wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about
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24.05.2017

#Museumsfrühling 2017: Einblick, Ausblick, Rückblick



Schon in meinen Vorbereitungen zum Museumsfrühling 2017 habe ich bemerkt, dass es unmöglich ist alle Museen, nämlich 100 an der Zahl, an nur einem Wochenende zu besuchen. Allerdings habe ich neben den bereits Angekündigten noch ein paar im Kremser Raum besucht.

Römermuseum Mautern

Alea iacta est. Die Würfel sind gefallen. So heißt das römische Sprichwort, das ich zuerst in Asterix & Obelix Comics lesen musste, um später zu erkennen, dass es doch nicht aus der Feder der Cartoonisten kommt... Das Römermuseum, direkt im ehemaligen Favianis direkt an der Donau, besteht aus alten Gemäuern und einem Entdeckungsweg rund um das Lager.

Im Museum selbst fokussiert man sich auf Spiele. Bereits beim römischen Literaten Ovid ist belegt, dass Spiele omnipräsent waren. Jünglinge, die mit Nüssen (Walnüsse, denn die haben eine so schön natürlich ovale Form) ihre Geschicklichkeit und Geduld überprüften. Oder junge Mädchen, die mit Knöchelchen spielten. Ein beliebtes Instrument hierzu war der 12-seitige Würfel oder gar Spielfiguren aus Glas.

Spannend, was du dort alles entdecken kannst. Der Raum ist klein, aber sehr, sehr fein! Nimm am besten Freunde und Freundinnen mit um die Spiele direkt vor Ort auch ausprobieren zu können.


Ein Beitrag geteilt von diekremserin on the go (@lucietae) am

Schloss Traismauer

Ein Archiv einer Stadt gibt viel her. Da gibt es einiges zu entdecken und zu sehen. Vor allem der Innenhof des Schlosses hat mich begeistert, mit all seinen gemeißelten Steinen. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich obwohl ich seit langem in der Gegend lebe und arbeite mich noch nie nach Traismauer vorgewagt habe. Schade. Zum Glück serviert mir das Museumsfrühlingswochenende die Stadt am Silbertablett. Angeblich verweilte hier laut Nibelungensage die königliche Kriemhild...



White Cube in Krems 

Forum Frohner, das als Ort des Austauschs und der Begegnung errichtet und in den mittelalterlichen Komplex des Minoritenklosters eingegliedert wurde, zeigt bis Oktober die Schau „Hommage an Werner Hofmann. Biennale Des Jeunes De Paris“ … wer nicht viel mit Werner Hofmann anfangen kann, verüble ich ein gewisses Unverständnis nicht. Aber sehenswert ist die Schau aus kunsthistorischer Sicht auf jeden Fall: was macht einer der wichtigsten Kuratoren der Moderne anders? Wie gehen Künstler mit der Gegenwart der 1960er Jahre um? Wie wird diese Spurensuche von zwei Kuratorinnen und Kunsthistorikerinnen in die heutige Zeit übersetzt? Erst wirkt die Schau nüchtern und dokumentarisch, dennoch erzählt sie so viele Geschichten vom großen Werner Hofmann, von seiner Belesenheit, seinem Kunstgeschmack und nicht zu letzt von seinen treffenden Aussagen:

„Kunst ist - wie Kitsch - Verhandlungssache.“


Mehr davon, nächstes Jahr!

07.05.2017

Es ist offen: Kunstprojekt in Kirchberg

Öffnungszeit ist Kulturraum


Für uns alle ist ein neuer Bereich in Kirchberg am Wagram geöffnet worden. Offener Kulturraum. Austauschort. Platz des Nachdenkens. Ein ehemaliges Gefängnis, das zu einer Jugendbesserungsanstalt umfunktioniert wurde, öffnet sich seinem Dorf. Wissenschaftlich, künstlerisch und historisch - aber mit einem Fokus auf Aktuelles, auf das, was wir alle gemeinsam zu diesem Raum beitragen können.

Einblick in den Raum durch Nadja Meister: Kontakt zum Außenraum, über Licht. © diekremserin on the go

Kirchberg am Wagram und ich

1995 im September wurde Kirchberg für vier Jahre lang Ort der Bildung, des sozialen Lernens und des Netzwerkens: Ich war Volksschülerin in der hiesigen Schule. In der jüngeren Vergangenheit hat mich Kirchberg sozusagen heimgesucht. Die Galerie Augenblick, die im Jahr 2015 gegründet wurde und im ehemaligen Bezirksgericht angesiedelt ist, hat sich ein anschließendes Gebäude zum Auftrag gemacht. 1912 in Auftrag gegeben von Kaiser Franz Joseph I. wurde jedem Bezirksgericht ein Gefängnis angebaut. Um den Strafvollzug möglichst rasch und problemlos über die Bühne zu bringen. Strafanstalt für Erwachsene, Gefängnis für Regime-Gegner im Nationalsozialismus, Nazi-Gefängnis in der Russischen Besetzung und letztendlich bis 1974 Erziehungs- und Besserungsanstalt als Außenstelle von Kaiserebersdorf. Ab 2017 durch das Viertelfestival soll ein neuer Zugang, eine weitere Beschäftigung mit dem Raum und eine neue Funktion entstehen. Mit dieser sehr linearen, unemotionalen Geschichte konfrontiert, überlege ich also, ob ich Teil davon sein möchte.
Ausblick auf die Kirchberger Pfarrkirche durch den Gang. © diekremserin on the go

Alle Türen sind offen. © diekremserin on the go

Ja, ich will

Ich war kuratorisch und vor allem kunstvermittlerisch - also im Nachdenken über wie Geschichte und Transformation des Raumes zusammenspielen und mit den BesucherInnen erarbeitet werden kann. Ein Ort wie dieses kalte, sehr unspektakuläre Gebäude lädt ein Spuren zu suchen und vor allem zu entdecken, mit Assoziationen zu arbeiten und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Welche Menschen waren hier? Wie lange waren sie hier? Was ware ihre Funktion? Welche Berufsgruppen mussten hier arbeiten? Wie nahmen die Menschen „draußen“ dieses Gebäude wahr? Gibt es Zeitzeugen? Wenn ja, wollen sie sprechen? Wer beschäftigt sich mit den Langzeitfolgen dieser Anstalt? So viele Fragen, die sich mir gleich stellten, die ich aber nicht beantworten konnte. Und bis heute sind viele davon unbeantwortet oder unbefriedigend beantwortet. Ich bin weiterhin auf Spurensuche. Im Auftrag von einer Verbindung zu diesem Ort, an dem ich aufgewachsen und selbst in jungen Jahren gelehrt und geprägt wurde. Von Lehrern und Lehrerinnen, die sich mit den geltenden Kinderrechten auseinandersetzten, sie uns näher brachten und die uns vor allem menschlich behandelten. 200m entfernt, 20 Jahre zuvor, war dem nicht so.

Insecurity. Hans Woertls Beitrag © diekremserin on the go




Türen erzählen Geschichten. Künstlerinnen wie Andy Wallenta fügen neue Geschichten hinzu. © diekremserin on the go

Teil werden, Teil haben

Den gesamten Mai über hast du die Möglichkeit unter Anleitung und mit Moderation von freiwilligen Guides durch das Gebäude zu gehen und deine Eindrücke zu sammeln. Mit deiner Geschichte, mit deinen Assoziationen, die du eventuell preisgibst, oder für dich behältst, wirst du Teil des Raumes, Teil des Geschichte. Jeder und jeder trägt Geschichte aus eigenen Perspektiven bei.

