wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

18.11.2014

#winelover in der Wachau

Blick auf von Mautern in den bunten Herbst © diekremserin
© diekremserin
Als mich meine Freundin Judith vom brewaholicblog fragte, ob ich eine kleine Exkursion in die Wachau und ihre Weine starten wolle, überlegte ich nicht lange. Nach reichlicher Überlegung suchte ich 3 Weingüter südlich der Donau aus, die ich sehr gerne mag. Auch war ich in der Planungsphase viel zu spontan und die Wachauer Winzer steckten noch mitten in der Weinlese. Ein Winzer, 2 Winzertöchter, 2 Winzersfreundinnen und ein Freund einer Winzerstochter machen sich auf die Reise...

auf dem Weg zum Nikolaihof in Mautern © diekremserin
auf dem Weg zum Nikolaihof in Mautern © diekremserin

Erster Stop: Nikolaihof in Mautern. Christine Saahs empfing uns im Hof, die uns in die lange Geschichte des Weinguts einweihte. Der Superlativ des ältesten Weinguts darf dabei natürlich nicht fehlen, nachdem schon die Kelten vor ca. 2000 Jahren am Boden des heutigen Weinguts den Traubensaft kelterten. Frühchristliche Fundamente und Gebäudeteile lassen auf die St. Agapidus Basilika schließen, in der 985 n.Chr. sogar eine Synode stattfand. Christine Saahs erzählt uns viele Details, und könnte uns wohl noch viel mehr in die Geschichte des Hofs einweihen, aber ihr jüngster Sohn feiert den 30er und der letzte Tag der Weinstube im Nikolaihof bringt viel Arbeit mit sich. Der zertifizierte demeter-Betrieb leibt und lebt mit den Grundsätzen der Anthroposophie. "Ich bin vor über 40 Jahren an den Hof gekommen und wollte mit der Natur, mit den Mondphasen und mit den Grundsätzen arbeiten, die ich von einer Freundin gelernt hatte, die mir sehr nahe stand.", erklärt Christine Saahs. Auch wenn die Familie in den letzten Jahrzehnten viele Steine in den Weg gelegt bekam und lange nicht ernst genommen wurde, hat sich der Zusammenhalt in der Familie bezahlt gemacht. Erst Mitte Mai hatte die Weinbewertung des weltweit angesehenen Weinvirtuosen Robert Parker jun. im renommierten Fachmagazin „The Wine Advocate“ für eine Sensation gesorgt. So konnte der „Riesling Vinothek 1995“ die selten vergebene Höchstnote von 100 Parker-Punkten erreichen.

Wir verkosten die Weine und sehen uns an der Menükarte satt © diekremserin
Wir verkosten die Weine und sehen uns an der Menükarte satt © diekremserin

"Einen Tag zu spät, um die vielen Köstlichkeiten zu probieren."

Bettina hält die Menükarte der Weinstube in der Hand und staunt. Die Weinstube hat die Familie Saahs aus finanziellen Gründen vor ein paar Jahrzehnten gestartet, denn Christine Saahs liebt nicht nur den Wein und seine Vermarktung, sondern auch das Kochen. Vor vier Jahren brachte sie gemeinsam mit ihrer Tochter, der Ärztin Christine ein Kochbuch inklusive medizinischem Ratgeber heraus. Auf den ersten Streich folgt der 2. im Jänner 2015. "Ich koche für mein Leben gern" beinhaltet wichtige Tipps zur regionalen Küche und zum Umgang mit Nahrungsmittel als Heilmittel.

