Ein Kremser von der Schokoladenseite

Benedict Leutner und die Hagmanns



© bittersüss


Wenn man jemandem vertrauen kann, dann wird das der junge Benedict Leutner sein. So ähnlich musste Thomas Hagmann, Geschäftsführer und Konditormeister der Bäckerei und Konditorei Hagmann Krems, gedacht haben. Ihn und den Mitzwanziger Leutner verbindet eine lange Freundschaft, die unter anderem bei einem 2-monatigen Praktikum in der Konditorei und Backstube geknüpft wurde.

© bittersüss
Seit Jänner 2014 leitet Benedict Leutner die 2. Filiale der Hagmanns. Die Pacht in der Kunsthalle wurde nach der Auflösung der Grasl & Salomon-Partnerschaft neu vergeben. Thomas Hagmann überlegte, war erst weniger interessiert, bis die essentielle Komponente Schokolade miteinfloss. „Mit einer filmischen Präsentation und einem Vortrag, stellen Hagmann Vater und Sohn einem interessierten Publikum die Vorgänge bis hin zur handgeschöpften Schokolade vor.“, so Benedict Leutner. „Den Leuten wird das Schokolade-Machen aber noch näher gebracht. Das Schoko-Rohmaterial, das wir aus Italien bekommen, wird hier veredelt. Gemeinsam mit den Besuchern haben wir die Möglichkeit vier verschiedene Sorten Schokolade zu schöpfen. Zuerst wird geschmolzen, dann veredelt, haltbar gemacht und letztendlich gegossen.“ Schon allein der Gedanke daran, macht Lust auf eine Besichtigung der kleinen Schokoladenfabrik. Eine Verkostung darf natürlich nicht fehlen.

© Manfred Weiss
Mit Krems ist Benedict Leutner verbunden, wie kein anderer. An der Hotelfachschule sammelte er – neben wichtigem Handwerkszeug für die Gastronomie – in verschiedenen Betrieben die obligatorischen Praktika. Eines davon bei Thomas Hagmann, wo er das Unternehmen, das nach wie vor in Familienhand ist, kennen lernte. Neben den Hauptakteuren der Familie, stehen im Geschäft in der Landstraße manche Kellnerinnen schon länger im Geschäft als der junge Vater Thomas Hagmann denken kann. Das bittersüss stellt sich als Neuanfang, als Experiment und als Chance dar. Nicht nur für die Hagmann-Dynastie sondern auch für Benedict Leutner, der am IMC-Krems Unternehmensführung studierte und eigentlich in den Bereich Eventmanagement wechseln wollte. „Die Branche liegt aufgrund der wirtschaftlichen Lage etwas brach. Viele Unternehmen erkennen, dass ihnen Großevents keinen Nutzen sondern eher (finanziellen) Schaden bringen. Aber Thomas Hagmann hat mich wegen dem Know-How der Eventbranche für die leitende Position vorgesehen, denn wir kooperieren mit der Kunsthalle und mit dem Karikaturmuseum, wo wir an Eröffnungstagen bis zu 700 Menschen verköstigen. Da weiß Thomas, dass er mir vertrauen kann.“

Neben dem Stückchen Schokolade, das bei jedem bestellten Kaffee auf der Untertasse liegt, plaudert Benedict Leutner über das nächste Projekt: ab spätestens Mai plant er mit dem Fotografen Manfred Weiss ein Foto-Frühstück. Genaueres über den Ablauf dieses besonderen Workshops wird noch bekannt gegeben. Fotografieren gehört auch zu Benedict Leutners Hobbies: „...wenn ich Zeit dafür finde.“ Denn seit der Eröffnung des Lokals bleibt ihm nicht viel Freizeit übrig. Und die verbringt er dann auch gerne in einem der Altstadtlokale: als Bartender.

© Manfred Weiss

ADRESSE

Café-Restaurant Bittersüss
Franz-Zeller-Platz 3
3500 Krems-Stein




ÖFFNUNGSZEITEN

Dienstag bis Sonntag
9.30 bis 18.00 Uhr
An Feiertagen auch Montags geöffnet.

RESERVIERUNGEN

bitte unter
+43-2732-90 80 10 168
oder
office@bittersuess-krems.at

04.04.2014

Kultur ist Identität

„Kultur ist etwas Kostbares, der höchste Ausdruck unseres Menschseins.“ 

(Peter Simonischek, derStandard, März 2014)

© Leopoldine Tanzberger
Kolomanisaal Stift Melk
Ein dichterisches Werk zum Leben zu erwecken und zuhörenden Menschen in eine neugierige Aufmerksamkeit zu versetzen, dürften die Hauptaufgaben eines Schauspielers sein. Oder Texte so zu lesen, dass sie für das Publikum greifbar werden. Die Lesung am 5. April 2014 im Kolomanisaal des Stiftes Melk im Rahmen des IMAGO DEI-Festivals, erzählt eine Geschichte die inspiriert.
Peter Simonischek, der am Burgtheater in Wien momentan u.a. in Heinrich von Kleists Prinz von Homburg zu sehen ist, hat sich nach einem Berlin-Aufenthalt Zeit genommen, um mit mir über die Bedeutung von Literatur, die Kostbarkeit von Kultur und den Ort der Veranstaltung IMAGO DEI, die Stadt Melk zu sprechen.

Was spricht Sie an einem kleinen Festival wie IMAGO DEI an?
Allein der Ort Melk inspiriert. Die Stadt mit dem Kloster blickt auf eine jahrhundertealte Tradition als kulturelles und geistiges Zentrum zurück. Die Mönche beschäftigen sich mit Spirituellem, mit den Fragen des Lebens. Vor allem vom Alt-Abt Burkhardt, der eine angesehene Person ist, gehen wichtige Impulse aus. Obwohl ich keinen direkten Kontakt zum Stift habe, fühle ich mich dem Stift und dem Festival verbunden. Denn auch ich bin von Benediktinern erzogen worden, in St. Paul im Lavanttal in Kärnten.
Es ist gut, dass die katholische Kirche, den Menschen die auf der Suche nach Spiritualität sind, mit dem Osterfestival IMAGO DEI ein Angebot macht.


Wie passt der Text „Der Mann mit den Bäumen“ des Dichters Jean Giono in das sonst eher musik-orientierte Festival?
© Josef Gallauer
Gionos Text ist praktisch angelegt. Es dominieren Einfachheit und Geschlossenheit. Der Text ist für das Publikum leicht zu erschließen. Außerdem ist „Der Mann mit den Bäumen“ eine positive Erzählung. Sie handelt vom persönlichen Glück, das im Dienst für die Allgemeinheit erreicht wird.
Da wir täglich mit Hiobsbotschaften konfrontiert sind, bereichert ein optimistischer Text wie dieser, der sowohl das persönliche Glück als auch den Dienst am Mitmenschen und der Natur in den Vordergrund stellt.


Nachdem wir um schlechte Nachrichten nicht umhinkommen und diese auch die Kultur betreffen: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Kostbarkeit der Kultur zu erhalten, damit sie sich auch weiter entwickeln kann?
Ich denke, dass es in Österreich ein allgemeines Bewusstsein dafür gibt, dass Kultur ein Ausdruck eines gewissen Standards einer Gesellschaft ist. Sie zeigt an, auf welchem Niveau wir leben.
Die Kostbarkeit der Kultur ist uns durchaus bewusst, da das kulturelle Leben Identität stiftet. Egal, was passiert, wir sehen tagtäglich was trotz der Krisen in der Ukraine und rund um die Hypo oder die Fragezeichen um die verschwundene Passagiermaschine, auf den Titelseiten zu lesen ist: die Neubesetzung des Burgtheaters. Für mich heißt das sehr wohl, dass ein Grundkonsens in unserem Land über den Stellenwert der Kultur herrscht.