Ich bin da. © diekremserin on the go
So, 7.5. 10-18 Uhr
So, 14.5. 10-18 Uhr
So, 21.5. 10-18 Uhr
Do, 25.5. 10-20 Uhr
So, 28.5. 10-18 Uhr

Weitere Informationen 

24.04.2017

TOP Museumstour: ab nach Krems und St. Pölten!

Museum Niederösterreich

Inmitten von Natur und Geschichte verliere ich mein Herz an die Tiere


St. Pölten ist das politische, geschichtliche und naturwissenschaftliche Zentrum von Niederösterreich. Das Top-Ausflugsziel Museum spielt hierbei eine große, wenngleich spielerische Rolle. Ausprobieren kann Groß wie Klein im Museum Niederösterreich vieles: vom Fische sezieren über die Fütterung bis hin zum Kennenlernen der Pflanzenwelt der niederösterreichischen Alpen. Strömen unter der Woche Schulgruppen ins Haus, erwarten die Natur- und KulturvermittlerInnen am Wochenende vorwiegend wissbegierige Familien.

Illustration eines Asteroiden, der auf die Erde einschlägt © Don Davis


Die Museumstour „Gewaltig! Extreme Naturereignisse“ hält was sie verspricht. Habe ich nicht auch Angst vor dem nächsten Gewitter, das bestimmt kommen wird? Ja, klar! Wie genau funktioniert das denn mit Blitz und Donner? Wie viele Sekunden waren hier nochmal dazwischen? 21, 22, 23, 24,… auf kurzweilige Weise klären die Ausstellungen im Museum nicht nur gängiges Halbwissen, sondern fordern auch zur Rallye durch die familienfreundliche Einrichtung.

Ich bin ja keine Tierfreundin. Ich weiß auch, dass das nicht gern gehört wird. Vielleicht liegt das auch eher an meiner unbegrabenen Fede mit dem Schulfach Biologie. Leider keine Liebesgeschichte. Aber hier im Museum finde ich plötzlich alles ganz spannend und wissenswert. Möglich, dass ich meine Liebe zur Naturgeschichte noch finde…

Wenn schon in St. Pölten unterwegs, möchte ich auch gutes Essen genießen, da gibt’s glücklicherweise mehrere Möglichkeiten:



Kunst, Kunst, Kunst und ein großes, kleines Haus für Karikatur

Kunsthalle Krems, Karikaturmuseum Krems und Forum Frohner, home sweet home für mich



Dort wo die Baustellen klaffen, dort ist die Kunst zuhause. Ist das zu polemisch? Nun ja, Kunst reißt bekanntlich Wunden auf, provoziert und prangert an. Das passiert momentan am Minoritenplatz 4, im Forum Frohner, dem kleinsten, aber oho-Ausstellungshaus der drei bestehenden Institutionen, die zur Kunstmeile Krems gehören.

Augen öffnen! Das Motto der Landesgalerie Niederösterreich, die ihren Infopavillon an der Schiffsanlegestelle begehbar gemacht hat. © diekremserin on the go


Auf dem Weg zu den anderen beiden Häusern der Kunstmeile Krems, die gerade um das Stammhaus der Landessammlungen Niederösterreich erweitert wird, ist also die Baustelle voll im Gange. Aber dahinter verbirgt sich Magisches. Beim im letzten Jahr verstorbenen Manfred Deix entzückt nebst Audioguide (hier zum Smartphone-Download) natürlich die Brisanz der Themen. Hier wird Provokation nach wie vor hochgeschrieben. Gut zu wissen ist, dass das Karikaturmuseum Krems jeden ersten Sonntag im Monat ein Familienpaket anbietet: Führung durchs Haus mit Rätselraten und Entdeckungsreise der lachenden Fassade… Offenbarungen indoor sind vorprogrammiert. Seid gespannt!

Last but not least, vor allem auf meiner persönlichen Lieblingsliste, weil zeitgenössische Kunst: die Kunsthalle Krems. Ab 1. Juli 2017 streckt sich die Kunsthalle weiter hin zur Altstadt von Krems aus und darf die Ausstellungen in der Dominikanerkirche mitbestimmen. Dort trumpft der französische Künstler Sébastien de Ganay mit wunderbaren, Raum und Zeit verbindenden Installationen auf: große Wachskerzen in Form der Kirche und neue Fließen für den Boden - mehr will ich aber gar nicht verraten.

Am ca. 1,8km langen Weg zur Kunsthalle kann vieles entdeckt werden - zum Beispiel Kunst im öffentlichen Raum - außerdem bietet die Schillerstraße einen optimalen Flanier-Weg zur Kunsthalle, gesäumt von Bäumen. Oder aber du nimmst das Rad, da ist die abstrakte Kunst, die ab Sommer die Hallen belebt, schneller erreichbar. Und eventuell geht’s danach zum Schwedenheurigen in Stein (Heuriger Stagard). Ein weiterer, etwas entfernterer Tipp sind die Köstlichkeiten im Café Maria in Mautern. Dort sind die besten Schaumrollen in Produktion.

23.04.2017

Wenn der Frühling kommt...

...startet die Kultursaison in Niederösterreich 


Ich kann es selbst kaum erwarten! Endlich wieder Sonne. Blauer Himmel. Beim Aufstehen in der Früh Helligkeit. Die Tage werden länger. Die ersten Blumenköpfe schießen aus dem Boden. Der Winter ist vorbei. In Niederösterreich feiert die Museumslandschaft den Frühling. Blümchen in Grün, Violett und Gelb können auf der Landkarte vom museumsfruehling.at entdeckt und besucht werden. Denn am Wochenende des Internationalen Museumstags, öffnen viele kleine, große, historische, künstlerische oder musikalische Museen ihre Türen.




Alle Institutionen fahren großes Programm für die ganze Familie auf - Sonderprogramm zu vergünstigten Preisen oder sogar ganz gratis... lass dir diese Möglichkeit keinesfalls entgehen. Vor allem, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf den nackten Schultern kitzeln.

Entdeckungsreise Niederösterreich! 

Am 20. und 21. Mai begebe ich mich in bekannte und unbekannte Ecken des Bundeslandes in dem ich aufgewachsen bin, in dem ich arbeite und in dem ich mich sehr zuhause fühle. Niederösterreich bietet viel: kleinere, wie größere Hügel um zu wandern (die Schisaison ist zwar vorbei, aber Ja, du kannst auch Schifahren bei uns), Radtouren an der Donau entlang, die besten Weine (egal ob im Kamp-, Krems- oder Traisental, Wagram oder Wachau,...) und natürlich fantastische kulturelle Einrichtungen zwischen Bildender Kunst, Volkskultur und Musik. Auswählen kannst du aus mehreren Kategorien, die dir auch lose Touren vorschlagen. In meinem Fall schlage ich bei der Kulinarik zu. Ich möchte immer etwas mit dem lieben Essen dazulernen oder natürlich im besten Falle selbst kosten...

Meine fünf Favoriten stelle ich heute schon zusammen bevor ich dann tatsächlich von meiner (kulinarischen) Reise durch den Museumsfrühling 2017 berichte (auch LIVE via Facebook, Instagram und Twitter).

(1) Erstes österreichisches Küchenmuseum und Greisslermuseum
(2) Erlauf Erinnert
(3) Römermuseum Tulln
(4) Stadtmuseum "Alte Hofmühle"
(5) Museum Ostarrichi

Folge mir auf meiner Entdeckungsreise durch die kulinarisch, musealen Angebote durch Niederösterreich, mit #museumsfruehling ist dies ganz einfach möglich.

