wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

28.02.2014

Krapfen-Expertismus


© diekremserin
Da ich mich selbst nicht in der Lage sehe, Faschingskrapfen mit genügend Abstand zu benoten, habe ich mir gedacht, ich greife auf einen Experten in Sachen Süßigkeiten zu Rate. Gemeinsam mit Joe, der mir auch in sonstigen Lebenslagen beratend zur Seite steht, sitze ich nun vor sechs Faschingskrapfen. Er wird blind verkosten. Ich weiß welche Bäckerei dahinter steht und enthalte mich der offiziellen Stimme.

Woher kommt der Krapfen eigentlich und was bedeutet er? 

Eine kleine - bildende - Geschichte des Traditionsguts muss sein. Schließlich zählt der Krapfen wirklich zu einem Jahrhunderte-altem Brauch, der in unseren Breitengraden und weiter südlicher im Frühling zum Verzehr dargeboten wurde. Angeblich spielte die frittierte Germkugel schon bei den römischen Bacchanalen (Fest im Frühling zu Ehren des Gottes Bacchus) als 'globuli' (= lat. kleine Kugel) eine große Rolle. Da der Krapfen heiß begehrt ist, ranken sich um seine Entstehungsgeschichte und v.a. seine Herkunft viele unterschiedliche - heute nicht mehr zu zu ordnende - Geschichten. Eine, die ich auf der Seite ichkoche.at gefunden habe, gefällt mir besonders gut: Hofbäckerin Cäcilie Krapf buk eigens erfundene 'Cillykugeln' aus Germteig mit eingelegten Früchten.

© diekremserin: Alles was übrig blieb! 
"Cillykugeln", die eigentlichen Vorbilder für unsere heutigen Faschingskrapfen, mit denen zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Hofbälle auf die bezauberndste Weise versüßt wurden. Und zwar mit so durchschlagendem Erfolg, daß allein im Kongreßjahr 1815 an die zehn Millionen Krapfen bei offiziellen Empfängen und Bällen verspeist wurden.


Sechs verschiedene Faschingskrapfen zieren also meinen Esstisch. Entschlossen nur vom Bäcker gemachte Faschingskrapfen zu verkosten, habe ich beim, ungefähr gleichzeitig getätigten, Kauf versucht genaue Angaben zum Zeitpunkt der Herstellung (alle sind nacht-frisch) und v.a. der alles ausschlaggebenden Marillenmarmelade zu bekommen. Unsere Noten vergeben wir nach Konsistenz, Gesamtgeschmack, Geschmack der Marillenmarmelade und Aussehen.


 KOSTNOTIZEN I


Café-Konditorei Hagmann
Untere Landstraße 8

Eindeutiger Gewinner!
Schon beim Auspacken und Ansehen geizt die wunderschön geformte Faschingsbäckerei mit ihren Vorteilen. Perfekt angezuckert und mit dem richtigen Bräunungsgrad versehen erwarten wir vom ersten Biss viel und wir werden nicht enttäuscht. Die hausgemachte Marmelade schmiegt sich an die fluffige Konsistenz des Krapfens.
Ein Traum im Mund.
Kosten pro Krapfen 1.50,- 




Bahnhofsplatz

Gepunktet hat diese Faschingsversuchung mit ihrem Aussehen.   Die Marmelade, selbstgemacht, überzeugte leider nur mäßig, während Konsistenz und Gesamtgeschmack des Krapfens hoher Backqualität entsprechen.  Auf jeden Fall eine herrliche Alternative den Fasching mit all seinen Zutaten zu feiern. Mit mehreren Standorten in Krems sind die Raimitz-Krapfen auch gut zugänglich. 
Kosten pro Krapfen 1.30,-



Bäckerei Sabathiel 
Bahnhofsplatz

Ex aequo mit Raimitz und Aubrunner fährt Bäckerei Sabathiel mit ihrem Krapfen auf. Geschmacklich fällt er etwas zurück, da der Germteig etwas trocken geraten ist. Die Konsistenz macht diesen Minuspunkt wieder wett, während die Marmelade etwas weniger süß sein könnte. Die überall in Krems verstreuten Sabathiel-Filialen  bieten preislich spannende Aktionen zum Fasching an!
Kosten pro Krapfen 1.40,-




Ringstraße 67

Das kleine Geschäft auf der Ringstraße reicht die Krapfen backfrisch über die Theke. Äußerlich genau auf den Punkt gebracht, lässt leider die hausgemachte Marillenmarmelade einen falschen Eindruck entstehen: sie ist zu dunkel geraten und wirkt wie Erdbeermarmelade.  Dass geschmacklich dann doch alles  zu einer Einheit verschmilzt und der Teig auf der Zunge zu zergehen scheint,  macht die Einbusse wieder wett. 
Kosten pro Krapfen 1.10,-



Bäckerei & Konfiserie Schmidl
Obere Landstraße 8

Der etwas lädierte Krapfen (er lag am längsten im Einkaufskorb!) spielt in Aussehen, Geschmack und Konsistenz im oberen Mittelfeld mit. Einzig die Marmeladenfüllung ist eine herbe Enttäuschung: denn bis auf einen winzigen Spritzer Marillenmarmelade beißt man auf trockenen Krapfenteig.
Kosten pro Krapfen 1.40,-


Untere Landstraße 6

Verlierer dieser Runde stellt der Faschingskrapfen der St. Pöltner Bäckerei dar - frisch gebacken war er, die Marmelade schmeckt leider - industrielles Massengut? - nach wenig. Neben den Einbußen durch die Marmelade  verliert der Krapfen durch sein Aussehen im Vergleich zu seinen Verkostungs-Konkurrenten.  Ein fader, eher trockener Krapfen, der wohl am ehesten durch seinen günstigen Preis besticht. 
Kosten pro Krapfen 1.15,-



Kommentare:

  1. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, daher halte ich grundsätzlich nicht viel von den diversen Krapfentests, die gerade in der Faschingszeit wie Schwammerl aus dem Boden schießen. Allerdings muss ich sagen, dass ich eurem Test im Großen und Ganzen durchaus zustimmen kann. Einzig die Platzierung der Schmidl-Krapfen kann ich durch meine Erfahrungen nicht nachvollziehen. Dass ihr offensichtlich gerade einen Krapfen mit missglückter Befüllung erwischt habt, ist sehr ärgerlich, denn die Marmelade ist mitunter der wichtigste Bestandteil des Krapfens, praktisch das Herz. Und gerade die herrliche Wachauer Marillen Marmelade vom Schmidl ist besonders köstlich. Man schmeckt die Frucht und die Qualität dieser. Geschmacklich wir aus Omas Küche, keine Geschmacksstoffe und keine Industrie.

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  2. Danke für das Kommentar, denn ich bin ganz deiner Meinung, dass sich über Geschmack streiten lässt. Und ein Krapfen kann auch einmal daneben gehen.
    Wir können alle stolz darauf sein, dass wir so viele Auswahlmöglichkeiten an Bäckereien haben, die qualitativ hervorragende Arbeit leisten - dazu zähle ich alle genannten Bäckereien.

    "Aus Omas Küche" muss ich ehrlich gestehen habe ich noch nie einen Krapfen gegessen, das wäre für mich eine Herausforderung zu sehen welchen Unterschied dies dann machen würde :-)

    Liebe Grüße,
    diekremserin

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