Ich möchte bei Ihren Ausführungen zum Burgtheater einhaken: wie beurteilen Sie die Besetzung der interimistischen Direktion am Burgtheaters, nachdem Direktor Matthias Hartmann entlassen wurde?
Um ehrlich zu sein, ist mir – und ich glaube vielen am Burgtheater – ein Stein vom Herzen gefallen, als die Entscheidung gefällt wurde, Karin Bergmann einzusetzen. Sie ist verantwortungsvoll und geht mit großer Kenntnis in ihre neue Position. Am Theater sind viele Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen mit der Herstellung von Kunst beschäftigt. Es ist anders als bei einem Maler, einem Schriftsteller, einem Komponisten, der allein arbeitet und den wir um seine Originalität beneiden. Er ist für alles was er schafft zuständig und trifft jede Entscheidung selbst. Während am Theater dafür verschiedene Komponenten zusammenspielen müssen – nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter: Autor, Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner, Maskenbildner, Requisite, Bühnentechniker...
Sie kennen bestimmt den Ausspruch: „Viele Köche verderben den Brei“, wenn aber Theater gut funktioniert, ist ein Gesamtkunstwerk möglich, bei dem diese verschiedenen Ebenen optimal verwoben sind.
Sind Sie nicht auch immer noch aufgeregt, bevor der Vorhang hoch geht und im Theater ein Stück beginnt? Ist das nicht die Hoffnung, dass man Zeuge einer gelungenen Aufführung wird?

© Reinhard Werner, Burgtheater

Ich stimme Ihnen zu. Besonders dieses Gefühl realen – echten – Personen gegenüber zu sitzen bringt eine gewisse Aufregung mit sich.
Wenn es gelingt auf der Bühne, dann ist für mich dieses Live-Erlebnis nachhaltiger als jede Konserve im Fernsehen und Kino.

Sie lesen am Samstag nicht am Burgtheater, sondern in Melk – welche Erwartungen haben Sie ans Publikum und an die Veranstaltung?
Ich hoffe natürlich, dass die Lesung gut besucht ist. Nicht nur der Text ist hervorragend auf die Umgebung und den Inhalt des Festivals abgestimmt ist, sondern auch musikalisch wird dem Publikum etwas geboten (Anm.: Solisten des Klangforum Wien & der Camerata Salzburg). Wie ich schon gesagt habe, die Geschichte über Fantasie, Mut und Ausdauer, ist klar und einfach. Sie ermutigt die Menschen gemeinschaftlich zu handeln. Da Ich-AGs sind heutzutage weitverbreitet sind, denken Menschen an den kommerziellen Zweck und an wirtschaftliches Wachstum. Machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Weg! Gehen wir in Richtung Individualität: die Menschen sollen aus der Reihe tanzen. Ich wünsche mir daher, dass verstanden wird, dass Individualität nicht Egoismus bedeutet. Die Geschichte, die ich lesen werde, vermittelt den Glauben an das Individuum im Dienste der Gemeinschaft.


Ich wünsche Ihnen für Ihre Lesung am Samstag ein wundervolles Publikum, das sich durch die Geschichte, die Sie lesen inspirieren lässt. Vielen Dank für Ihre Zeit!

02.04.2014

kitchen stories II

Die Reunion der Kaffeehaus-Kultur

Traditions-Kaffeehäuser neu gedacht


© diekremserin
Makronen perfekt in Szene gesetzt
(gesehen in New York, 2012)


Neben den kleinen Lokalen und hippen Läden, die ich schon in kitchen stories beschrieben habe, entwickelt sich die Kaffeehaus-Kultur in Krems weiter. Die alt-eingesessenen, sehr guten Konditoreien und Cafés bleiben, aber neue etablieren sich, die Spaß machen und Freude bereiten, sich nach einem Spaziergang, einer Stadt-Shopping-Tour oder einem Arbeitstag in die Sonne zu setzen und einfach zu genießen:


bittersüß - inmitten von Kunst und Kultur
Franz-Zeller-Platz 3, 3500 Krems
Französische Makronen auf Österreichisch, mit Marillen- und Himbeer-Füllung. Oder eine echte Esterhazy-Torte? Wie wär's dann noch mit der Hagmann-Kardinalschnitte?
Sofort bestimmen die Tortenklassiker und die Süßspeisen-Vitrine, wenn man das luftig-frische bittersüß in der Kunsthalle Krems betritt. Dabei zahlt sich ein kleiner Brauner, ein Cappuccino oder eine andere Kaffeespezialität aus, denn sogar da reichen Benedict Leutner und sein Team ein Stück handgeschöpfte Schokolade dazu. 
In den Sommermonaten tischt die bittersüße Bedienung gerne herrliches Eis auf! 


Stadtcafé Ulrich - die beste Sonnenterrasse von Krems
Südtirolerplatz 7, 3500 Krems
© diekremserin

Jung bis alt, alles trifft sich im Ulrich. Ob Schüler_innen oder Lehrpersonal, das Stadtcafé ist Anknüpfungspunkt und Schnittstelle zwischen Kremser und der Steiner Landstraße. Meiner Meinung nach, kriegt man neben Touristenmagnet Steiner Tor, die beste Sonne in ganz Krems ab. Am besten auf die Terrasse verfrachten und Mokka trinken. Abends ist "das Ulrich" meist triefend voll mit Menschen, die dann noch einen Sprung in die Altstadt schauen. Im Kaffeehaus werden alle paar Monate neue Arbeiten von regionalen Künstler_innen ausgestellt. 


Café Berger - eins von den ganz Richtigen
Obere Landstraße 8, 3500 Krems
Alteingesessen liegt das Café Berger perfekt in der Kremser Landstraße zwischen MOYOme, Kaufstrasse und anderen Geschäften. Ins Berger geht man nicht schnell auf einen Kaffee. Man nimmt sich Zeit. Setzt sich an einen der kultigen Tische (am besten ganz hinten oder gleich beim Fenster vorne) und liest Zeitung. Daneben nippt man an einer Melange. Beobachtet die hereinkommenden Menschen. Leistet sich ein Mittagsmenü. Oder Einspänner. Und beobachtet weiter. 
Das Café Berger ist ein Traditionskaffeehaus in Krems. Dorthin verschlägt es mich, wenn ich Energie tanken und durchatmen will. Dort kann ich mich Zeitungen und Magazinen widmen. Und die zweite Melange wird fast wie von selbst serviert. 



Cimbalino - hip, hipper, hipster 
Campus West, Dr.-Karl-Dorrek-Straße 23, 3500 Krems

Caffe + Bar am Campus West zählt zu den neueren Errungenschaften von Krems. Gemeinsam mit der Felix-Rösterei aus St. Pölten wird hier erstklassig-gerösteter und frisch gemahlener Kaffee angeboten. Der richtige Ort für Kaffee-Junkies um sich ihren daily joe auch mit auf die Uni zu nehmen. Passend, denn die liegt einen Katzensprung entfernt. Für Mutige bietet das Cimbalino auch einen grünen Matcha Latte an: unbedingt kosten! 