Nicht vergessen, Sonnenbrillen-Alarm! 

07.04.2017

TOP Stiftetour: vom Waldviertel in die Wachau, Teil 1

Geh doch ins Kloster! 

Seit meiner Kindheit besteht eine innige Verbindung zu Klöstern und ihren meist barocken Erscheinungsbildern. Ich erinnere mich dunkel an grandioses Eis mit noch grandioserem Ausblick über das Donautal in Göttweig, dem Benediktinerstift, das mir am nächsten ist. Täglich blicke ich aus meinem Bürofenster auf die wie eine Festung wirkenden Klostergemäuer. Eine andere Erinnerung bringt mich in mei sieben jähriges Ich zurück, das durch die Hallen des Melker Stiftsgymnasiums - allerdings im Sommer - fegt. Oder wie war das während meines Studiums als ich mich auf barocke Wandmalereien fokussierte und zwischen Altenburg und Melk alle Paul Troger (und Schüler) Fresken  auswendig lernte? 

Diese Verbindungen bestehen rein aus weltlichen Gründen und zufälligen Begebenheiten. Das klerikale, also Geistliche, schwingt in den Klöstern allein durch den kirchlichen Bau, den Nutzflächen für Gläubige und Gebetshallen sowie den bildlichen Erzählungen an den Wänden mit. Ein bisschen Geruch nach Weihrauch hie und da, Glockenläuten und der Geist der Vergangenheit, der alle Klöster begleitet. Deshalb finde ich es umso bemerkenswerter, dass sich die Klöster - große Unternehmen im Tourismus und TOP Ausflugsziele - in die Gegenwart katapultieren. Durch Ausstellungen, Programm für die ganze Familie und ohne missionarischen Auftrag. Auf meiner Tour durch die Stifte Geras, Altenburg, Göttweig und Melk möchte ich jeweils die speziellen, sehr aufregenden Angebote ansprechen. Heute verschlägt es mich ins Waldviertel! Folge mir am Sonntag, 9. April auf meiner Snap- und Instagram-Story (@lucietae).



Um ehrlich zu sein kannte ich Geras bis dato nur vom Hören Sagen. Ehrlich! Bekannte schwärmen mir vom stillen Stiftsgarten vor, von den Möglichkeiten zu fasten - ob nun körperlich oder geistig - und von den Rückzugsorten zur Kontemplation. Umweltbewusstsein und der Kontakt mit der Natur, dem Wald, werden in Geras unterstrichen. In der Wild- und Waldschule bringen Naturführer ihren SchülerInnen vom Kleinkind bis zum Greis den Umgang mit unserer der Lebenswelt Natur näher. Aber auch die Kreativität im Kloster soll nicht zu kurz kommen...

Geras. Stift vor dem grossen Brand
Stift Geras vor dem großen Brand


KREATIVURLAUB!


„In der Malerei muss man die Orte des täglichen Lebens verlassen, man schafft zuletzt den Einstieg ins neue Werk nur dann auf Dauer, wenn man die Fähigkeit in sich trägt, die Zeit zu schlachten. Zeigen wir den Mut, die Schöpfung in Zukunft in Frage zu stellen, ein duftender Blumenstrauß, ein Glas Glück wird unsere Maßlosigkeit belohnen... Wir wollen alles in Frage stellen und nur den Türgriff zu unserer Ewigkeit finden, Bezauberung heißt jetzt die Klarsicht zu diesem Licht.“
Attersee, November 2016
Die akademie.GERAS lädt ein sich geistig fallen zu lassen: in Kreativität, in den Austausch mit der Gruppe und neue Talente in sich zu finden. Christian L. Attersee leitet hier zum Beispiel einen einjährigen Malereikurs. Bis hin zum Möbel Restaurieren ist hier vieles in der Handwerklich-künstlerischen Praxis möglich. Die Ateliers sind direkt im Stift Geras, in mitten den alten Gemäuern, die Ruhe und vor allem Kraft tanken lassen.

Anmeldung bis drei Wochen vor den Seminaren möglich.





KINDERSONNTAG!

Stift Altenburg
So umfangreich ist das Areal von Stift Altenburg!
Unterwegs mit den Künstlern ist eine wunderbare Möglichkeit das Stift mit Kindern zu erkunden. Gemeinsam mit Sophie und anderen Kunstvermittlerinnen werden die Erkundungen in einem Reisetagebuch festgehalten - jeder und jede drückt sich auf seine Art aus, kann Dinge sammeln, malerisch oder zeichnerisch festhalten oder gar einen Text über die Ereignisse schreiben...

25. Juni 2017 - 14:00 Uhr
Führung mit Kreativteil für Kinder von 6-12
Eintritt frei, Materialkostenbeitrag 5 €
Anmeldung erforderlich per Mail

Hier kommt der Link zu meinen Live-Stories!  


Dieser Beitrag wurde von TOP Ausflugsziele Niederösterreich in Auftrag gegeben und gesponsert. 



17.09.2016

#socialconference im Albertina Museum und die Lust endlich wieder nach Frankreich zu fahren

Chaos Punkt.

Pointillismus = einer der vielen -ismen, den die Kunstgeschichte erfunden hat, um eine Epoche zu beschreiben. Dabei hat sie sich nicht besonders angestrengt, sondern das wichtigste Stilmittel der Strömung aufgegriffen und an den Anfang des Wortes gestellt: Pointe.

#SeuratSignacVanGogh

Wikipedia charakterisiert die Kunstströmung wie folgt:
Typisch für den Pointillismus ist der streng geometrisch durchkomponierte, oft ornamental wirkende Bildaufbau. Im Gegensatz zum Impressionismus wird nicht mehr eine realistische Momentaufnahme angestrebt, sondern eine wohldurchdachte Komposition. Diesen Ansatz, von der Gesamtkomposition des Bildes über die geometrischen Beziehungen, den Bildaufbau, die Beziehungen von Licht und Gegenständen hinunter zu den Einzelelementen zu gelangen, bezeichnete Seurat als Divisionismus.
 Hier fällt auch schon ein Künstlername, der als einer der Vertreter der Kunstrichtung gilt und für die Ausstellung der Albertina Dreh- und Angelpunkt ist: SEURAT.

#SeuratSignacVanGogh

#SeuratSignacVanGogh 

Social Media werden für Museen, Kunsthäuser und Ausstellungsmarketing immer wichtiger. In der Vermittlung von Themen, roten Fäden und relevanten Aussagen, bedienen sich die Marketingabteilungen den Onlinemedien und versuchen so ein neues, jüngeres, aktiveres, interessiertes Zielpublikum zu erreichen. Als eine der wichtigsten Institutionen in Wien für moderne Kunst - Picasso, Monet und Konsortien sind Stamm der Sammlung Batliner der Albertina - hätte es das Haus keinesfalls nötig in diverse Richtungen zu experimentieren. Wieso? Jede Touristin verirrt sich in die Albertina. Das Haus hat kein Imageproblem und vor allem finden BesucherInnen ihre Wege hinein und sind begeistert.

Mit der #socialconference am Abend nach der Eröffnung, im exklusiven Rahmen von nur 30 Personen nach den Öffnungszeiten das Ausstellungshaus für sich (fast) allein zu haben und fotografieren zu dürfen (sonst ist es nicht erlaubt), begeistert Social Media-affine Menschen wie mich. BloggerInnen, Twitteraten, Instagrammer und Fotografen sind vor Ort, lassen sich inspirieren, von den rosa-violetten Räumen, den schnörkeligen Schriften, den gepunkteten Bildern, den wilden Pinselstrichen, die van Gogh dann gegen Ende der Ära des Pointillismus in den Vordergrund gestellt hat und den Erzählungen von Online-Chefin Ivana und ihren Kolleginnen aus dem Ausstellungsmanagement und der Restaurierung.

