wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

28.07.2014

Glatt&Verkehrt 2014: mein Rückblick

Das Poesiealbum Musik

Von Verspannungen bis zur emotionalen Berührung


© Sascha Osaka
Ich war Newbie bei Glatt&Verkehrt. Dabei hat das Festival, im romantischen Hof der Winzer Krems platziert, schon fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Immer fand ich eine gute Ausrede, hatte dann kein Ticket für einen ausverkauften Festivaltag oder urlaubte am Strand. Aber dieses Jahr suchte ich mir gleich zwei Tage aus, an denen ich zwischen Weinbergen und Stadt, zwischen Himmel und Erde, Musik lauschen konnte, die ich so noch nie gehört hatte.

Bei Glatt&Verkehrt werden die Strickliesln und -hänse von euch denken: da geht's eindeutig um die schönste Winter-Sache der Welt, das Stricken! Keineswegs, obwohl das Festival mit seinem witzigen sowie einprägsamen Namen auf die Tätigkeit anspielt, die wir den Omas dieser Welt zuschreiben. Wir hören Glattes und wir hören Verkehrtes. Wir hören Eckiges und Kantiges, aber auch Weiches und Flauschiges. Das Festival lädt Künstlerinnen und Künstler ein, die mit ihrer Musik querdenken und aufreiben, die Ungehörtes hörbar machen und an die Grenzen des Publikums gehen.

Für mich persönlich stellte sich der Einstieg in die Materie Musik als Poesie als ein schwieriger und langatmiger heraus. Fasziniert vom Können des Autodidakten Shazad Ismaily und dem fast menschengroßen Basssaxophon von Colin Stetson, brauchte ich fast eine dreißigminütige Eingewöhnungsphase, um fassen zu können was vor sich ging. Töne, Geräusche, Klang und vermeintlich unzusammenhängende Melodien verdichteten die beiden Musiker aus den USA zu einer Musikskulptur. Während dieser Minuten, in denen ich versuchte zu verstehen, was die beiden hörbar machten, verspannte sich mein Körper. Die restliche Zeit des Konzerts erlebte ich dann das Gegenteil: hatte ich die Aussage dieser kräftigen Improvisation nun verstanden? Konnte ich nun die Augen geschlossen halten, um die Sprache von Stetson und Ismaily zu inhalieren?

© Sascha Osaka
Ganz anders erging mir das Zuhören bei Dora Juárez Kiczkovsky und ihrer Band, die sie nicht nur um einen Bass kurzfristig erweitert hatte, sondern auch um ihre Soulsister Sandra Cuevas. Nach dem instrumentenlastigen Teil 1 des Festivaltages stellten Dora und ihre Musiker Texte und vor allem die Stimme als a capella Instrument in den Vordergrund. Helle, aber dennoch feste und oft sehr emotionale Balladen zwischen Orient und Mittelamerika verzauberten mich als Besucherin. Für die sephardische Jüdin stellt sich immer wieder die Frage nach diasporá (griech.: Zerstreuung): woher kommen wir und wohin gehen wir? In Dora Juárez Kiczkovskys Worten sind wir Menschen auf einer Pilgerreise des Lebens, das uns an verschiedene Punkte führt, in denen wir mit anderen in Verbindung treten. Sandra Cuevas löste ihre mexikanische Kollegin nach vier emotionalen Liedern ab, da diese, wie sie uns Zuhörern erklärte, ihre Seelenschwester sei, der sie vertraute und mit der sie seit mehr als 10 Jahren zusammenarbeitete. Dora Juárez Kiczkovsky verwies in ihrer sehr gefühlsbetonten und so ehrlichen, kurzen Rede auf den Pilger, die Pilgerin in ihrem Bauch, der nun viel Ruhe brauchte. Sandra Cuevas ersetzte ihre Partnerin nicht, sie bereicherte die Bühne durch ihre Präsenz, ihren fabelhaften Gesang und ihre Natur Dinge geschehen zu lassen. Aus dem Träumen wollte ich gar nicht heraus kommen.

© Sascha Osaka

Nach einem stärkenden Salat im lauschigen Bier- und Weingarten des Festivals, nahm ich abermals Platz inmitten von musikbegeisterten Zuhörer und Zuhörerinnen. Die Strottern, ein herzerfrischendes Duo das Texte des Poetikers Peter Ahorner vertont, befugten zum Lachen. Die Uraufführung des Konzerts in Kooperation mit der Wiener Jazzwerkstatt und Lyriker Peter Ahorner selbst traf voll ins Schwarze. Humoristische Einlagen, Wiener Schmäh und der fabelhafte Umgang mit jazzigen Elementen dürften nicht nur mir Freude begleitet haben. Beschwingt, fast beschwipst von Musik und ihren unterschiedlichen Zugangsweisen verließ ich die Sandgrube 13 bergabwärts in die Nacht.

Kommentare:

  1. Liebe Lucia! Danke für Deinen tollen Beitrag hier! Es war schön, Dich beim Abschlusskonzert von "Glatt & Verkehrt" persönlich anzutreffen. Meinen Beitrag zum Festival- & Kultursommer in Niederösterreich habe ich soeben hier veröffentlicht: http://www.creativelena.com/reiseblog/highlights-zum-festival-und-kultursommer-in-niederoesterreich

    Freue mich von Dir zu hören! :)

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    1. Danke, Elena! Ich hab mich sehr gefreut mit euch unterwegs gewesen zu sein und bin gespannt auf unsere #visitlinz Tour im August!

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