Wellen.Spiel - high life trifft Café Latte
Welterbe-Platz 1, 3500 Krems

Neben der Donau, gleich an der Schiffsstation bettet sich das Wellen.Spiel. Zum Tor der Wachau gehört auch ein gewisser Luxus. Frühstücksvariationen en masse (unbedingt das Deluxe Frühstück für 2 probieren!) und wunderbarem Ausblick auf Stift Göttweig und die vorbeifahrenden Schiffe. Schau einen Sprung in der Vinothek vorbei, da gibt's nette Präsente und schöne Möglichkeiten sich selbst zu beschenken. 


30.03.2014

Der Keller und die Galerie

Wie die Sechziger Jahre Krems prägen

Zukunft und Vergangenheit von Galerie Stadtpark und Jazzkeller Krems


In den letzten Wochen lernte ich sehr viele Menschen kennen, die sich für ein progressives Kulturbild in Krems einsetzen. Während der Jazzkeller Krems als Vereins- und Veranstaltungslokal für subkulturelle Musik seine Probleme hat in der inhomogenen Gruppe zu wachsen, scheint die Galerie Stadtpark mit David Komary als Kurator einen seiner Höhepunkte zu erreichen. 

Dabei liegen die Wurzeln der beiden Vereine weit in der Vergangenheit. Die Glaskonstruktion, die zwischen Widnerstraße und Stadtpark durchblicken lässt, erbaute der Verein 1960. Der Fokus auf zeitgenössische, progressive Kunst stand schon damals im Mittelpunkt. Man machte einfach. Man scherte sich nicht um Gepflogenheiten. Man war anders. Seit 5 Jahren prägt David Komary, selbst aus der Kunsttheorie kommend, die Galerie Stadtpark. Mit seinem Ansatz komplexe Positionen der zeitgenössischen Kunst - mit Fokus auf Media Art - an einen (meist) kleinen Kreis an Personen zu vermitteln, setzt er ein Zeichen. Mutig der Schritt, elegant seine Erklärung, denn er möchte jeden Besucher, jede Besucherin dort abholen wo er oder sie inhaltlich steht. Momentan bespielt Hans Schabus mit einer dreidimensionalen Videoarbeit den Raum der Galerie. In sieben Minuten fühlte ich mich an die Peripherie gesetzt. Dorthin, wo niemand ist und niemand sein will. Drei Videowalls nahmen mich ein und haben mich zur 4. Himmelsrichtung gemacht: "East West South North"
Hans Schaubs stellt mit seinen Videos indirekt Fragen an uns. Nämlich, wie wir uns fühlen in der Peripherie. Oder welche Stellung wir einnehmen. Wie sich Mensch und Landschaft und Industrie ergänzen. Welchen Stellenwert Bewegung einnimmt.



Die Begeisterung eigeninitiativ zu arbeiten und etwas zu bewirken, spürte ich auch bei meinem Besuch im Jazzkeller. Kurz vor einer Veranstaltung nahmen sich Thomas, Berti und Markus Zeit mit mir über ihre ehrenamtliche Arbeit im Verein zu sprechen. Der älteste Keller Europas in dem Jazz gespielt wird (und wurde) befindet sich also tatsächlich in Krems. Schon in den 1960er Jahren als Verein für Subkultur gegründet, heben sich die aktuelleren Musikrichtungen etwas vom Jazz ab. "Wir wollen eine Nische ausfüllen, die abseits des Kommerzes liegt.", beschreiben die Mitglieder des Vereins ihre Motivation. Angeboten werden neben den fast wöchentlichen Konzerten (5. April "Amalea + Alex Biegel & friends") Möglichkeiten selbst aktiv zu werden: Jamsession & Styleclash



28.03.2014

Ostern - vorgezogen!

IMAGO DEI - Ostern im Paradies

© Helmut Lackinger
Das Paradies lebt von unserer Vorstellungskraft. Wir lernen aus dem westlich-christlichen Gedankengut vom Garten Eden - dem Garten, in dem alles wächst und alle Lebewesen im Frieden miteinander leben. Mit dem Leben nach dem Tod setzen wir uns alle mehr oder weniger intensiv auseinander.

Dass sich auch die indische Kultur mit dem Gedanken des Paradies beschäftigt, können wir beim diesjährigen Osterfestival IMAGO DEI zum Thema Sehnsucht.Paradies kennen lernen. Auf musikalischer Ebene führt uns Ritwik Sanyal ins innere Paradies. Für die indischen Gelehrten wohnt die göttliche Energie im lebendigen, menschlichen Körper. Man muss sie nur finden. Ritwik Sanyal ist Professor für Vokalmusik an der Banaras Hindu-Universität und ein Meister des Dhrupad.


© Promo Ritwik Sanyal
bei IMAGO DEI am 4. April
Ostern wird für das Festival, das im Klangraum Krems Minoritenkirche und im Kolomanisaal Stift Melk (Barock^3) stattfindet, um ein paar Wochen vorgezogen. Um in Osterstimmung zu kommen - wie auch immer die aussieht - können wir uns in jedem Fall musikalische Positionen aller Welt hingeben. Paradiesisch auch, dass das Festival mit dem Kino im Kesselhaus kooperiert und Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" am Eröffnungstag, 29. März um 15.00 Uhr präsentiert wird. 

Ein Highlight stellt bestimmt das anschließende Gespräch mit dem Regisseur dar, das im Rahmen des Eröffnungskonzerts stattfindet. Am 5. April verbindet das Festival Literatur und Musik: Peter Simonischek liest Texte von Rainer Maria Rilke und Hermann Hesse, Solisten des Klangforum Wien und der Camerata Salzburg geben Stücke von Olivier Messiean und Krzysztof Penderecki zum Besten.

Was ist Liebe? Was ist Paradies? Woran glauben wir? 

Mit diesen Fragen habe ich mich schon mehrmals in meinem Leben auseinandergesetzt. Manches Mal intensiv, manchmal ein bisschen oberflächlicher. Vor allem in Situationen des Umbruchs - Beziehungsende, Umzug, Verlust - beginnen diese Fragen zu kreisen, die ich wohl nie wirklich beantworten kann. Es gibt kein Richtig, kein Falsch.
Das Osterfestival IMAGO DEI möchte keine Antworten auf diese oder jene Frage geben, aber zum Überdenken der Fragen aufrufen.

Das volle Programm wird auf der IMAGO DEI-Homepage oder im Veranstaltungskalender upgedated. 

18.03.2014

Die Verwandlung von Elisabeth Ecker

Feiern mit Tarantino und Linz am Puls der Musikszene

Ein Gespräch mit der Band "The Beth Edges", die am 20. März im Kino im Kesselhaus gastiert. Um 18.45 Uhr beginnt die CINEZONE mit der witzig-schwachsinnigen Komödie "Anchorman 2" mit Will Ferrell, Christina Applegate und Steve Carell. Wenn die Wahlwiener dann aufspielen, geht's rund - bitte mindestens so wie bei ihrer Release-Party im Wiener Flex ...

Happy Release Day!
© The Beth Edges @facebook.com

Auf facebook habt ihr die Tage bis zur Release eures neuen Albums mit Abbildungen (Headern) runter gezählt. Hat es sich gelohnt? Wie war die Release-Party?

Ja, wir wollten ein wenig Spannung erzeugen und haben dafür die Illustrationen der einzelnen Songs vom neuen Album verwendet. Ich glaub es hat sich schon gelohnt, da die Leute jeden Tag ein visuelles Stück vom neuen Album zu sehen bekommen haben und das sozusagen auch der erste optische Vorgeschmack war. Die Release-Party war wunderbar. Das Flex war knallvoll und den Leuten hat's sichtlich gefallen, das hat uns wahnsinnig gefreut.

