wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

15.09.2014

Sprögnitz: der Ort, an dem die Sonne immer scheint

Let's start! © diekremserin
Check-in. Sprögnitz empfängt meine zwei Mitreisenden und mich mit typischem Herbstwetter. Sprögnitz? Der Ort, in dem irgendwie alles begann und die Fäden zusammen laufen. Der Ort, an dem alles gepasst hat. Damals, vor 25 Jahren. SONNENTOR begleitet mich seit ich denken kann. Der Kutz-Kutz-Tee hilft mir in kränklichen Stunden wieder Kraft zu tanken, Schneeballschlacht-Tees wärmen meine kalten Hände nach einem winterlichen Spaziergang und die vielen Gewürzmischungen stehen in meinem Küchenschrank ganz vorne: Erdäpfelgewürz, Tofu-Gewürz-Mischung usw.

Sprögnitz, also. Am Parkplatz angelangt finden wir uns sofort zurecht, denn eine spielerisch gestaltete Tafel weist uns den Weg zur Information, wo wir uns anmelden sollen. Wir spazieren durch die saftig-grünen Wiesen, vorbei an einigen Kräutern und Blüten, die wir zu nennen versuchen, aber kläglich scheitern. Die Botanik ist nie meine Stärke gewesen. Schade eigentlich. Am Kinderspielplatz vorbei - noch sind keine spielenden Kinder zu sehen, aber die kommen erst am betriebseigenen Kindergarten an - und hin zu den Betriebsgebäuden, die uns mit lachenden Gesichtern empfangen. Großflächig grinsen die Kooperationsbauern von den Lager- und Verarbeitungshallen herab: "da wächst die Freude" Der aktuelle Werbeslogan von SONNENTOR dürfte auch Credo von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sein. Gründer und Inhaber Johannes Gutmann treffen wir kurz vorm Eingang: "Treffen wir uns gleich im Café?" Wie gewohnt trägt er seine rote Brille und die roten Waldviertler (auch in der Gegend gefertigt), winkt uns zu und verschwindet im nächsten Gebäude. Kurz darauf treffen wir ihn als Skulptur vorm Besuchereingang wieder:

Johannes Gutmann, wie er lebt... © diekremserin
Schon an der Anmeldung werden wir freudig begrüßt und ins gemütliche Café begleitet, das im Anschluss an den Shop, in dem es nicht nur herrlich nach Kräutern und Blüten, sondern auch nach Holz duftet, und die Spezialitäten des Hauses kredenzt werden. "Wollt's einen Kaffee? Worauf darf ich euch einladen?", Johannes Gutmann setzt sich zu uns, wir ordern Kaffee - früh genug ist es ja noch. Kaffee? Auch das koffeinhaltige Aufputschmittel ist in der Produktpalette von SONNENTOR enthalten: Wiener Verführung. Mittlerweile - seit 1988 werden es Jahr für Jahr mehr - präsentiert das Unternehmen 700 verschiedene Produkte im Sortiment. Jedes einzelne wurde innovativ konzipiert und kommt handverlesen in die schöne Verpackung (und kriegt wunderbar einfallsreiche Namen!). Im Gespräch mit Johannes Gutmann wird mir eines klar, das sonnige Gemüt des Geschäftsführers färbt eindeutig auf die witzig konzipierten Titel der Produkte ab sowie auf das Logo von SONNENTOR. Die lachende Sonne mit 24 Strahlen ziert seit Beginn die Tee- und Gewürzverpackungen und ist sehr intensiv mit Johannes Gutmann verbunden. Das mittelalterliche Lebens- und Lichtsymbol findet man heute noch auf den Toren vieler Bauernhöfe im Waldviertel und spiegelt wider, wie jeder einzelne Vertragsbauer ernst genommen und respektiert wird.

SONNENTOR-Geschäft in Sprögnitz mit alten Bauernschränken © diekremserin
Neben der ehrlichen Wertschätzung der Vertragsbauern gegenüber, legt SONNENTOR auf jeden einzelnen Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin großen Wert - hier herrscht Verantwortung, Nachhaltigkeit und Transparenz. Nach dem Interview mit Johannes Gutmann, das in Kürze hier erscheinen wird, werden wir von Jürgen, dem Franchise Marketing Manager (auch SONNENTOR kann sich den neudeutschen Begrifflichkeiten nicht entziehen), abgeholt.

Carina, ich, SONNENTOR-Gründer Johannes Gutmann und Judith © diekremserin

Tradition. Innovation. Transparenz. 