#SeuratSignacVanGogh

Was bringt #socialcontent im Museumsbereich? 

Ich stelle mir selbst die Frage ob wirklich noch-nicht-BesucherInnen außerhalb des Museumsbereichs angesprochen werden von Informationen und vor allem Geschichten, die entwickelt werden, um Aufmerksamkeit zu machen. Content. Wie viel Content vertragen wir noch? Welchen Content möchten wir hören? Was sind die spannenden Geschichten, die Bilder vermitteln? Ich habe aufgrund der Einladung drei Überlegungen hierzu zusammengefasst:

(1) Exklusivität: Speziell im kleinen Rahmen durch Ausstellungen zu gehen, die sonst als Besuchermagneten kein Gustieren erlauben, spricht an. Allein vor Bildern zu stehen. Nahe ran gehen zu dürfen. Hierbei erschließen sich Geschichten wie von alleine. Ich möchte wissen, wieso Seurat und Signac befreundet waren, wie sie miteinander gesprochen haben, möchte wissen, wieso pointillistische Portraits vor allem von einem Künstler gemalt wurden und so weiter. Und dann noch: wie cool ist es, dass auch Piet Mondrian und Pablo Picasso mit Arbeiten vertreten sind?

(2) Urlaubsinspiration: Ganz ehrlich? Ich hab mir gedacht, dass ich lange nicht in Frankreich war, wie schön das Licht in Paris sein muss. Sonnenuntergang auf einer Dachterrasse. Oder am Strand in Antibes, wo sich unterschiedliche Farbreflexionen im Wasser spiegeln. Wie wäre es mit einem Segelturn in Richtung nirgendwo? Zu zweit, allein, mit Familie und Freunden. Frankreich ruft!

(3) Zeit: Take your time! Ganz eindeutig verleitet ein leeres Museum dazu, länger zu verweilen, genauer hinzusehen und vor allem durchzuatmen. Da bekommt das Energie Tanken und aufmerksam Schauen eine ganz neue Bedeutung. Zeit ist Gold wert. Nicht einmal durchgehen, sondern mehrmals hin und her zwischen Anfang und Ende, zwischen Start und Ziel, zwischen Früher und Später. Hier werden plötzlich Zusammenhänge klar, die Zeit benötigen. Wo war hier nochmal der Punkt? - Bei Vincent Van Gogh erlebe ich, dass pointillistisch auch wilde Formen sein können.

#SeuratSignacVanGogh

Weitere Bilder findest du in meiner flickr-Galerie:

#SeuratSignacVanGogh at Albertina Museum, Vienna

Many thanks, Merci & Dankeschön an das Team Albertina Museum für die Einladung. #arttogo #keinTagohneKunst #SeuratSignacVanGogh sind die Hashtags, die ich verwendet habe.

30.07.2016

Auf den Maler gekommen: Martin Johann Schmidt im Farblabor

Ist dir schon langweilig in den Sommerferien? Täglich schwimmen gehen geht sich in Österreich leider sowieso nicht aus, denn die chaotischen Gewitterzüge machen uns immer wieder einen Strich durch diese Rechnung.

Kommt bei dir gar Lust auf ein wenig Kreativität auf? 


Ganz stolz bin ich auf die bereits siebente Veranstaltung "Kunst trifft...", die ich gemeinsam mit meinen Kolleginnen von der Kunstmeile Krems heuer ist Leben gerufen habe: Workshops zu verschiedenen künstlerischen Techniken und spannenden Themen rund um Kunst, Karikatur und Museum für Erwachsene.

Die Sommerferien laden dazu ein wie eine Touristin durch Krems zu gehen - schon in den vergangenen Jahren durfte ich einerseits als Tourguide mit Creativelena oder auf dem Rad Stadtrundfahrten machen. Dabei kam Stein, der zweite Teil der charmanten Doppelstadt Krems-Stein, meist zu kurz. Gemeinsam mit Christine Emberger entdeckte ich bei einer Vorab-Stadtführung die fragile, historische Stadt aus der Sicht des bekannten Kremser (stimmt nicht, denn es ist ein Steiner!) Schmidt.
Christine Emberger als Martin Johann Schmidt  © Martina Hackel
Christine Emberger als Martin Johann Schmidt  © Martina Hackel

Wer ist eigentlich dieser Kremser Schmidt?

Das fragte sich Christine ebenso und begann zu recherchieren. "Das ganze Projekt ist als Steinerin ein Herzensprojekt von mir. Je mehr ich in die Materie eintauchte, desto mehr Fragen wurden offengelegt... ich glaube ich werde nie damit fertig..." Mit einer umgänglichen und offenen Art geht die forschende Fremdenführerin und begeisterte Reisende auf ihr neues Projekt "Martin Johann Schmidt und Stein" zu. "Perücken! Du weißt gar nicht, wie schwierig es ist die perfekte Perücke zu finden, das hier ist schon die dritte... und den Hut, den muss ich aufsetzen, sonst kann mich wirklich niemand anschauen..." 

Mit einem jahrhundertealten Gehrock, einer Farbpalette, Pinsel und Perücke ausgestattet, treffe ich Christine am Linzer Tor. Dort sehen wir uns um: was ist heute da? Womit musste sich Martin Johann, der hier aufgewachsen ist und sein ganzes Leben verbracht hat, herumschlagen? Sie erzählt begeistert aus dem Leben des großen niederösterreichischen Künstlers, das 1718 in Grafenwörth bei Krems begann. Bald feiern wir also sein Geburtsjubiläum, eine große Sache für die Doppelstadt. Verstorben ist er auch in Krems, alt, aber immer noch sehr feinfühlig was seine Arbeiten betrifft. Bewundern kannst du "Kremser Schmidts" in vielen niederösterreichischen Klöstern, wo der Herr Auftragsarbeiten erhielt. Fad wurde ihm wohl nie. Seine besonders geschäftige Werkstatt in Krems vergleichen Zeitgenossen angeblich sogar mit Rembrandt. 


Gemeinsam mit Christine entdecken wir einige Originale, besuchen das Grab des Malers und hören einiges aus dem bewegten Leben des doch sehr braven Künstlers. Zurück an der Kunstmeile Krems entschwinden wir ins Farblabor: mit welchen Bindemitteln haben Künstler dieser Zeit gearbeitet? Wie entsteht das sogenannten Kremser Weiß? Und was hat es mit der Vorzeichnung auf sich? 

Der "Kunst trifft... Martin Johann Schmidt"-Workshop gibt Einblick in die Geschichten der Vergangenheit, die uns heute mit Fresken an den Hausmauern oder Altarbildern in den Kirchen noch begleiten, die über das Kopfsteinpflaster mitgetragen werden und die in den versteckten Eckchen von Stein auftauchen. Außerdem wird praktisches Anwenden gefragt sein - ausprobieren. Keine Vorkenntnisse notwendig. 

Zurück in die Zukunft mit Christine Emberger - Kunst trifft... Martin Johann Schmidt im Farblabor 

Anmeldung über 02732 908010 oder office@kunstmeile.at
10 Euro pro Person 

Mehr zu Martin Johann Schmidt via Bundesdenkmalamt.  