Gratuliere zum neuen – schon 3. Album – hättet ihr euch 2007 gedacht, dass ihr heute Musik macht, die Österreich liebt?

Ich muss sagen, wir haben früher definitiv mehr drüber nachgedacht, ob die Leute auch gut finden, was wir machen und wohin die Reise gehen wird. Ich weiß allerdings nicht mehr genau, was uns damals so alles durch den Kopf ging, da es ja doch schon ein Weilchen her ist und wir mittlerweile das 3. Album veröffentlicht haben. Wir haben seither Unmengen an Konzerte gespielt, viele Leute kennengelernt, sind viel rumgekommen und haben dadurch viel Erfahrung sammeln können. Mittlerweile steht bei uns im Vordergrund, dass wir das umsetzen, was uns im Kopf herumschwirrt und uns als Band gefällt. Wenn die Leute das letztendlich auch gut finden, ist es das schönste was einem passieren kann.

2009 wart ihr als Support für Razorlight unterwegs: wenn ihr daran zurück denkt, welche Gefühle, Eindrücke, Erinnerungen kommen hoch? Gibt es ein besonderes Ereignis, das ihr mit uns teilen wollt?

Ja, wir haben Razorlight im Gasometer supportet. Das war eine der ersten Shows bei der wir vor richtig richtig vielen Menschen gespielt haben. Es war ein sehr gutes Gefühl, vor einer Band zu spielen, die zu dieser Zeit auch durchaus unsere Musik beeinflusst hat.

Ganz ehrlich, woher kommt euer Band-Name? Auf wikipedia liest sich ja in einem Satz, dass es ein Mädchen dazu gab – ich will die Geschichte hören!

Ich war in meiner frühen Jugend unsterblich in eine Lady namens Elisabeth Ecker verliebt. Aus uns wurde jedoch nichts und als wir ein paar Jahre später die Band gegründet haben und wir für die ersten anstehenden Konzerte einen Namen brauchten, hab ich mich wieder an die Geschichte mit Elisabeth erinnert und daraufhin versucht ihren Namen ins Englische zu übersetzen. Die andern fanden die Idee gut und so wurde aus Elisabeth Ecker, The Beth Edges.

Das Mädchen darf sich geehrt fühlen. Nach mir wurde noch keine Band benannt… :-) Soweit ich weiß kommt ihr aus Linz. Wie würdet ihr die Musikszene dort einschätzen?

The Beth Edges - Album, 2014
Ja, wir haben uns in Linz in der Schule kennengelernt, sind aber dann relativ bald nach der Matura nach Wien gezogen, weil unsere Agentur auch in Wien war und das die Zusammenarbeit um einiges erleichtert hat. Zur Zeit als wir noch in Linz waren, haben sich sehr viele gute Bands gegründet und das hat sich auch seither kaum verändert. Es gibt genügend kreative Köpfe in allen Kunstsparten, die gute Sachen machen und Linz pulsiert. Ich finde jedoch, dass es dann doch zu wenige Locations und Plattformen gibt, die das auch wirklich zu schätzen wissen bzw. angemessen fördern und vor allem jungen Bands die Möglichkeit geben, Gehör zu finden. Es wird sehr viel getan, keine Frage und es wär jetzt auch falsch über eine Szene zu urteilen, in der man kein aktiver Bestandteil mehr ist sozusagen, aber da geht definitiv mehr und zwar nicht von den Bands selber, weil die machen und tun eh schon was geht, sondern eher von denen, die die Mittel ohnehin zur Verfügung haben.

Jetzt zu den Filmen – immerhin spielt im Vorfeld zu eurem Konzert die große Liga der Komödianten auf. Welche Filme würdet ihr euch gerne ein 2. oder 3. Mal ansehen?

Wir schauen alle sehr gerne Filme. Nicht zuletzt haben etwa Tarantino's Filme in ihrer Gesamtheit dieses Album wahnsinnig beeinflusst. Seine Filme beinhalten, so blutig und durchaus hart sie oft sein mögen, auch sehr viele lustige und komische Passagen. Also Pulp Fiction, Death Proof und der großartige Western Django Unchained sind definitiv Filme die wir uns bereits zig male angesehen haben. Also, Tarantino Streifen sind ein heißer Tip von uns.

Dann hofft ihr, genauso wie bald auf was neues von Tarantino! Ihr seid seit 2007 als Band unterwegs, kennt euch aus der Schulzeit: wann und unter welche Bedingungen habt ihr die Gründung der Band beschlossen?

Prinzipiell wollten wir außerhalb der Schule einfach gemeinsam Musik machen und herum probieren. Als ein Proberaum frei wurde und wir regelmäßig dort einfach Coverssongs eingeprobt haben, war uns das auf Dauer auch zu fad. Wir haben dann begonnen eigene Songs zu spielen und von dem Moment an Begann unsere Geschichte.

Gibt’s Details zu eurem ersten Auftritt?

Wir haben in den Anfängen der Band im Jugendzentrum STUWE in Linz geprobt. Dort wurden dann öfters Konzertabende veranstaltet und da haben wir das erste mal gespielt. Das war eine tolle Sache, denn da hat jede Band Freunde eingeladen, die wiederum Freunde eingeladen haben und so weiter, deshalb war das auch immer gut besucht. Wir waren damals noch zu dritt, aber konnten mit Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang von Anfang an eine ziemliche Energie erzeugen und den Leuten hat's gefallen. Es gab also schon beim ersten Auftritt sehr nettes Feedback von allen die dort waren und das hat uns angespornt besser und professioneller zu werden.

Vier verschiedene Köpfe sind meist auch vier verschiedene Sturköpfe – wer trifft Entscheidungen bei euch? Seid ihr voll demokratisch oder gibt’s auch ab und zu einen größeren Streit?

Wir sind eine sehr demokratische Band. Vor allem bei diesem Album wurde alles so lange durch besprochen und so lange an Dingen gefeilt, bis jeder zur Gänze dahinterstehen konnte. Das war die Voraussetzung, denn wir glauben, dass es sehr wichtig ist, dass jeder nur dann das Beste geben kann, wenn er sich auch wohl fühlt und alle Meinungen respektiert werden. Es gab kleinere Streitigkeiten, die jedoch eher darauf zurückzuführen waren, dass wir wochenlang am gleichen Ort gelebt und gearbeitet haben und in so einem Fall eine gewisse Abwechslung beziehungsweise Pausen sehr wichtig sind. Die haben wir uns auch gegönnt und somit war das eigentlich kein nennenswertes Problem.

„I can’t believe it“ summt heute fast jeder und jede, der/die morgens bis abends FM4 hört. Die Lyrics sind melancholisch und oft etwas pessimistisch. Wie schätzt ihr eure Texte ein?

Die Texte haben sich schon sehr verändert seit den ersten EPs und somit auch seit 'I can't believe it'. Früher ging es mehr um's Erwachsen werden, weil uns das zu der Zeit einfach am meisten beschäftig hat. Das 2. Album handelt von den vielen Entscheidungen die wir treffen mussten, wo beispielsweise auch der Umzug nach Wien eine große Rolle spielte. Das neue Album geht den Dingen mehr auf den Grund und ist etwas spezifischer. Wir haben uns im Entstehungsprozess oft wie ein Lonesome Rider in einem Western gefühlt, der seinen Weg geht und sich von nichts und niemandem unterkriegen lässt. Wir haben uns zurückgezogen und alleine unser Ding durchgezogen. Das spiegelt sich ganz stark in den Texten wieder.

