wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

07.04.2016

Das Museum und ich: im Selbststudium

Ich möchte Augen öffnen.

Josef Albers, 1933

Ich mag Ausstellungen, die mich einladen länger nachzudenken. Und mich fordern. Das bedeutet allerdings, dass ich ohne jegliche Vorkenntnisse - durchaus aufgrund des sprechenden Folders oder der Einladungskarte oder des Bekanntheitsgrades des Künstler oder der Künstlerin - ins Museum gehe. Vergleichbar mit einer Flasche Wein, die ich nach dem Etikettendesign auswähle, oder mit einem Buch, von dem mir der Einband besonders gefällt. Oberflächlich, ich weiß. Aber gleichzeitig sind die Erwartungshaltungen nicht ganz so elitär.

Nachdem ich Kunstgeschichte studiert habe, lasse ich das Fachsimpeln hier, aber im Museumsalltag tauchen kunsthistorische Vergleiche mit dem angesammelten Bildgedächtnis immer wieder auf. So kommt es auch, dass ich - in der Kunsthalle Krems für die Kunstvermittlung zuständig - in vergleichbare Ausstellungen gehe, bei gutem Angebot. In einem anderen Beitrag werfe ich einen kritischen Blick auf ABSTRAKT-SPATIAL. Malerei im Raum (bis 19/06/2016 in der Kunsthalle Krems), soweit es mir mein internes Auge erlaubt, und die Ausstellung ABSTRACT LOOP (bis 29/05/2016 im Wiener 21er Haus).

Esther Stocker in ihrer Installation in der Kunsthalle Krems, Foto: Oliver Ottenschläger


Die Oberflächlichkeit meines Museumsbesuches geht durchaus noch weiter: 

Ankommen und Ersteindruck. Denn wenn ich ehrlich bin, besuche ich jedes Wiener Kunstmuseum maximal ein bis zwei Mal pro Jahr. Auch wenn ich zu höheren Versuchen strebe. Geht aber nicht. Deshalb lerne ich den Eingangsbereich und das Foyer wie einen mir unbekannten Menschen kennen: die ersten sieben Sekunden sind ausschlaggebend ob ich tatsächlich bleibe oder nur kurz einen Blick über die Shopartikel werfe. Da spielen funktional-stylische Architektur und die gewählte Inneneinrichtung eine eklatante Rolle. Oder eine freundlich grüßende Person am Shop- und Ticketstand, die mich willkommen heißt. Nein, ich will nicht hofiert werden, nicht falsch verstehen, ich will angemessen und respektvoll behandelt werden. Gerade im Kunstbereich kommt es da öfter zu Verwirrungen: sind wir besonders elitär, schauen wir nicht von unseren Macs auf. Wir nehmen dich gar nicht wahr (vorwiegend gesehen in Galerien...). Bevor ich also über das erste Kunstwerk, den ersten Ausstellungstext stolpere, stehen viel banalere Faktoren im Mittelpunkt. Und? Dann kommt erst die Ausstellung...



Kunstwerke sind Werkzeuge der Wahrnehmung.

Ed Sommer, 1957

Meiner Meinung nach sollen Ausstellungen Spaß machen. Nicht im Sinne von Lauthals Lachen. Überraschung! Das soll ein Raum oder ein Raumzusammenhang in mir auslösen. Oder ein flüchtiges Schmunzeln. Eine gut gemachte Ausstellung darf mich auch verständnislos weiter flanieren lassen. Und irgendwo wieder packen und auffangen. Egal mit welcher Methode, denn damit möchte ich mich als Besucherin nicht beschäftigen müssen. Sie muss einfach da sein. Ob als Text, Vermerk, neues Werk, inhaltliche Klammer oder wie im Falle der Kunsthalle Krems sonntags als KUN?TINFO. Kommuniziert der Rundgang nicht selbst, muss und darf moderiert werden. Meist ist das Aufgabe der Kunstvermittlung/Museumspädagogik. Natürlich nehme ich auch ohne fremdes Zutun wahr, was rund um mich passiert, definiere Zusammenhänge und reflektiere. Ich frage mich was mir gefällt und was ich nicht mag. Etwas schön und faszinierend finden. Peter Sandbichlers in Origamitechnik gefaltete Zeitungsausschnitte und ihre Inszenierung im Raum. Oder die spielerische Anordnung von Helga Philipps Domino.
Installationsansicht Peter Sandbichler in der Kunsthalle Krems, Foto: Oliver Ottenschläger


Ich bin Freundin von Oberflächlichkeiten, die ganz unerwartet auf mich einprasseln und mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Deshalb mache ich mich auch chic für den Museumsbesuch. Nicht auf Opernniveau, aber eben auch nicht Sofastyle, der auch zum Einkaufen reicht. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Vielleicht geht es mir um Ästhetik.

Museen und ihre Ausstellungen bedeuten Austausch auf Augenhöhe und ohne Erwartungen. Punkt.


Kunsthalle Krems
Jeden Sonn- und Feiertag findet die KUN?T!NFO als Möglichkeit des direkten Frage Stellens im Ausstellungsraum an das Kunstvermittlungsteam statt.
Weitere Informationen unter Kunsthalle.at

21er Haus
Eine Veranstaltung zur ABSTRACT LOOP Ausstellung, die mich sehr anspricht, ist der Vortrag "Geometrie und Mathematik in Natur und Kunst" von Georg Glaeser am 27. April 2016 (Anmeldung)

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