wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

13.11.2014

Christoph & Lollo: 10 Fragen zu 11 Liedern

Woher ich Christoph & Lollo kenne? Das ist ganz einfach und auf eine meiner besten Freundinnen zurück zu führen, die vor vielen Jahren mit den Schispringerliedern unterm Arm zum CD-Player ging und meinte: Hör dir das an, die sind großartig. Einige Jahre später zur Release eines weiteren Albums im Stadtsaal Wien spielte die kritisch-komische Wiener Zweimannband keines der Schispringerlieder mehr. Aber dafür fragten sie in die Runde wann denn der ehemalige Finanzminister KHG endlich ins Häf'n ginge. Nun ja, darauf gibt es keine Antwort. Für ihr Album "Das ist Rock'n'Roll", das am 3. Oktober 2014, erschien, kommen Christoph & Lollo am 20. November nach Krems ins Kino im Kesselhaus.

"Das ist Rock'n'Roll" © Ingo Pertramer

Folgende 10 Fragen zu 11 Songs auf dem Album "Das ist Rock'n'Roll" beantworteten Christoph & Lollo per Mail. Die Zeit ist knapp und der Tag voll.


Kunstscheiße. Als ich das Lied zum ersten Mal gehört habe, musste ich Tränen lachen. Wie seid ihr auf die Idee gekommen ‘Kunstscheiße’ zu thematisieren? Liegt ein tieferer Grund darin versteckt?


Der überaus nützliche Begriff Kunstscheiße ist uns ausschließlich aus Künstlerkreisen bekannt. Wir wollten uns in diesem Lied nur über die lächerlichen Seiten der Kunstszene lustig machen um ein bisschen Spaß zu haben. Tieferen Grund gibt es hier keinen, nur tiefen Schmäh.



Ich koche selber. Seit dem anhaltenden Aufschwung der Fernseh-Sterne-Köche entdecken immer mehr Männer den Herd für sich - aber nur unter bestimmten Bedingungen: die Ausrüstung und die feinsten Zutaten müssen vorhanden sein. Nach Emanzipation hört sich das nicht an, sondern nach einem kritischen Blick auf den andauernden Kampf zwischen Mann und Frau: wer kann was besser? Worauf wollt ihr hinaus?

Einerseits finden wir es in hohem Maße lächerlich, dass Kochen und sonstige Haushaltstätigkeiten heutzutage zu etwas extra Maskulinem hochgejazzt und ernsthaft und verbissen männlich betrieben werden. Über diese Männer, die aus allem einen kindischen Wettbewerb machen müssen, machen wir uns gerne lustig weil wir sie für Witzfiguren halten. Andererseits sind wir selbst genau solche Männer und meinen alles was wir singen todernst. Unsere Rotweinsaucen und Fleckenputztechniken sind auf allerhöchstem Niveau angesiedelt.

Das ist Rock’n’Roll. 1988 veröffentlichten Die Ärzte das Lied “Das ist Rock’n’Roll”. Habt ihr euch daran orientiert? Wen zählt ihr zu euren musikalischen sowie textlichen Vorbildern?


Wir kennen das Lied natürlich schon lange, heißen aber nicht Uwe und Gabi. Unsere Vorbilder sind die Beatles, Enrico, Udo Jürgens, Georg Kreisler, Led Zeppelin, die Ärzte, der Typ der die Wickie-Titelmelodie singt, Bushido und Andreas Gabalier, der Mann mit dem Taschentuch in der Unterhose.

Das Internet hat unser Leben zerstört. Wikipedia ist der Feind jeder Party. Ganz ehrlich, passiert es euch nicht auch, dass ihr wenn ihr etwas nicht wisst, schnell am Smartphone googelt oder wikipediert? Wie geht ihr mit der ständigen Erreichbarkeit um? Wann schaltet ihr ab? (in der Therme?)

Nur einer von uns hat ein Handy mit dem man ins Internet kann und benutzt es äußerst selten dafür. Wir sind sehr gut darüber informiert wie man Handys abschaltet und machen gerne davon Gebrauch. In Nassräumen haben elektronische Geräte natürlich nichts verloren.

In der Therme. Habt ihr euch für das Lied auf Recherchezeit in die Therme begeben? Wie recherchiert ihr allgemein für eure Texte?

„Recherchiert“ wird quasi ständig, weil es ist ja immer irgendwas. Wir haben’s auch ganz gern, wenn unsere Texte Hand und Fuß haben, weil wir singen sie dann ja jahrelang. Mit Thermenurlaub haben wir beide Erfahrung, wir halten es für eine legitime Form von Tagesgestaltung.

Seit ich ein Kind hab. Ein Erfahrungsbericht? Der Text bespricht äußerst genau welche Vorzüge aber gleichzeitig vorwiegend welche Nachteile ein Kind im Leben mit sich bringt. Bezieht ihr euch dabei auf bestimmte Wesenszüge konkreter Eltern?


Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie gefinkelt zielgruppenorientiert wir arbeiten: Eltern, insbesondere junge Eltern, reagieren auf das Lied meistens mit heftigem Kopfnicken und verzweifeltem Lächeln. Leute ohne Nachwuchs reagieren oft mit hämischem Gelächter und Spott über windelwechselnde Spielplatzaufpasser. Unterm Strich ist also jeder Mensch potenziell Zielgruppe dieses Lieds. Unsere Marketingabteilung ist sehr zufrieden mit uns.

Demokratie. Politisches fließt immer wieder in eure Texte ein. Würdet ihr euch als politische Protestsänger beschreiben? Oder als realistische Politik-Beobachter? Welche Einstellung habt ihr der Politik gegenüber?

Ein paar Lieder von uns sind durchaus politische Protestsongs. Wir versuchen aber trotzdem unseren Humor nicht zu verlieren, was, wenn man mit österreichischer Politik leben muss, eine sehr gesunde Einstellung ist. Realistische Politik-Beobachtung ist eine Aufgabe, die wir gerne von seriösen Medien wahrgenommen sähen, Komiker wie wir haben andere Aufgaben.

Es ging nicht. Weiter geht’s mit einem politischen Thema: Anpassung und Integration sind Schlagworte, die in einem Atemzug genannt werden; wo muss eurer Meinung nach Anpassung aufhören und Integration anfangen? Welche Regelungen würdet ihr begrüßen?

Naja, in dem Lied geht’s ja eigentlich nur um das Gefühl, sich in Gesellschaft unwohl zu finden, was ja jeder einigermaßen vernünftige Mensch oft erlebt. Das hat aber mit Anpassung und Integration wenig zu tun. Generell begrüßen wir aber Regelungen, die dazu führen, dass jeder seine Ruhe hat und alle vernünftig zusammenleben. Diese Ziele lassen sich wohl mit Bildung, Aufklärung und Kommunikation besser erreichen als mit Gesetzen und schulmeisterlichem Getue.

Du weißt ja wie die sind. Auch in diesem Lied beschreibt ihr sehr kritisch Stammtischgespräche und Gedanken der europäischen Gesellschaft: wir sind besser, aber sie - die Afrikaner - können nichts dafür, das liegt bestimmt in den Genen, dass sie nicht wirtschaften können. Wollt ihr mit Texten wie diesem die Menschen zum Nachdenken bringen? Habt ihr Erwartungen an euer Publikum zu handeln?

Wir wollen vor allem über Themen singen, wenn’s geht auf nicht allzu blöde Art und über relevante Themen. Dass wir damit Menschen zum Nachdenken bringen, ist nicht unser Antrieb. Der Punkt ist eher, dass es Leute gibt, die gern Lieder hören die sich um relevante Themen drehen und bei denen man ein bisschen mitdenken muss. Für die sind wir gerne da. Wir haben auch keine allzu hohen Erwartungen ans Publikum, wir sind schon froh wenn es eines gibt. Ab und zu höflich klatschen und nicht mit Gemüse werfen finden wir gut.

Wahlkampfhymnen. Abgerundet ist das Album mit den Wahlkampfhymnen, die es zu allen Parteifarben auf Youtube zu sehen gibt. Auf dem Album sind ÖVP und SPÖ gleichwertig mit je einer Hymne vertreten - spielt ihr auf die große Koalition an? An welche lustigen Rückmeldungen erinnert ihr euch, die 2013 zur Wahl veröffentlicht wurden?


Die beiden Lieder sind auf dem Album, weil sie unserer Meinung nach auch nach der Wahl noch ausreichend relevant sind. Die Hymne über‘s BZÖ zum Beispiel ist mittlerweile obsolet. Auf die Wahlkampfhymen gab es viele lustige Rückmeldungen. Ein Highlight war sicher, dass der Strache auf Facebook erst die Konkurrenzhymnen verlinkte und vollmundig verkündete, er freue sich schon auf die FPÖ-Hymne, diese dann aber aus den Kommentaren löschen ließ damit seine Fans sie nicht anhören können. Generell war es besonders erfreulich, dass unsere Lieder von den Anhängern der Konkurrenzparteien größtenteils für gut befunden wurden, von den Anhängern der jeweils besungenen Partei aber eher nicht – da gab es sehr lustige beleidigte und aggressive Reaktionen und die irrsten Verschwörungstheorien, von welcher Partei wir denn bezahlt worden wären. Uns war aber vorher schon klar, dass Politik in Österreich insbesondere in Wahlkampfzeiten und insbesondere im Internet auf sehr niedrigem Niveau verhandelt wird und hatten mit der ganzen Geschichte einen großen Spaß.

Herzlichen Dank für die ehrlichen Antworten! Ich freue mich auf 20. November.


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