Habt ihr vor dem Auftritt ein Ritual? Von Adele zum Beispiel hört man von einem ganz besonderen „Kübel-Ritual“...

Jeder von uns geht nochmal in sich und bevor wir die Bühne entern gibt’s nochmal eine kräftige Gruppenumarmung und wir motivieren uns gegenseitig.

Was macht ihr außerhalb eurer Musikerkarriere, die bestimmt einen großen Teil eures Tages einnimmt? Wohin zieht euch das Leben sonst?

Wir studieren alle und das lässt sich ganz gut mit der Musik vereinen, weil man sich grundsätzlich alles gut einteilen kann. Es kann aber passieren, dass dann doch die stressige Prüfungszeit mit einer Tour zusammenfällt. Bisher haben wir es jedoch immer irgendwie geschafft, soweit zu planen, dass sich beides gut ausgeht. Trotzdem ist es manchmal kompliziert, zwischen den 2 Dingen zu switchen, da es doch sehr unterschiedliche Welten sind. Aber es ist auch wichtig, Abwechslung zu haben.

Wenn ich euch drei Wünsche als Band erfüllen könnte, welche würdet ihr formulieren?

Unser neues Album als Soundtrack für einen Western, das wär es. Und wenn wir schon dabei sind, würden wir auch gerne mal mit Tarantino einen Abend lang feiern. Es würd uns einfach interessieren, wie der so ist. Außerdem hätten wir gerne ein Leben lang gratis Nic Nacs, die Barbecue bitte.


Wenn’s soweit ist, nehmt mich gerne mit. Ich bedanke mit recht herzlich für das offene Gespräch. 


© The Beth Edges
In diesem Sinne - noch 2 Tage bis zum Gig in Krems - ich freu mich!

Zum Vorher-Anhören ist das Album auf iTunes zum Runterladen: http://bit.ly/TBEalbum


Wenn die Heinzelmännchen kommen...


Ein Klassiker der Kinderbücher & Verena Hochleitners Bilderbücher für alle Altersklassen

© Verena Hochleitner, 2013

Das Karikaturmuseum Krems zeigt noch bis 23. März die Ausstellung "LESEN MACHT SPASS! Maulwurf Grabowski und die 22 Heinzelmännchen"


Während Luis Murschetz' Maulwurf Grabowski - namentlich wohl angelehnt an seine Grabungstätigkeit und die hart-arbeitenden Gastarbeiter aus dem Osten - aus den 1970er Jahren als Kinderbuch vielen von uns ein Begriff ist, weiß man über Verena Hochleitner, Illustratorin und Autorin, nicht wirklich Bescheid. Das Karikaturmuseum schaffte mit der Gegenüberstellung der Grabowski-Originalblätter und den Nicht-nur-für-Kinder-Büchern einen Bogen der zeitgenössischen Illustration. Thematisch gehen sowohl Murschetz als auch Hochleitner in die Tiefe. Beim Maulwurf, der sein Zuhause aufgrund von Bauarbeiten aufgeben muss, spielt die Heimatlosigkeit eine große Rolle. Auch die immense körperliche Einschränkung des Maulwurfs - er sieht nicht besonders gut - wird in der Kunstvermittlung zum Thema gemacht. Für kleine Kids (3-6 Jahre) stimmt auch die Höhe der Hängung - endlich begegnen die farbigen Originalblätter von Murschetz den kleinen Betrachtern auf Augenhöhe. 
@ Diogenes Verlag AG  Zürich, 2013
Luis Murschetz
Verena Hochleitners ausgestellte Bilderbücher, von denen sie zwei ("Jakob und das Rote Buch", "Das Gänseblümchen") in Zusammenarbeit mit dem Dom-Verlag entstanden sind, zeigen die Wandlungsfähigkeit und den Ideenreichtum verschiedene Stränge zu verknüpfen. Ihr erstes selbst geschriebenes und eigens illustriertes Bilderbuch "Der verliebte Koch" wird von einem animierten Film - mit weiteren Handlungssträngen - begleitet. Die 22 Heinzelmännchen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Ausstellungssaal, sie turnen am Boden, lesen in Büchern und können auf Papier gestempelt werden, damit sich die Kids (und Erwachsenen) zuhause noch an sie erinnern. Als Entspannung hat die Grafikerin, Illustratorin und Autorin, ihren Heinzelmännchen Platz zum Wohnen geschaffen: ein Buch vom Flohmarkt machte Hochleitner zum Wohnzimmer, zum Vergnügungsplatz uvm. für die Heinzelmännchen. 

Die Ausstellungen werden bis 23. März gezeigt: also schnell hin und entdecken, was Heinzelmännchen und Maulwurf zu erzählen haben!





11.03.2014

Sonniges aus Krems

Mit dem Fahrrad mache ich die Stadt unsicher. 

Meinen Vorsatz für den gewonnenen Tag heute habe ich geltend gemacht. Nicht nur die Sonne versüßte mir den Tag, sondern der Cappuccino bei woracziczky bread & coffee, das Gespräch im neuen Geschäftslokal sinn.lich (und mein neuer Cardigan) und die freundlichen, relaxten Sonnengesichter überall.

Mehr als ein paar Eindrücke von den Vorzügen unserer strahlenden Kleinstadt soll's heute gar nicht sein:

diekremserin on tour
Kaffeerösterei Beyer - da gibt's angeblich alles
was das Kaffeeliebhaberherz begehrt
© diekremserin

diekremserin on tour
Das Haus ist mir besonders ins Auge gestochen.
Ich möchte mehr darüber wissen!
© diekremserin

diekremserin on tour
© diekremserin


diekremserin on tour
Rathaus in Stein - ein Juwel des Barocks (inkl. Café
zum In-der-Sonne-Sitzen)
© diekremserin

diekremserin on tour
:-)
Da lacht das Radfahrerinnen-Herz

Untitled
Kloster UND mit Gourmet-Lokal &
schöner - v.a. umfangreicher - Weinbar LATE
© die kremserin


diekremserin on tour
Blick auf die Stadtpfarrkirche
© diekremserin

diekremserin on tour
Hoch hinaus!
Piaristenkirche Krems
© diekremserin

diekremserin on tour
Die Sonnenstrahlen auf die Dominikanerkirche am
Körnermarkt. museum.krems ist gleich daneben.
© diekremserin

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Moderne Architektur trifft Altes: Weingut Stadt Krems
© diekremserin

Untitled
Neue Bar? Oder hab ich die nur nicht gekannt?
Bar 33, Steiner Landstraße
© diekremserin


#kaffeepause @woracziczky
Cappuccino, ein Schluck Prickelndes &
gute Unterhaltung im woracziczky


diekremserin on tour
Sollten bei jemandem von euch diese Schuhe
vorbeigeflitzt sein:
das war ich ;-)

10.03.2014

Gewinnspiel für Coole

"I don't know how I feel"

Setzt eure Sonnenbrillen auf und tanzt!

© The Beth Edges
facebook.com
The Beth Edges kommen nach Krems. "I can't believe it" - schwirrt dauernd in meinem Kopf herum. Ein Ohrwurm, den ich gerne habe. Gute Musik höre ich gerne auch im Radio, wo die vier Jungs mit "Pure Dynamite" auf Platz 12 (FM4 Charts) zu suchen sind.
Das Video dazu wurde übrigens vom Tiroler Gabriel Hydren gedreht.