Die drei Begriffe fallen während der Betriebsführung öfter und sie sind ehrlich gemeint. Das merke ich sofort. Wir starten dort, wo auch die Kräuterverarbeitung startet - bei der Anlieferung. Gleich daneben ist eine große Lagerhalle im Entstehen: "Die Lagerung ist momentan eine große Herausforderung, denn wir müssen Ernteschäden in unsere Produktion einkalkulieren. Haben wir einen Überfluss, können getrocknete Blätter nicht gelagert werden. Daran arbeiten wir..." Als wir vor der großen Baugrube stehen, können wir gar nicht glauben, dass so viel Fläche gebraucht wird. Aber nach dem ersten Blick in die heiligen Hallen der Kräuter ist uns klar, was Jürgen gemeint hat.

Blick auf die neu entstehende Lagerhalle © diekremserin
Im Hygiene-Outfit für die Betriebsführung © diekremserin
"Wonach riecht's hier?" - fragen wir uns. "Schaut euch um! Da sind getrocknete Rosenblüten, da ist Pfefferminze." - Jürgen biegt links ab und wir folgen brav. Hier wird sortiert. Sechs unterschiedliche Grade an Qualitäten kann die Maschine ausspucken. Die Kräuter werden dann abgeholt und weiterverarbeitet. Selbst der Rest - qualitativ nicht passend - wird nicht weggeworfen, sondern weiterverkauft und dann bearbeitet. "Orangenschalen!" - ich bin mir ganz sicher, hebe ein Stück auf und probiere. Ja, Orangenschalen. "Der Winter kommt bestimmt..." - Jürgen zwinkert und wir weichen einem Staplerfahrer aus, der uns entgegenkommt um die Kräuterpakete an ihren richtigen Platz zu bringen.
"Hier sorgen viele fleißige Hände für die Sonnentor-Qualität" © diekremserin
Jürgen führt uns vorbei an den Maschinen, erklärt uns die Verpackung und das Design der Produkte, weist uns auf die vielen Sprachen hin, in denen Etiketten ausgedruckt werden. Alles passiert vor Ort. Hier, bei den Produkten. Immer wieder erwähnt Jürgen Zahlen und Fakten, die anderen Firmen wohl niemals zu entlocken wären. Zum Beispiel, dass die Investitionen durch Eigenmittel und Förderungen gedeckt werden - der erwirtschaftete Gewinn fließt wieder ins Unternehmen. Genaueres dazu, empfehle ich hier nachzulesen.

Zum Schluss schauen wir uns die Export-Hallen an, in denen Palettenweise Kräuter- und Teepakete in alle Welt geschickt werden. "Den Web-Shop haben wir erst vor kurzem umstrukturiert. Jetzt ist er handlich aufgebaut, allerdings nicht mehr so anschaulich wie vorher. Denn da konnte man tatsächlich mit einem Körbchen durch die Regale gehen, die wie im Sonnentor-Geschäft aus alten Bauernschränken bestehen. Jetzt sind's ganz herkömmliche Regale... Aber praktischer ist's!" - Jürgen grinst und führt uns vorbei an der Mitarbeiterkantine, bald ist Mittagszeit, die Tische sind schon gedeckt. "Hungrig?", fragt er auch uns. Wir nicken. Vorab schauen wir uns noch ein kurzes Video an, bei dem wir die Vertragsbauern kennenlernen, die schon von Anfang an dabei waren, die, die in der Umgebung leben und das Unternehmen unterstützt haben. Dass das nahe Tschechien als erster internationale Partner diente, liegt heute auf der Hand. 1992 wurde das 1. Geschäft über der Grenze geöffnet.


Leibspeis'

© diekremserin 
Nachdem die Mägen hungrig knurren und wir auch ganz gespannt sind auf das 2014 eröffnete Lokal, machen wir uns auf den Weg. Wieder vorbei am Spielplatz - wir werfen einen kurzen Blick in die Kindergruppe, die sich gerade zum Essen fertig macht - hinein in ein wunderschön restauriertes Stadl, eine Holzscheune, die im skandinavischen Stil dekoriert, herrlich gemütlich ist. "Guten Appetit!", wünscht uns Jürgen und verabschiedet sich von uns. Zeit wird's für eine Kostprobe. SONNENTOR-Limonade für alle :)

Mein Mittagessen mit Couscous-Laibchen, Blattspinat, Feta und Paradeisern © diekremserin
Das Bio-Gasthaus hat täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.
Reservierungen telefonisch unter +43 (0)2875/20300 oder per Mail

Betriebsrundgänge werden das ganze Jahr über angeboten - auch mit speziellen Fokus auf die kleinen Gäste, wenn gewünscht.

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