Lumpi ist auch mit von der Partie © diekremserin
Lumpi ist auch mit von der Partie © diekremserin

Wir machen einen Abstecher in die römischen Mauern in der die 350 Jahre alte Baumpresse steht, die seit ein paar Jahren wieder fix in Verwendung ist, auch wenn das Verfahren sehr mühselig und zeitaufwendig ist. "Der Baumpresse-Wein ist ein ganz besonderer Wein.", meint Christine Saahs. Bedächtigkeit liegt in ihren Worten, auch wenn sie uns in den Keller führt, in dem riesengroße Holzfässer lagern. "Wir sind fast voll in diesem Keller. Jedes Kind hat ein Fass zur Geburt bekommen... und der heilige Severin hat auch eines. Der 100-Punkte-Wein wurde ebenso hier gelagert." Dann führt uns Christine Saahs in die Weinstube, in der schon Gläser und Gebäck auf uns warten. Sie nimmt sich Zeit für uns, antwortet auf Fragen und gibt zu, dass das Weingeschäft manchmal nicht so einfach ist. Rückblickend weiß sie, dass ihre Familie und sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben.

Zweiter Stop: Zu spät dran, aber dennoch voller Vorfreude geht's weiter. Wir fahren nach Mitterarnsdorf - durch Rossatzbach, Rossatz, an Rührsdorf und St. Lorenz vorbei, Richtung Bach- und Hofarnsdorf und landen letztendlich bei Matthias Pöchlinger. Die Pöchlingers haben in Mitterarnsdorf einen Heurigen, der seit diesem Sommer auch die Möglichkeit zu einem Weingartenpicknick gibt. Matthias nimmt uns mit auf einen kleinen Spaziergang in die Rieden hinterm Haus. Die beste Aussicht kann man hier genießen. Auf den Tausend-Eimer-Berg in Spitz, die Singer Riedel, die Wehrkirche St. Michael bis nach Weißenkirchen. Wunderschön verzieht sich der Dauernebel in der herbstlichen Wachau für ein paar Minuten und wir kosten herrlich leichten Grünen Veltliner. 

Der Picknickplatz der Pöchlingers © diekremserin
Der Picknickplatz der Pöchlingers © diekremserin
Die nächste Chance auf eine gute Heurigenjause bei den Pöchlingers bietet Matthias ab Sonntag 23. November bis weit in den Dezember wieder bodenständige Kost mit hervorragenden Weinen.

Dritter Stop: Auf der Südseite der Wachau ist es für #winelover ein Muss in Rossatz Halt zu machen. Dass die dritte Station auf das Weingut meines Freundes Josef Fischer fiel hat zwei Gründe: seine Weine sind zum Niederknien und wir haben ihn zur Weiterfahrt mitgenommen zum Heurigenbesuch bei Mayer's vis a vis! Im Stüberl der Fischers übernimmt Joe die Weinprobe und schenkt uns allen einen Cuvée Hucho ein. Hucho steht für den lateinischen Namen des Donausalmoniden Huchen, der leider sehr rar geworden ist. 

Ein Bild aus dem Sommer. Das Stüberl der Fischers © diekremserin
Ein Bild aus dem Sommer. Das Stüberl der Fischers © diekremserin


Josef sen., liebevoll Huchenpepi genannt, machte es sich vor vielen Jahren zur Aufgabe den bedrohten Fisch wieder Lebensraum zu bieten und züchtet seither im hausnahen Garten die großen Raubfische. Damit gäbe er der Natur etwas zurück, sichert den Wiederbesatz und den vom Aussterben bedrohten Fisch. Die Lebensaufgabe hat ihm schon sehr viel Lob eingebracht, das ihm aber nicht wichtig ist - auch wenn es ihn stolz macht - er hat seine Leidenschaft gefunden. Joe, Josef jun., verbringt etwa 2 Monate des Jahres intensiv im Weinkeller, wo er die frischen Trauben presst, verarbeitet und der Gärung überlässt, danach kostet und kostet und kostet. Bis der Wein passt und im Frühjahr in Flaschen gefüllt wird. Oder später, denn Joe möchte dem österreichischen Weinmarkt auch reifere Weine anbieten. 

Nachdem ich einen Fischer-Jonagold-Apfel angeschnitten habe und unsere Mägen nach der aufregenden Reise durch die südliche Wachau knurren, machen wir uns auf zum letzten Stop, zum Heurigen Mayer vis a vis, dort wo uns Wildspezialitäten, Vulcano-Schinken und Alpenweichkäse mit Roten-Rüben-Aufstrich erwarten. Herrlich war's! 


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