Spannend, wie die vier Österreicher zu den Aufnahmen ihres schon 3. Albums gekommen sind - ja, sie sind so jung wie sie ausschauen und trotzdem gibt's die Band schon seit 7 Jahren - Crowdfunding. Für wenig Geld bekam jeder der wollte guten Sound ins Wohnzimmer. Oder in den Garten. Toby, Andy, Flo und Dave machen sich also auf den Weg nach Krems, wo sie im Kino im Kesselhaus am 20. März zu sehen sind. Bevor die Beinmuskulatur beansprucht wird (beim Tanzen), werden starke Lachmuskeln gefordert: Will Ferrell und Steve Carell laufen in Anchorman 2 mit ihren wahnwitzigen Improvisationen zur Höchstform auf, wieder einmal. Die Freude ist groß, dass ihr 2 x 2 Tickets für die CINEZONE zu gewinnen könnt. Eine kleine Hürde gibt's, die aber leicht zu überwinden ist:

Wie heißt der Sänger der Indie-Band The Beth Edges? 


Antworten nehme ich per Email entgegen, bis 18. März, 23.50 Uhr. Wer zuerst kommt, malt zuerst!




07.03.2014

Dreimal Kunst

Eröffnungen in der Kunsthalle 


Luser - Sammlung Klüser - Kentridge


In der Vorschau für die Saison 2014 hatte ich das hervorragende Ausstellungsjahr schon angekündigt. Schon am 15. März ab 11.00 Uhr (in der Factory wird eine 4. Ausstellung eröffnet: Julie Monacoeröffnen fulminant drei verschiedene Ausstellungen in den Räumlichkeiten der Kunsthalle. 

© thesalon.jp/themagazine
Constantin Luser entwickelt ein ganz eigenes Raumkonzept. Er verwirklicht das System der Netzwerke - medial, social und als tatsächliches Netz - in 3-D. Der österreichische Installations- und Performance-Künstler studierte bei Brigitte Kowanz und Renee Green an der Universität für Angewandte Kunst. Ich kenne Luser durch seinen "Vibrasaurus". Hört sich an wie eine Art der Dinosaurier? Weit gefehlt und doch so nah: Luser entwickelte einen Klangkörper aus Instrumenten, die durch menschliches Zutun (Hineinblasen in die Instrumente) Geräusche und Töne von sich geben.  „Der Vibro/Vibrasaurus gehört zur Gattung der gemeinschaftstonerzeugenden Saurier. (...) Er ernährt sich von Lippenschwingungen und Stimmeinflößung...“, sagt Luser. Die Zeichnung - der Gedanke des Künstlers auf Papier - gilt als unmittelbarstes Gut zwischen Künstler und Betrachter. Luser widmet sich auch dieser Technik mit größtem Willen zur Innovation. Zum Beispiel zeichnete er mit einer UV-Farbe an Wände eines für die Betrachter dunklen Raumes und ließ die Besucher letztendlich mit einer Schwarzlichtlampe seine Zeichnungen entdecken: sie zeichneten quasi selbst ein neues Bild, mit ihrem Lichtstrahl! Ich bin gespannt, was uns in der Kunsthalle erwartet!

Mit der Sammlung Klüser aus München hat die Kunsthalle rund um Hans-Peter Wipplinger eine hochkarätige Privatsammlung epochenübergreifend darzustellen. "Zurück in die Zukunft. Von Tiepolo zu Warhol. Die Sammlung Klüser" lautet der sprechende Titel der Ausstellung. Wir werden neugierig gemacht, welche Arbeiten denn da vor kommen könnten. Welche Warhol-Siebdrucke werden zu betrachten sein? Und wie werden Tiepolo und der Pop-Art-Künstler in einen Topf geworfen? Die Zeichnung steht in der Ausstellung im Mittelpunkt. Die Zeichnung, und wie sie ihren Weg in die Autonomie in der Kunstgeschichte geht. Wie sie wichtig, weniger wichtig und doch wieder relevant wird. Verschiedene Techniken, verschiedene Zugangsweisen und vor allem unterschiedliche Künstler und Künstlerinnen bis heute (Jorinde Voigt und Olaf Metzel z.B.) präsentieren das Team der Kunsthalle mit viel Engagement. Großartige Blätter über 500 Jahre Kunstgeschichte hängen nebeneinander und zueinander in Bezug gesetzt. Wo sonst wird der Zeichnung eine so umfangreiche und gebührende Ausstellung gewidmet außer in der Kunsthalle?

William Kentridge, Zeichnung für "Tide Table"
© William Kentridge, 2014
Courtesy William Kentridge Studio
Foto von John Hodgkiss
Abschließend zeigt das Kremser gegenwartsorientierte Museum die Film- und Videoarbeiten des Südafrikaners William Kentridge, der sich seit vielen Jahrzehnten mit dem südafrikanischen Alltag im Bergbau und während der Apartheit auseinander. Mit wenigen Strichen und reduziertem, zurück genommenen Stil animiert Kentridge, der 1955 geboren wurde, seine tiefsinnigen Filme. "The Drawings for Projection" geben Einblick in die faszinierende Technik des Südafrikaners. Indem er gezeichnetes wieder ausradiert, wieder übermalt und ausradiert, entsteht auf dem Blatt eine Art sichtbare Metamorphose - wir alle sehen, dass auf dem Blatt zuvor anderes zu sehen war. Das Blatt bewegt sich also in sich. Wir erinnern uns was vorher da war. Kentridge trägt mit seinen Zeichnungen, die er kleinteilig animiert, zum kollektiven Gedächtnis - zu unser aller Erinnerungen - bei.

Die drei Positionen arbeiten stark mit dem Element Zeichnung. Bis 22. Juni sind die Ausstellungen in der Kunsthalle Krems zu sehen. 

05.03.2014

Oh du liebes Griechenland,...

Die musikalische Seite der antiken Weltmacht


© volkskultureuropa.org
"Die Sterne des Südens"
Griechenland ziert seit einigen Jahren die Negativ-Schlagzeilen in ganz Europa. Schlagworte wie ESM, Rettungsschirm, Bilanzfälschung, Demonstrationen, Einschränkung der Pressefreiheit scheinen uns geläufig zu sein. Wenn wir pauschal über „die Griechen“ und ihre Politik her-poltern, vergessen wir doch meist, welch hoher Prozentsatz (sogar im Krisenjahr 2012 haben 4,2 % die Reise nach Griechenland angetreten) an Urlaubern jedes Jahr die Koffer packt, um eine der griechischen Inseln (oder das Festland) zu besuchen. Dort legen wir uns faul auf den Strand, genießen die hervorragend leichten Sommergerichte, lernen ein, zwei Worte griechisch und fahren nach zwei Wochen Entspannung zurück in den schwitzigen Hochsommer Österreichs. Großteils lieben wir Griechenland, weil es so ursprünglich ist. Neben der Komponente des Kulinarischen kommt die Kultur hinzu. Ich spreche von den antiken Stadtanlagen, Ausgrabungen und archäologischen Museen und der unverwechselbaren Musik. Seit Alexis Sorbas’ Sirtaki – und Udo Jürgens österreichische Version „Griechischer Wein“ – sind wir alle scheinbar sensibilisiert auf Bouzouki und Rembetiko-Klänge.