21.07.2016

Fünf Dinge, die ich mir von Peggy Guggenheims Leben abschaue

Peggy Guggenheim auf den Stufen des Griechischen Pavillons, in dem sie ihre Sammlung während der 24. Biennale in Venedig im Jahr 1948 ausstellte. In der Hand hält sie ein Gemälde ihrer Tochter Pegeen Vail (Interior, 1945). © Roloff Beny / Courtesy of National Archives of Canada
Peggy Guggenheim auf den Stufen des Griechischen Pavillons, in dem sie ihre Sammlung während der 24. Biennale in Venedig im Jahr 1948 ausstellte. In der Hand hält sie ein Gemälde ihrer Tochter Pegeen Vail (Interior, 1945).
© Roloff Beny / Courtesy of National Archives of
Canada
Sei du selbst!
Tu so, als gebe es kein Morgen
Kommunikation über alles
Folge deiner Intuition
... don’t give a shit!

Sei du selbst! 

Die neueste Doku über Peggy Guggenheim (Peggy Guggenheim - Ein Leben für die Kunst), die exzentrische Kunstsammlerin des 20. Jahrhunderts, geht auf ein wiederentdecktes und noch nie verwendetes Interview zurück, das die bereits 90-Jährige über ihr Leben reflektieren lässt. Wahrscheinlich ganz unvermittelt, glaubt PG an sich selbst. Sie ist davon überzeugt, dass jede Entscheidung ihren Grund und ihren Fortsatz hat. Ich bewundere Menschen, die mit Selbstbewusstsein ihrem Leben gegenüber entscheiden, sich verändern und in Abenteuer begeben.

Roloff Beny fotografierte Peggy Guggenheim auf der Biennale in Venedig durch die Skulptur Developable Surface des Künstlers Antoine Pevsner hindurch. © Roloff Beny / Courtesy of National Archives of Canada
Roloff Beny fotografierte Peggy Guggenheim auf der Biennale in Venedig durch die Skulptur Developable Surface des Künstlers Antoine Pevsner hindurch.
© Roloff Beny / Courtesy of National Archives of
Canada

Tu so, als gebe es kein Morgen

PG war keine reiche Frau, zumindest zu Beginn ihrer Karriere als Netzwerkerin stand die Dame mit dem klingenden Namen (ihr Onkel war Solomon Guggenheim, der das Guggenheim in New York initiierte) ziemlich karg da. Aber das störte die junge Frau nicht, denn sie tat das, was viele wohl nicht getan hätten: sie investierte in ihre Freundschaften, umgab sich mit Künstlern und entdeckte mit viel Feingefühl neue. Sie erschuf Trends und war als klares Anti-Sexsymbol ein Konterpart zum gängigen Schönheitsideal. Meiner Meinung nach, lebte die Frau im Hier und Jetzt. Vielleicht hatte sie eine Idee, wie der morgige Tag aussehen sollte, entschied sich aber eindeutig klar für heute.

Kommunikation über alles

Jackson Pollock, Salvador Dalí, Luis Buñuel, Willem de Kooning – egal ob Vertreter des abstrakten Expressionismus, des Dadaismus oder einer anderen –ismus Strömung des frühen 20. Jahrhunderts: PG hatte auf jeden Fall ihre Finger im Spiel. Du auf Du mit den großen Erneuerern der Avantgarde, mit Picasso und Konsorten, ihr Lebensstil – „Ich hatte mit jedem eine Affäre.“ – ließ ein ständiges im Kontaktsein mit Literaten, Künstlern und Musikern zu. Quasi gegenseitige Befruchtung,... durch (tiefgehende) Kommunikation. Ich werfe PG vor, dass sie sich zu sehr um die Menschen hinter den Kunstwerken kümmerte, gleichzeitig verschuf ihr dieses enge Netzwerk einen unglaublichen Einblick in die Sphäre der Kulturschaffenden.

Folge deiner Intuition

Zusammenhängend mit all den anderen Punkten, die ich mir von der guten Frau Guggenheim abschauen möchte, liegt auf der Hand, dass ihr Instinkt ganz gut funktionierte. Sie wusste genau in welcher Situation sie was sagen musste, wen sie wie behandelte und wohin sie als nächstes strebte. Vielleicht stimmt Punkt Nr. 2 doch nicht ganz so, sondern der große Plan war im Kopf durchaus verankert. Oder aber, so mutmaße ich, ein Quäntchen Glück, Skrupellosigkeit und ein Hang zur Dramatik verhalfen PG zu ihrem Erfolg. Und da wäre noch die weibliche Intuition, die ich ihr nun andichte. Eng mit der Szene verbunden zu sein, bedarf ein gewisses Geschick, ein Einhalten von Regeln und seiner Position, die eingenommen wurde. Trotz den künstlerischen Freigeistern werden (nach wie vor) gerne traditionelle Rollen verteilt. Maler – Muse, Lehrer – Schülerin, Kunst – Inspiration. Die Frau als Objekt der Begierde, als passives, (eindeutig) weiblich-konnotiertes Modell steht dem zu begehrenden, betrachtenden Künstler gegenüber. Jener, der den Ton angibt.

... don't give a shit! 

Braucht es dafür eine Erklärung. PG tat was sie tat. Ohne Rücksicht auf Verluste. Mit denen hatte sie aufgrund der harten Geschichte sowieso zu kämpfen. Verlust, Tragik und ein erfülltes Leben stehen gerade bei der 2006 verstorbenen Dame nahe beieinander.
Plakat zum Film PEGGY GUGGENHEIM Ein Leben für die Kunst
Plakat zum Film PEGGY GUGGENHEIM Ein Leben für die Kunst

I took advice from none but the best. I listened, how I listened! That's how I finally became my own expert.
(Peggy Guggenheim)


Bilddateien über filmpressekit.de

05.05.2016

Fast and Furious: eine ganz besondere Kinogeschichte

Kooperationen zwischen kulturellen Institutionen zeigen mir immer wieder, wie schön interdisziplinäres Arbeiten innerhalb des dehnbaren Kulturbegriffs sein kann. Kino und Karikatur scheinen weit auseinander zu liegen. Kino und Comic, da kommen wir einander schon näher, oder?



Seit diesem Jahr öffnen sich die Ausstellungshäuser der Kunstmeile Krems (Karikaturmuseum Krems, Kunsthalle Krems, Forum Frohner) einmal monatlich abends für einen After-Workshop, mit dem Titel Kunst trifft.... An jedem ersten Mittwoch im Monat treffen die WorkshopteilnehmerInnen auf einen neuen Begriff, in der Vergangenheit waren dies Malerei, Tinte und Trickfilm. Und gestern, am ersten Monat im Mai: Kino.

Im Anschluss an den Workshop zeigt das Kino im Kesselhaus DRIVE von Nicolas Winding Refn mit Ryan Gosling (2011)

Verfolgungsjagden only? Oder gibt's andere Autos im Film...

