wanderlust = n, [won-der-luhst], a strong innate desire to rove or travel about

21.05.2014

kleine Träumereien

An Tagen wie diesen,...

borge ich mir gerne eine Geschichte aus 2010


Peter Krobath, freier Autor und Mitglied der Künstlergruppe Kuserutzky Klan, träumt und ich mit ihm (derstandard, 4. Juli 2010). Ich will zusätzlich Anreiz geben, über unsere Stadt und unser Zusammenleben nachzudenken. Wir sind die Bewohner und Bewohnerinnen, wir benutzen die Stadt, wir leben in ihr und wir machen sie zu dem was sie ist. Deshalb dürfen wir träumen und Teile dieser Träume auch umsetzen:

Als die Autos verschwanden

Tomaten züchten am Schottenring? Hängematten in den Einfallstraßen? Wildschweine zwischen den Ruinen der Shopping City? - Ein spontaner Tagtraum anlässlich der jüngsten Rückholaktion der Autoindustrie.


Als die Autohersteller der Welt alle Autos zurückpfiffen, die fahrenden und die parkenden, die alten stinkenden und die neuen hybriden, begriffen wir allmählich, dass die Stadt zwischen den Häusern uns gehörte, und da und dort und anderswo wuchsen die Wohnräume und Spielplätze und Gärten auf die Straße hinaus.

In der Neustiftgasse spannten wir Wäscheleinen über die Fahrbahn. Am Schottenring zogen wir Tomaten, griffbereit. Auf der Praterstraße legten wir Boccia-Bahnen an. Am Gaudenzdorfer Gürtel bauten wir einen kilometerlangen Skaterinnen-Parcour. In der Berggasse experimentierten wir mit einer Ganzjahres-Rodelbahn und donnerten todestriebig in die Porzellangasse. In der Stumpergasse halfen wir einem Wildbach an die Erdoberfläche. Am Europaplatz managten wir eine Allmende mit zwei Dutzend Ochsen. Am Stillfriedplatz pflanzten wir einen Wald.

Wir gewöhnten uns an, unter den Bäumen der Schüttelstraße und der Hadikgasse eine Siesta abzuhalten. Auf die Linke Wienzeile und auf die Rechte Wienzeile schrieben wir täglich neue Gedichte, die man noch vom fünften Stock aus lesen konnte. Bei schönem Wetter verlegten wir unsere Arbeitsplätze und Esstische und Krankenbetten in die ehemaligen Kurzparkzonen und beobachteten die in den Ampelgehäusen nistenden Kuckucke. Wir entdeckten, dass wir interessante Nachbarinnen haben. Und auf einmal standen Fernsehsessel dort, wo man wirklich in die Ferne sehen konnte, auf der Philadelphiabrücke, auf der Laaer Straße oder am Flötzersteig.

Auf der TU entwickelten wir eine Zusammenphaltmaschine zur Straßenbelag-Entsorgung. Den Dreiradfahrern, den Rollstuhlfahrern und den Fahrradfahrerinnen bauten wir richtige Wege, genauso den Kinderwagen- und den Einkaufswagenschiebern. Für die Solarkarren, mit denen die Bauern der Umgebung ihre Produkte auslieferten, legten wir Transportwege aus Flüsterluft an.

Dann pfiffen die Banken der Welt alles Geld zurück, das echte und das virtuelle, das faule und das parfümierte, und wir regelten unsere Dinge über Gespräche. Endlich lernten wir in allen Sprachen der Stadt zu streiten. In der Julius-Meinl-Gasse stellten wir eine riesige Luftburg auf. Die Tomaten vom Schottenring verwendeten wir nun für den Salat. Zum Nachdenken benutzten wir die frei verfügbaren Hängematten am Esteplatz, in der Pasettistraße, der Herbststraße und der Laxenburger Straße.

An jeder Straßenecke organisierten wir eine Gemeinschaftsküche. In den einstigen Parkgaragen richteten wir grätzlverwaltete Produktionsräume und Fahrradwerkstätten ein. Eine Tankstelle flog in die Luft, weil wir vergessen hatten, warum man dort nicht rauchen durfte. Die Kinder wunderten sich über geerbte Münzsammlungen und Spielzeug-Autos. In schummrigen Keller-Etablissements trafen sich alte Männer zum Formel-I-Schauen.

Die Schulklassen machten regelmäßig Exkursionen nach Vöslau, um die hängenden Gärten und die Wildtiere in den Ruinen der Shopping City Süd zu sehen. Die unvergesslich schönen Schneckenwiesen am Eric-Kandel-Ring zogen zahlreiche Wandertouristen aus den Nachbarländern an. Und dort, wo in unserer Stadt noch ein Mittelstreifen übriggeblieben war, übten kleine Kinder das Seiltanzen. 

Ich freue mich über Beiträge, die sich auf Krems beziehen: was würdest Du tun, wäre die Ringstraße Autofrei? Wie würdest du die Steiner Landstraße gestalten? Hast du Ideen die Stadt Krems kreativ zu verbessern? Auch wenn es nur ein Tagtraum ist, der dir im Kopf herum schwirrt: schreib ihn doch auf. Am Sonntag, 25. Mai, gibt's im Stadtpark die Möglichkeit zum Austausch und deine Wünsche und Träume auf einen "Wish-Tree" zu fädeln. Bestimmt sind einige der Ideen realisierbar!


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