Das Haus der Regionen setzt mit seinem März-Programm auf die ehemalige antike Weltmacht Griechenland und ihre kulturellen und musikalischen Errungenschaften. Abgeholt werden wir am 19. März von unserem Standpunkt als Griechenlandurlauber. Klischees decken sich oft mit Erwartungen. Thomas Wiltner stellt mit seinem Vortrag „Attika – das andere Griechenland“ eben ein anderes, unbekanntes Griechenland vor. Eine Kulturlandschaft, die dem Kitsch-Klischee widerstrebt. Athen gilt als nächste Haltestelle den Sommerurlaub in den März (und ins Haus der Regionen) zu verlegen: am 21. März bespielen Klänge des griechischen Komponisten Manos Hatsidakis den Festsaal. Wir lernen mit ihm einen der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen griechischen Musik kennen, der Traditionen mit neuen Tendenzen in Athen verbindet. Für Hatsidakis, der 1994 verstorben ist, stehen das Aufeinandertreffen verschiedener Stile aus mehreren Jahrhunderten im Vordergrund. Was durch Musik nicht vermittelt werden kann, erzählt die Geschichte von Regisseur Tassos Boulmetis, der mit „Zimt & Koriander“ ein sensibles Märchen zwischen zwei Welten – Türkei und Griechenland - geschaffen hat (27. März). Wir können die Kultur mit allen Sinnen erleben:




Ganz im Zeichen der griechischen Musik, des griechischen Blues "Rembetiko" steht der 29. März, denn ab 16.30 Uhr widmet sich Stefan Hagel bei freiem Eintritt der antiken, griechischen Musik. Auf die theoretische Beschäftigung - stimmt nicht ganz, denn der Experte für antike Musikinstrumente stellt auch nach-konstruierte Instrumente vor! - folgt die musikalische Komponente ab 19.30 Uhr. Das Ensemble Kompanía blüht mit den typisch griechischen Instrumenten (Gesang, Baglamas, Bouzouki, Oud, Gitarre, Akkordeon und

© volkskultureuropa.org
Ensemble Kompania
Percussion) auf und spielt melodische Rembetiko-Klänge, die die Probleme des Volkes, des Alltags widerspiegeln. Von tiefen Gefühlen und erhitzten Gemütern ist die Rede!

Wer „Zimt & Koriander“ noch nicht gesehen hat und am 27. März keine Zeit hat, dem empfehle ich den Film wärmstens – ich borge auch gerne die DVD an Interessierte.



03.03.2014

Kaffeehaus-Gespräche I

Ein Nachmittag in Wien

im Gespräch mit Ursula Strauss


Ich zähle Ursula Strauss zu den momentan bekanntesten und v.a. erfolgreichsten Schauspielerinnen in
© Ingo Pertramer
Österreich. Die Serie „Schnell ermittelt“, in der Strauss eine smarte Ermittlerin spielt, schlug 2007 voll ein, wir fragen uns doch alle, ob es doch wieder eine neue Staffel geben wird. Im Herbst kuratierte die toughe Frau – wie immer klassisch gestylt – „Wachau in Echtzeit“, eine kulturelle Plattform zur Belebung der Wachau in den touristisch nicht attraktiven Monaten September bis Dezember. Austragungsort war unter anderen Orten auch Krems. In der Kunsthalle lernte ich Ursula Strauss dann persönlich kennen, nach der Performance von LeTamTam und Michael Ostrowski

Szenenwechsel. Von der Abendveranstaltung in Krems ins Café Korb in Wien. Wer das Kaffeehaus kennt, weiß, dass es noch so ein ganz Richtiges ist: eng, verraucht und sehr wienerische Ober. Genau hier hat sich für die beschäftigt-geschäftige Schauspielerin, die für ihre Hauptrolle in „Oktober November“ für den österreichischen Filmpreis nominiert wurde – eine zeitliche Lücke aufgetan, die ich füllen darf.

diekremserin: Die Wachau ist für dich ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Krems wird ja als ein Tor zur Wachau bezeichnet. Was verbindest du mit dem Weltkulturerbe? Wie hat sich deine Position als Kuratorin für "Wachau in Echtzeit" ergeben?

Ursula Strauss: Die Wachau ist eine sehr vertraute Gegend für mich. Krems - dadurch, dass es am anderen Ende unseres Tors der Wachau liegt - ist mir am wenigsten vertraut. Aber natürlich vertrauter als die Gegend rund um Graz oder Linz. Die Gegend ist meine Heimat, dass ist dort wo man hinfährt, wenn man zum Heurigen fährt, wo man durchfährt.
Für "Wachau in Echtzeit" bin ich von Alexander Hauer und damals noch Martin Fock einfach gefragt worden, ob ich mir vorstellen könnte das Festival zu kuratieren. Ich bin für das komplette Programm verantwortlich, was auch viele Menschen nicht wissen - das wächst alles auf meinem Mist. Ich überlege mir gerne beim Zusammenstellen des Programms: Was könnte den Menschen gefallen, was könnte sie fordern und ihnen Denkanstöße geben?

Wachau ist für mich Heimkommen, aber gleichzeitig Erholung, wie ein kleiner Urlaub. Aber sehr vertraut.

diekremserin: Was verbindet dich konkret mit Krems?

Ursula Strauss: Es gibt viele Verbindungen nach Krems. Ins Hallenbad dort gehe ich zum Beispiel mit meinen Nichten und Neffen schwimmen. Mein Bruder unterrichtet an Kremser Schulen - er unterrichtet Jazz - er ist Saxophonist und Musiker. Einer meiner Regisseure von "Schnell ermittelt" kommt aus Krems - also es gibt sehr viele Verbindungen.

diekremserin: Krems kommt immer wieder in deinem Leben vor. Deine Liebe zum Bodenständigen finde ich sehr sympathisch. Da fühlen sich Menschen wie ich, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, dir sehr nahe. Was hilft dir bei deinen vielen verschiedenen Aktivitäten am Boden zu bleiben?

Ursula Strauss: Mir hilft dabei das Bewusstsein meiner eigenen Endlichkeit, dass das Universum groß ist und dass es Quatsch ist sich selbst so wichtig zu nehmen. Ich spreche nicht von einem fehlenden Lebenswillen oder fehlendem Selbstbewusstsein, sondern dem Bewusstsein sich eher zu fragen: wo sind die eigenen Stärken, die eigenen Schwächen – ich bin so erzogen worden. Ich glaube außerdem, dass wenn man diesen Beruf ausübt, so viele Verlockungen einem dauernd über den Weg laufen, die Schein sind. Ich interessiere mich nicht für den Schein sondern das Sein. Es ist ganz wichtig bei sich zu bleiben, um verschiedene

diekremserin: Ich finde, dass man dies bei deinen Rollen sieht, dass du einen sehr straighten Zugang zum Leben hast. Von Cate Blanchett habe ich unlängst gelesen, dass sie dies tunlichst vermeidet, weil sie immer enttäuscht ist. Schaust du dir deine Filme – gerne – an? 

Ursula Strauss: Grundsätzlich ist es nicht so leicht sich selbst zuzusehen. Natürlich, gehört es irgendwie da zu, weil es das Arbeitsmaterial ist: man selbst. Der Entstehungsprozess ist der, warum man das alles macht, das Finden von Situationen, das Spielen, das In-Beziehung-Treten mit Kollegen und Kolleginnen: der kreative Prozess ist sehr viel spannender.
Ich stelle mich meiner Realität. Aber du bist natürlich nicht objektiv, da braucht man sehr viel Abstand um dies gut zu können.

diekremserin: Kann man deine Zusammenarbeit mit Regisseuren wie zuletzt wieder Götz Spielmann, für „Aufschneider“ mit David Schalko verlgeichen: wie unterschiedlich waren diese Kooperationen?