Unweit des Karikaturmuseum Krems liegt das kleine Programmkino im Kesselhaus direkt am Campus der Universitäten und Fachhochschule - nichts ist also leichter die beiden Häuser näher zusammen zu rücken. Der Einstieg in die Thematik Kino liegt auf der Hand: wir widmen uns nicht nur dem Kino allgemein, sondern werfen gemeinsam mit Kunstvermittlerin Eveline einen Blick auf die Karikaturen und Comics, die in der Ausstellung Kult auf 4 Rädern gesammelt wurden. Die Gruppe ist klein, ganz exklusiv können wir unseren Assoziationen freien Lauf lassen und uns schon fragen wie weit uns die gezeichneten Arbeiten aus den letzten 100 Jahren an Filmsequenzen erinnern.  "Thelma und Louise!" - ganz klar, eines der Originalcomicblätter aus der comic-car-collection von Rochus Kahr wird sofort mit der Schlussszene des Kultfilms mit Susan Sarandon in Zusammenhang gebracht... Aber ich will hier nicht zu viel verraten. 
Inspiriert und mit Inputs aus der Autoausstellung gehen wir gemeinsam mit Eveline und Filmvermittlerin aus dem Kino im Kesselhaus Martina, die uns schon in der Ausstellung immer wieder auf filmische Zusammenhänge oder stilistische Mittel die ComiczeichnerInnen mit FilmemacherInnen verbinden hingewiesen hat, ins Atelier. 

Schauen, Hören und gemütlich Zurücklehnen ist nun angesagt. Martina ist voll in ihrem Element: "Ich bin voll hinein gekippt in der Vorbereitung auf diesen Workshop, denn in so vielen Filmen ist das Auto ein wichtiges Symbol ... für Unheil, Tod oder eine Umkehr." Dass sie sich mehr als intensiv vorbereitet hat, merken wir nicht nur im Enthusiasmus, sondern auch durch die Filme, aus denen sie erzählt.

Geschichte, aber nur kurz!

Nachdem ich vor einigen Jahren am Institut für Romanistik französische Mediengeschichte als Kurs belegte, weiß ich zumindest über die Anfänge des Films Bescheid (oder werde von Martina daran erinnert, was ich alles wissen sollte...). Die Gebrüder Lumière mit ihrem Film- und Abspielapparat, als erstes Homecinema, das aber eher in Gesellschaft in Cafés und Varietés geschaut wurde. Oder die Entdeckung des Stopptricks. Was das ist? Frag Martina!

Fünf Stationen des Workshops, die ich sehr genossen habe: 


1. Arrival of a Train at La Ciotat (The Lumière Brothers, 1895)
Verbunden mit der Legende, dass beim erstmaligen Zeigen des Films die ZuseherInnen aus Angst und Panik aufgesprungen sind und das Lokal verlassen haben, hat dieser Film schon fast alle möglichen Einstellungen einer fixen Kamera. Fun Fact: die Aufnahmen der geschäftigen Menschen haben nicht ausschließlich dokumentarische Eigenschaften. Sie wurden von den Brüdern eingeladen, fesch gemacht und inszeniert...




2. Playtime (Jacques Tati, 1967)
Aufnahmen aus den 1960er Jahren mit wunderbarem Drive und kindlichem Spielgenuss. Tati weiß wie man Menschen zum Schmunzeln bringt...




3. Lost Highway (David Lynch, 1997)
Mit dem Soundtrack von David Bowie (I'm Deranged) lässt das Intro zu Lost Highway schon auf eine typische Lynch Geschichte hindeuten: offenes Ende, offene Interpretation, offene Augen - weil schlaflos...




4. Rebel Without A Cause (Nicholas Ray, 1955)
"You are tearing me apart!" James Dean in seiner Rolle. Nur vier Filme hat der früh verstorbene und zur Legende mystifizierte Dean abgedreht. Erfolgreich. Ein Klassiker der Film-Auto-Geschichte. Und intensiv mit seinem tatsächlichen Ableben verbunden...



5. Drive (Nicolas Winding Refn, 2011)
Der Film wurde nicht im Workshop vorgestellt, sondern dann im Kino gezeigt. Denn nur der Saal, der Sound und die Atmosphäre im Kino kann Emotionen und Einstellungen so rüber bringen, wie vom Regisseur angedacht. Oder?



01.05.2016

Explore. Dream. Discover - darum geht's im Leben!

Ich, die Interviewpartnerin

Im Jahr 2013 schloss ich den Zertifikatskurs Kulturmanagement am Institut für Kulturkonzepte in Wien ab. Ich wurde inspiriert, ich lernte viele Menschen kennen, die sich ebenso im Feld Kultur bewegen, die selbst künstlerisch tätig sind, die tolle Projekte verwirklichen, wie z.B. Maria Weiss' Projekt Favola in Musica - alte neue Musik, Silvia Hegyi's Kulturverein grossundklein oder Sabine Jaroschka's vielfältiges Tun.


© diekremserin on the go via Instagram


Deshalb freute es mich umso mehr, als mich das Institut für seinen Blog anfragte und meine Tätigkeit und meinen Werdegang auf sehr schöne Weise präsentiert. Ich bin stolz und freue mich, dass ich im kulturellen Bereich arbeiten kann, vor allem versuche mit den Aktionen Bewusstsein zu bilden und Menschen zu bewegen.

Wie, bewegen? 

© diekremserin on the go
Kunst- und Kulturvermittlung, wie das im Museum so schön genannt wird, geht aktiv auf junge, alte, kleine, große, dünne, dicke, arme, reiche Menschen zu, die vielleicht noch nie in einem Museum waren oder schon ganz oft eine Ausstellung besucht haben. Gespräche mit diesen BesucherInnen oder noch-nicht-BesucherInnen zu führen, macht munter und erfrischt ganz herrlich. Denn, die kleinsten Gäste sind oftmals extrem ehrlich und tauchen wunderbar unvermittelt in Themen ein, mit denen sie noch nie davor konfrontiert waren. Ich könnte stundenlang so weiter schwärmen.

Deshalb liebe ich meinen Job in der Kulturvermittlung und das Bloggen natürlich ganz genauso...





07.04.2016

Das Museum und ich: im Selbststudium

Ich möchte Augen öffnen.

Josef Albers, 1933

Ich mag Ausstellungen, die mich einladen länger nachzudenken. Und mich fordern. Das bedeutet allerdings, dass ich ohne jegliche Vorkenntnisse - durchaus aufgrund des sprechenden Folders oder der Einladungskarte oder des Bekanntheitsgrades des Künstler oder der Künstlerin - ins Museum gehe. Vergleichbar mit einer Flasche Wein, die ich nach dem Etikettendesign auswähle, oder mit einem Buch, von dem mir der Einband besonders gefällt. Oberflächlich, ich weiß. Aber gleichzeitig sind die Erwartungshaltungen nicht ganz so elitär.

Nachdem ich Kunstgeschichte studiert habe, lasse ich das Fachsimpeln hier, aber im Museumsalltag tauchen kunsthistorische Vergleiche mit dem angesammelten Bildgedächtnis immer wieder auf. So kommt es auch, dass ich - in der Kunsthalle Krems für die Kunstvermittlung zuständig - in vergleichbare Ausstellungen gehe, bei gutem Angebot. In einem anderen Beitrag werfe ich einen kritischen Blick auf ABSTRAKT-SPATIAL. Malerei im Raum (bis 19/06/2016 in der Kunsthalle Krems), soweit es mir mein internes Auge erlaubt, und die Ausstellung ABSTRACT LOOP (bis 29/05/2016 im Wiener 21er Haus).

