wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

04.04.2014

Kultur ist Identität

„Kultur ist etwas Kostbares, der höchste Ausdruck unseres Menschseins.“ 

(Peter Simonischek, derStandard, März 2014)

© Leopoldine Tanzberger
Kolomanisaal Stift Melk
Ein dichterisches Werk zum Leben zu erwecken und zuhörenden Menschen in eine neugierige Aufmerksamkeit zu versetzen, dürften die Hauptaufgaben eines Schauspielers sein. Oder Texte so zu lesen, dass sie für das Publikum greifbar werden. Die Lesung am 5. April 2014 im Kolomanisaal des Stiftes Melk im Rahmen des IMAGO DEI-Festivals, erzählt eine Geschichte die inspiriert.
Peter Simonischek, der am Burgtheater in Wien momentan u.a. in Heinrich von Kleists Prinz von Homburg zu sehen ist, hat sich nach einem Berlin-Aufenthalt Zeit genommen, um mit mir über die Bedeutung von Literatur, die Kostbarkeit von Kultur und den Ort der Veranstaltung IMAGO DEI, die Stadt Melk zu sprechen.

Was spricht Sie an einem kleinen Festival wie IMAGO DEI an?
Allein der Ort Melk inspiriert. Die Stadt mit dem Kloster blickt auf eine jahrhundertealte Tradition als kulturelles und geistiges Zentrum zurück. Die Mönche beschäftigen sich mit Spirituellem, mit den Fragen des Lebens. Vor allem vom Alt-Abt Burkhardt, der eine angesehene Person ist, gehen wichtige Impulse aus. Obwohl ich keinen direkten Kontakt zum Stift habe, fühle ich mich dem Stift und dem Festival verbunden. Denn auch ich bin von Benediktinern erzogen worden, in St. Paul im Lavanttal in Kärnten.
Es ist gut, dass die katholische Kirche, den Menschen die auf der Suche nach Spiritualität sind, mit dem Osterfestival IMAGO DEI ein Angebot macht.


Wie passt der Text „Der Mann mit den Bäumen“ des Dichters Jean Giono in das sonst eher musik-orientierte Festival?
© Josef Gallauer
Gionos Text ist praktisch angelegt. Es dominieren Einfachheit und Geschlossenheit. Der Text ist für das Publikum leicht zu erschließen. Außerdem ist „Der Mann mit den Bäumen“ eine positive Erzählung. Sie handelt vom persönlichen Glück, das im Dienst für die Allgemeinheit erreicht wird.
Da wir täglich mit Hiobsbotschaften konfrontiert sind, bereichert ein optimistischer Text wie dieser, der sowohl das persönliche Glück als auch den Dienst am Mitmenschen und der Natur in den Vordergrund stellt.


Nachdem wir um schlechte Nachrichten nicht umhinkommen und diese auch die Kultur betreffen: Welche Möglichkeiten sehen Sie, die Kostbarkeit der Kultur zu erhalten, damit sie sich auch weiter entwickeln kann?
Ich denke, dass es in Österreich ein allgemeines Bewusstsein dafür gibt, dass Kultur ein Ausdruck eines gewissen Standards einer Gesellschaft ist. Sie zeigt an, auf welchem Niveau wir leben.
Die Kostbarkeit der Kultur ist uns durchaus bewusst, da das kulturelle Leben Identität stiftet. Egal, was passiert, wir sehen tagtäglich was trotz der Krisen in der Ukraine und rund um die Hypo oder die Fragezeichen um die verschwundene Passagiermaschine, auf den Titelseiten zu lesen ist: die Neubesetzung des Burgtheaters. Für mich heißt das sehr wohl, dass ein Grundkonsens in unserem Land über den Stellenwert der Kultur herrscht.


Ich möchte bei Ihren Ausführungen zum Burgtheater einhaken: wie beurteilen Sie die Besetzung der interimistischen Direktion am Burgtheaters, nachdem Direktor Matthias Hartmann entlassen wurde?
Um ehrlich zu sein, ist mir – und ich glaube vielen am Burgtheater – ein Stein vom Herzen gefallen, als die Entscheidung gefällt wurde, Karin Bergmann einzusetzen. Sie ist verantwortungsvoll und geht mit großer Kenntnis in ihre neue Position. Am Theater sind viele Menschen aus unterschiedlichen Abteilungen mit der Herstellung von Kunst beschäftigt. Es ist anders als bei einem Maler, einem Schriftsteller, einem Komponisten, der allein arbeitet und den wir um seine Originalität beneiden. Er ist für alles was er schafft zuständig und trifft jede Entscheidung selbst. Während am Theater dafür verschiedene Komponenten zusammenspielen müssen – nicht nur auf der Bühne, sondern auch dahinter: Autor, Regisseur, Bühnenbildner, Kostümbildner, Maskenbildner, Requisite, Bühnentechniker...
Sie kennen bestimmt den Ausspruch: „Viele Köche verderben den Brei“, wenn aber Theater gut funktioniert, ist ein Gesamtkunstwerk möglich, bei dem diese verschiedenen Ebenen optimal verwoben sind.
Sind Sie nicht auch immer noch aufgeregt, bevor der Vorhang hoch geht und im Theater ein Stück beginnt? Ist das nicht die Hoffnung, dass man Zeuge einer gelungenen Aufführung wird?

© Reinhard Werner, Burgtheater

Ich stimme Ihnen zu. Besonders dieses Gefühl realen – echten – Personen gegenüber zu sitzen bringt eine gewisse Aufregung mit sich.
Wenn es gelingt auf der Bühne, dann ist für mich dieses Live-Erlebnis nachhaltiger als jede Konserve im Fernsehen und Kino.

Sie lesen am Samstag nicht am Burgtheater, sondern in Melk – welche Erwartungen haben Sie ans Publikum und an die Veranstaltung?
Ich hoffe natürlich, dass die Lesung gut besucht ist. Nicht nur der Text ist hervorragend auf die Umgebung und den Inhalt des Festivals abgestimmt ist, sondern auch musikalisch wird dem Publikum etwas geboten (Anm.: Solisten des Klangforum Wien & der Camerata Salzburg). Wie ich schon gesagt habe, die Geschichte über Fantasie, Mut und Ausdauer, ist klar und einfach. Sie ermutigt die Menschen gemeinschaftlich zu handeln. Da Ich-AGs sind heutzutage weitverbreitet sind, denken Menschen an den kommerziellen Zweck und an wirtschaftliches Wachstum. Machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Weg! Gehen wir in Richtung Individualität: die Menschen sollen aus der Reihe tanzen. Ich wünsche mir daher, dass verstanden wird, dass Individualität nicht Egoismus bedeutet. Die Geschichte, die ich lesen werde, vermittelt den Glauben an das Individuum im Dienste der Gemeinschaft.


Ich wünsche Ihnen für Ihre Lesung am Samstag ein wundervolles Publikum, das sich durch die Geschichte, die Sie lesen inspirieren lässt. Vielen Dank für Ihre Zeit!

Kommentare:

  1. Deine Interviews sind immer interessant auf die jeweilige bekannte Persönlichkeit abgestimmt und eine Freude zu lesen. Bitte weiter so.

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