Ursula Strauss: So unterschiedlich wie sie als Menschen sind, gehen sie an ihre Projekte heran. So wie sie verortet, und verankert sind. Das ist nicht zu trennen.
Was sie gemeinsam haben ist, dass ich mit beiden sehr gerne arbeite. Es werden unterschiedliche Sprachen gesprochen am Set, sie haben unterschiedliche Herangehensweisen. Ich übe den Beruf aus, weil ich mich für Menschen interessiere und mich gerne auf Menschen einstelle – wo spreche ich die Sprache mit? Wo muss ich bei mir bleiben? Wo werde ich durch den anderen bereichert? Wo ist es umgekehrt? Das ist was mich interessiert: die Einzigartigkeit des Menschen – jeder hat eine andere Art zu arbeiten, jeder Mensch ist anders. Das ist das Spannende. Ich möchte verschiedene Sprachen verstehen.

diekremserin: Die Arbeit am Set ist für mich sehr fern - wie findet sich ein Team zusammen oder ist auch das immer ganz verschieden?

Ursula Strauss: Dabei gibt es keine Regeln. So wie das Leben ist es unvorhersehbar – denn Menschen stehen zusammengewürfelt am Set stehen und sie schwimmen miteinander. Das kann heftig sein, ganz liebevoll, schmähfrei, humorvoll: alles was das Leben so in sich birgt: am Set ist meist eine sehr hohe Energie. Viel Stress, viel Druck, es muss alles funktionieren, es muss schnell gehen, es ist eine hohe Konzentration da, viele Menschen sind für kurze Zeit zusammen gespannt; kurz, gesagt: eine hohe Lebensenergie.

diekremserin: Wie bereitest du dich auf Rollen deine Hauptrolle in "Oktober November" vor?

Ursula Strauss: Wir haben intensiv miteinander geprobt. Wir haben miteinander eine Familiengeschichte entwickelt. Die Beschäftigung mit dem Charakter passiert nach dem Drehbuch ganz automatisch. Wenn man über die Straße geht, beobachtet man. Da gibt es den unbewussten Arbeitsvorgang und den bewussten. Beim bewussten liest man Material, fragt Menschen auf die Rolle auf das Thema hin, man überlegt sich: ist die Sprache richtig, die die Figur spricht, wie schaut die Figur, wie redet sie.
Man sucht auch in sich selbst. Die Hauptarbeit ist bestimmt bei einem selbst - wie schaut die Figur, wie redet sie, hat sie Spleens,...

diekremserin: Die Charaktere sind mit dir selbst verbunden....

Ursula Strauss: Sie benutzen ja mein Werkzeug, sie wohnen in meinen Körper: die G’fraster.

diekremserin: Welche Pläne hast du für das Jahr 2014!

Ursula Strauss: Es ist viel und es ist cool - es taugt mir. Im Moment proben wir gerade an einem Programm mit dem Bela Koreny und der Kathi Strasser - am 12. Mai im Konzerthaus im Rahmen von Wean Hean einen Abend von Fritz Rotter. Mit zwei ganz tollen Musikern mache ich das Programm für Wachau in Echtzeit, das jetzt schon vorbereitet wird. Gemeinsam mit dem Ewald Palmetzhuber, der mit uns auftreten wird und den Text schreiben wird. In Kürze fahre ich nach Südtirol und drehe dort Bergdoktor. Das ist eine Episoden-Hauptrolle, ein Special sozusagen, gemeinsam mit Andreas Lust und Franziska Weisz. Auf das freue ich mich schon sehr, das sind wirklich tolle Kollegen, die Geschichte ist spannend - es geht ums Eingemachte.
Nächste Woche habe ich noch einen Drehtag beim Polizeiruf in Magdeburg.
Einen Kinofilm mit Özgür Yildrim mache ich in Deutschland, auf das freue ich mich sehr und er sich auch - ich habe dabei nur einen ganz kleinen Auftritt. Mit David Schalko drehe ich "Altes Geld", das ist eine neue Serie, die er gemacht hat, wo (fast) alle dabei sind, die es so gibt - die Serie hat irrsinnig viele Figuren. Ich bereite mich gerade vor auf einen Kinofilm vom Antonin Swoboda mit Stermann & Grissemann und Heinz Strunk. Das wird auch in Kürze sein. Dann hoffe ich, dass wir im Juni gemeinsam mit Mirjam Unger einen Kinofilm machen. Das hoffe ich sehr, weil darauf würde ich mich besonders freuen. Da geht's um ein Kinderbuch von Christine Nöstlinger - Maikäfer, flieg - und darauf hätte ich voll Bock. Ja, dann ist noch "Schnell ermittelt": wir drehen eine 90-minütige Episode.
Und ich würde mich noch über einen weiteren Film in Deutschland freuen, das wäre eine weitere Hauptrolle mit einem tollen Regisseur, nämlich Sebastian Fritsch. Und dann gibt's noch zwei Bücher in der Entwicklung... Es ist viel, aber es ist cool.

diekremserin: Das ist wahnsinnig viel und du musst unglaublich flexibel sein, zwischen Theater, Filmen und Büchern... 

Die Vorbereitungen für die Bücher sind eine riesige Aufgabe - du musst ja jede Figur sehr genau vorbereiten. Da die Budgets immer kleiner werden, werden die Vorbereitungszeiten immer kürzer und du hast nicht mehr so viel Zeit dich auf nur eine Sache zu konzentrieren. Das wär natürlich super, wenn man sagt, man macht zwei Filme im Jahr und kann gut davon leben - also angenehm - ich brauch kein Schloss. Das geht aber nicht. Abgesehen davon, ist mein Energielevel viel zu hoch, ich werde dann unruhig. Ich find's schon cool, wenn ich Zeit habe mich auszurasten, wobei ich gar nicht weiß, wann diese Zeit das letzte Mal war... Ich würde gerne auf Urlaub fahren, aber ich darf mich nicht beschweren, weil ich liebe meine Arbeit. Es ist alles gut.

diekremserin: Das hört sich so an, dass du das Hin-und-Her zwischen den Projekten sehr cool findest. Ich freue mich auf jeden Fall über die 90-minütigen Serie von "Schnell ermittelt". Da hast du auf jeden Fall sehr viel verschiedenes auf deinem Tableau für die kommenden Monate. 
Die Frage aller Fragen- würdest du sie mir stellen, wüsste ich keine Antwort- wo siehst du dich in 5 Jahren?

Ursula Strauss: Überall und nirgends. Eine beliebte Frage, aber interessant ist, dass die Leute, die die Frage stellen, wissen die Antwort auch nicht für sich. Schön langsam muss ich mir etwas überlegen: Ich sehe mich fünf Jahre älter. Hoffentlich ein bisschen g’scheiter.

diekremserin: Hast du einen Tipp, oder mehrere Tipps für angehende Jungschauspieler und Jungschauspielerinnen, die den Traum von der großen Bühne, vom Film haben?

Ursula Strauss: Wenn man diesen Wunsch spürt in sich, also diese Sucht in sich trägt, dann sollte man es probieren. Man begibt sich auf einen extrem steinigen, aber spannenden Weg. Mutig sein! Nicht Einschüchtern lassen von irgendjemandem und darauf gefasst machen, dass einem Gegenwind entgegen kommt. Frech sein, sich nix scheißen! Vor allem nicht konform gehen mit einer Gesellschaft, die immer mehr Gleichmacherei betreibt.

diekremserin: Herzlichen Dank für das intensive Gespräch! 

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