Esther Stocker in ihrer Installation in der Kunsthalle Krems, Foto: Oliver Ottenschläger


Die Oberflächlichkeit meines Museumsbesuches geht durchaus noch weiter: 

Ankommen und Ersteindruck. Denn wenn ich ehrlich bin, besuche ich jedes Wiener Kunstmuseum maximal ein bis zwei Mal pro Jahr. Auch wenn ich zu höheren Versuchen strebe. Geht aber nicht. Deshalb lerne ich den Eingangsbereich und das Foyer wie einen mir unbekannten Menschen kennen: die ersten sieben Sekunden sind ausschlaggebend ob ich tatsächlich bleibe oder nur kurz einen Blick über die Shopartikel werfe. Da spielen funktional-stylische Architektur und die gewählte Inneneinrichtung eine eklatante Rolle. Oder eine freundlich grüßende Person am Shop- und Ticketstand, die mich willkommen heißt. Nein, ich will nicht hofiert werden, nicht falsch verstehen, ich will angemessen und respektvoll behandelt werden. Gerade im Kunstbereich kommt es da öfter zu Verwirrungen: sind wir besonders elitär, schauen wir nicht von unseren Macs auf. Wir nehmen dich gar nicht wahr (vorwiegend gesehen in Galerien...). Bevor ich also über das erste Kunstwerk, den ersten Ausstellungstext stolpere, stehen viel banalere Faktoren im Mittelpunkt. Und? Dann kommt erst die Ausstellung...



Kunstwerke sind Werkzeuge der Wahrnehmung.

Ed Sommer, 1957

Meiner Meinung nach sollen Ausstellungen Spaß machen. Nicht im Sinne von Lauthals Lachen. Überraschung! Das soll ein Raum oder ein Raumzusammenhang in mir auslösen. Oder ein flüchtiges Schmunzeln. Eine gut gemachte Ausstellung darf mich auch verständnislos weiter flanieren lassen. Und irgendwo wieder packen und auffangen. Egal mit welcher Methode, denn damit möchte ich mich als Besucherin nicht beschäftigen müssen. Sie muss einfach da sein. Ob als Text, Vermerk, neues Werk, inhaltliche Klammer oder wie im Falle der Kunsthalle Krems sonntags als KUN?TINFO. Kommuniziert der Rundgang nicht selbst, muss und darf moderiert werden. Meist ist das Aufgabe der Kunstvermittlung/Museumspädagogik. Natürlich nehme ich auch ohne fremdes Zutun wahr, was rund um mich passiert, definiere Zusammenhänge und reflektiere. Ich frage mich was mir gefällt und was ich nicht mag. Etwas schön und faszinierend finden. Peter Sandbichlers in Origamitechnik gefaltete Zeitungsausschnitte und ihre Inszenierung im Raum. Oder die spielerische Anordnung von Helga Philipps Domino.
Installationsansicht Peter Sandbichler in der Kunsthalle Krems, Foto: Oliver Ottenschläger


Ich bin Freundin von Oberflächlichkeiten, die ganz unerwartet auf mich einprasseln und mit denen ich gar nicht gerechnet habe. Deshalb mache ich mich auch chic für den Museumsbesuch. Nicht auf Opernniveau, aber eben auch nicht Sofastyle, der auch zum Einkaufen reicht. Eine Erklärung dafür habe ich nicht. Vielleicht geht es mir um Ästhetik.

Museen und ihre Ausstellungen bedeuten Austausch auf Augenhöhe und ohne Erwartungen. Punkt.


Kunsthalle Krems
Jeden Sonn- und Feiertag findet die KUN?T!NFO als Möglichkeit des direkten Frage Stellens im Ausstellungsraum an das Kunstvermittlungsteam statt.
Weitere Informationen unter Kunsthalle.at

21er Haus
Eine Veranstaltung zur ABSTRACT LOOP Ausstellung, die mich sehr anspricht, ist der Vortrag "Geometrie und Mathematik in Natur und Kunst" von Georg Glaeser am 27. April 2016 (Anmeldung)

01.03.2016

Wie immer im März: ein Wochenende, an dem ich mich vierteilen könnte


Zwischen 8. März und 13. März findet die Diagonale in Graz statt. Peter Schernhuber und Sebastian Höglinger leiten das Filmfestival als neues Intendantenduo erstmals. In der Linzer Tabakfabrik bewundern tausende Besucher am gleichen Wochenende Design am Kunstmarkt. Genau zur gleichen Zeit – ein bisschen davor und danach aber auch – sprechen Karikaturisten und ZeichnerInnen auf der NEXT Comic in Linz. Und wäre das nicht schon genug, eröffnet am 12. März in der Kunsthalle Krems (dort werde ich sein) das 2016er Ausstellungsjahr mit zwei grandiosen Präsentationen zeitgenössischer Kunst.

Luisa Kasalicky, Delay tactics of second rate quality, 2008
Austrian Cultural Forum / London

Zwischen Vermittlung und Partizipation


Im tagtäglichen Museumsbetrieb als Kunst- und Kulturvermittlerin versuche ich mich meist in verschiedene Zielgruppen hineinzuversetzen um jenen Personen großen Spaß und vor allem einen lustigen, erlebnisreichen und spannenden Output ihrem Verständnis gegenüber Kunst und Kultur zu erreichen. Das funktioniert über Schulklassen und ihre leitenden PädagogInnen meist sehr einfach. Vor allem wenn sich das Semester dem Ende zu neigt sind Schulen angehalten nach draußen zu gehen, sich vom Lernort Schule wegzubegeben und andere Erfahrungen im Bereich Wissensvermittlung zu sammeln. Neben dieser großen, sehr inhomogenen Gruppe an 6- bis 18-jährigen Kindern/Jugendlichen versuche ich an junge und ältere Erwachsene heranzutreten. Mit welcher Motivation nehmen sie Kulturvermittlung wahr und nähern sich nicht als IndividualbesucherIn dem Museum, dem Festival, dem Stück, u.ä. sondern begegnen diesem als geführte Moderation (ich spreche nicht gerne von "Führungen").

Deshalb schaue ich bei Festivals wie der Diagonale ganz genau hin: Filmvermittlung für verschiedene Altersgruppen. Unter dem Titel "Film braucht Gespräch" lädt das Festival Lehrlinge ein sich mit Filmanalyse auseinander zu setzen. Dabei geht es nicht darum schon vorab zu wissen, sondern interaktiv - v.a. durch das Ansehen von Filmen - Verständnis für bestimmte filmische Techniken und ihren spezifischen Einsatz zu ausgwählten Themenkomplexen zu bekommen. Feingefühl und die Frage nach der Anleitung zum richtigen Blick werden hier wohl im Vordergrund stehen. Kreatives Denken fördert eine intensive Auseinandersetzung mit dem bewegten Bild und ihrere Rezeption, die meist sehr persönlich und subjektiv ist, (fast) von allein.

Auf meiner Have To See-Liste stünden Mirjam Ungers Adaption von Christine Nöstlingers "Maikäfer, flieg!" sowie die Coming of Age-Verfilmung "Beautiful Girl" mit dem wunderbaren Soundtrack der Steaming Satellites.






Malerei, extraordinaire


In der Kunsthalle Krems, wo ich maßgeblich für die Vermittlungskonzepte mitbeteiligt bin und versuche kreative Menschen anzusprechen, die sich auf den Weg ins Museum machen, eröffnen am 12. März um 18.00 Uhr Ausstellungen, die sich diskursiv mit Malerei auseinandersetzen. Da auch hierfür Gespräche und Fragen notwendig sind, nähert sich das Workshopformat "Kunst trifft..." am 6. April ab 17.00 Uhr  gemeinsam mit den Kuratorinnen und ausgewählten KünstlerInnen aus "ABSTRAKT - SPATIAL. Malerei im Raum" mittels Diskurs dem Thema an. Gestreift wird dabei auch die Personale von Stefan Sandner und die Lichtinstallation von Saint Genet in der Zentralen Halle.



Coming soon: Esther Stocker in der Ausstellung "ABSTRAKT - SPATIAL. Malerei im Raum"Info hier:...
Posted by Kunsthalle Krems on Donnerstag, 25. Februar 2016

01.02.2016

Karikatur vermitteln: was machen die anderen deutschsprachigen Karikaturmuseen?

In meinem Beitrag Anfang Jänner zum Thema Karikatur und Charlie Hebdo versprach ich in anderen deutschsprachigen Museen für Comic, Kariatur und Bildsatire zu recherchieren.

Am 11. Jänner 2016 fand im Auditorium der Volkswagenstiftung eine spannende Gesprächsrunde zum Thema Karikatur und Terror - Ein Krieg der Bilder statt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Michael Diers (Kunsthistoriker von der Humboldt-Universität zu Berlin), Sozialwissenschaftlerin Prof. Dr. Naika Foroutan und Historiker an der Freien Universität Berlin Prof. Dr. Etienne Francois diskutierte die Direktorin des Wilhelm Busch Museums Dr. Gisela Vetter-Liebenow und Politikwissenschaftler und Experte für dschihadistische Internet-Propaganda Dr. Asiem El Difraoui mit Moderator Stephan Lohr. Wie genau sich die Diskussion entwickelte, kann man im Stiftungspodcast sogar nachhören!

Wie weit darf Karikatur gehen?

Im Wilhelm Busch Museum treten Fragen wie "Was darf Karikatur?" immer wieder in diversen Führungsformaten auf. Ausblenden geht nicht. Die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo und ihre Redakteure, Comiczeichner und satirischen Beobachter unserer Zeit beeinflussen die Vermittlungsarbeit im Museum nachhaltig.

#JEDESSINE, LA JEUNESSE DESSINE POUR CHARLIE HEBDO APRÉS LE 7 JANVIER

Mit den führenden deutschsprachigen Museen (caricatura museum frankfurt – Museum für Komische Kunst, Caricatura – Galerie für Komische Kunst in Kassel und Cartoonmuseum Basel) entschied sich das Wilhelm Busch Museum in Hannover für eine Onlinepräsentation: Museen für Satire

Der Umgang mit Karikaturen setzt Wissen und ein Verständnis der Zusammenhänge voraus. Dies zu vermitteln, ist eine der zentralen Aufgaben unserer Arbeit. Mit diesem Projekt wollen wir zu einer Bewusstseinsschärfung für die im westlichen Kulturkreis verankerten Werte der Meinungs- und Kunstfreiheit beitragen.

Websites der Museen

caricatura museum frankfurt - Museum für Komische Kunst
Caricatura - Galerie für Komische Kunst 
Cartoonmuseum Basel
Wilhelm Busch Museum 


14.01.2016

Lebensmasken zum Abfeiern oder wenn ich mir Gedanken zum Tod mache


"Ich habe mein Leben immer so gelebt, dass ich auch zufrieden wäre, wenn es morgen vorbei wäre." Josef Zotter

Was mache ich an einem Sonntagnachmittag in Wien? Meine Jahreskarte im Kunsthistorischen Museum Wien läuft bald ab. Es ist nebelig. Und ich habe Lust mich vom großen Schlachtschiff der Kunst schlucken zu lassen, um inspiriert und hoch motiviert wieder raus zu gehen. Neben der ständigen Sammlung von Italien bis in die Niederlande, der Kunstkammer und dem Münzkabinett, begleiten Sonderausstellungen mit Zeitgenossen die historischen Räume. Leider war mir nicht bewusst, dass die Ausstellung Joseph Cornell am letzten Tag überfüllt ist. Sonderausstellungen neigen dazu besonders dann aus allen Nähten zu platzen. Erst wollte ich mich konzentrieren, mich hinter dem Besucher vor mir anstellen, die nächste Besucherin im Rücken zu haben und mich auf ein Tempo der anderen einzustellen.




Nein, dachte ich mir, das Museum ist heute nur für mich da. 


Ich gebe die Geschwindigkeit vor. Und die ist langsam an einem Sonntag. Nun, ich höre mich für dich wohl etwas eigensinnig an, aber während ich an der Rückseite der Vitrinen von Joseph Cornell Besucher wie Werke von der "falschen" Seite betrachtete - die einen sah ich durch das Glas und die anderen (ergo die Kunstwerke) von der verkehrten Seite, nämlich von hinten - entschloss ich mich zu den Breughels und Rubens' zu gehen. Dort saß ich womöglich eine halbe Stunde einfach nur vor einem großformatigen Tafelbild und dachte. Oder besser: ich schaute.

Arnulf Rainer by Arnulf Rainer © diekremserin on the go

Feiert das Leben!



Wunderbar, niemand ist hier in der Antikensammlung, wo ich mich suchend nach den Lebensmasken um, die zur Ausstellung "Feiert das Leben!" in Kooperation mit der Caritas der Erzdiözese Wien erstellt wurden. Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben erklärten sich bereit in Anlehnung an die antiken Totenmasken Lebensmasken von sich abnehmen zu lassen. Ein eindrucksvoll gestalteter Film direkt im Ausstellungsraum gibt jedem und jeder der zehn Personen circa eine Minute Zeit sich zum Thema Tod zu äußern. Ganz ungeschminkt wird ihnen da auch blaue, orange oder rosa Paste ins Gesicht geschmiert und ein Gipsabguss von der eingedickten Paste (ich weiß die Fachausdrücke dafür nicht) genommen. Barbara Coudenhove-Kalergi, Christiane Hörbiger, Karl Markovics, Robert Menasse, Cornelius Obonya, Arnulf Rainer, Barbara Stöckl, Michael Landau und Josef Zotter ließen Lebensmasken von sich herstellen und standen Rede und Antwort: Was bleibt von uns wenn wir gehen?


KünstlerInnen gestalten

Neben den zeitgenössischen Persönlichkeiten spielten Künstlerinnen und Künstler eine maßgebliche Rolle für die Gestaltung der Lebensmasken:  Daniel Knorr, Erik van Lieshout, Teresa Margolles, Arnulf Rainer, Hans Schabus, Hubert Scheibl, Deborah Sengl, Daniel Spoerri, Kader Attia und Nives Widauer machten sich Gedanken zur Präsentation. Am spannendsten fand ich Nives Widauers Bearbeitung von Cornelius Obonyas Abguss, der inmitten der römischen Ansammlung von Köpfen als zeitgenössisches Objekt platziert wurde.
Witzig, dass ich durch die Antiken und die Ägyptische Sammlung mit einem ganz veränderten Blick ging. Ich war nicht auf der Suche nach einem bestimmten Objekt der Sammlung, ich sah mich ständig um: entdecke ich irgendwo eine Maske? Wie eine Rätselrallye, in der ich eine versteckte Botschaft finden sollte, um am Ende eine Lösung herauszufinden.

Time flies | Nives Widauer – Lebensmaske von Cornelius Obonya © diekremserin on the go
Wie stehe ich zum Tod? Die Lösung, die ich erhielt war ernüchternd und etwas deprimierend - passend zum Nebel - denn aus zehn Kommentaren zum Tod und zehn künstlerisch gestalteten Masken wurde ich nicht schlau. Zumindest nicht soweit um den Tod für mich bestimmen zu können. Du bist genauso damit konfrontiert wie ich. Ich halte es wie Josef Zotter. Wenn ich morgen sterbe, möchte ich nichts auf die lange Bank geschoben haben. Ich will zufrieden sterben. Live a happy life. Smile.


bis 3. April 2016

Antikensammlung
Kunsthistorisches Museum Wien
Hochparterre
Maria Theresien-Platz, 1010 Wien



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